Höhere Erfolgs-Chancen: Sport als Unterstützung beim Rauchstopp15. Juli 2026 In Arbeiten zu einzelnen Trainingseinheiten, die ausgewertet wurden, bewirkten intensivere Sporteinheiten eine stärkere Reduzierung des Rauchverlangens. (Foto: ty/stock.adobe.com) Trotz der gesundheitlichen Folgen des Rauchens und der finanziellen Belastung, die der Konsum mit sich bringt, haben viele Menschen Schwierigkeiten mit der Entwöhnung. Sport kann helfen, belegt nun eine neue Übersichtsarbeit. Die Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der Universität Adelaide (Australien) zeigen, dass körperliche Aktivität Menschen bei der Entwöhnung unterstützen kann: Sie reduziert den Zigarettenkonsum, lindert das Verlangen nach Nikotin und verbessert die Aussicht auf einen dauerhaften Ausstieg. Konkret stellten die Forschenden fest, dass Raucher, die an Sportprogrammen teilnahmen, im Vergleich zu Kontrollgruppen mit einer um 15 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit dauerhaft abstinent blieben. Auch gaben Sport treibende Entwöhnungswillige mit einer um 21 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an, über einen Zeitraum von sieben Tagen nicht geraucht zu haben. Zudem zeigte sich, dass Sport den Zigarettenkonsum um zwei Zigaretten pro Tag senken konnte und dass bereits eine einzelne Sporteinheit das Verlangen nach einer Zigarette für bis zu 30 Minuten nach der Aktivität unmittelbar verringerte. Körperliche Aktivität als ergänzendes Hilfsmittel bei der Entwöhnung Für ihre systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse werteten die Wissenschaftler 59 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 9083 Teilnehmenden aus. Dabei wurden die Auswirkungen sowohl einzelner Sporteinheiten als auch langfristiger Sportprogramme auf die Raucherentwöhnung, das Verlangen nach Zigaretten, Entzugserscheinungen und die Stimmung analysiert. Die Forschenden betonen, dass körperliche Aktivität als zusätzliches Hilfsmittel betrachtet werden sollte, das begleitend zu etablierten Methoden der Raucherentwöhnung eingesetzt werden kann. „Mit dem Rauchen aufzuhören ist das Beste, das man für die eigene Gesundheit tun kann, aber es ist auch mit das Schwierigste“, erklärt Erstautor Dr. Ben Singh von der School of Allied Health and Human Performance an der Adelaide University. „Viele Raucher wollen aufhören, doch die gängigen Methoden funktionieren nicht bei jedem. Deshalb brauchen wir mehr Strategien, die sich mit geringem oder gar keinem Kostenaufwand in den Alltag integrieren lassen.“ Singh ergänzt: „Schon etwas so Einfaches wie regelmäßiger Sport kann für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, einen entscheidenden Unterschied machen: Er hilft ihnen, das Verlangen zu bewältigen, weniger zu rauchen und ihre Erfolgschancen zu erhöhen.“ Ergebnisse der Übersichtsarbeit im Einzelnen Es handelte sich um 43 Studien zu Sportprogrammen (n=8548) sowie 16 Studien zu einzelnen Trainingseinheiten (n=535). Der Auswertung zufolge steigerte körperliches Training die kontinuierliche Abstinenz (Risikoverhältnis [RR] 1,15; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,01–1,32; p=0,04; 23 RCTs; n=5512) sowie die Sieben-Tage-Punktprävalenz der Abstinenz (RR 1,21; 95%-KI 1,03–1,43; p=0,02; 18 RCTs; n=4455) und führte zu einer Reduktion der Zahl der pro Tag gerauchten Zigaretten (mittlere Differenz −2,12; 95%-KI −3,30 bis −0,93). Einzelne Trainingseinheiten verringerten das akute Rauchverlangen unmittelbar nach der Belastung sowie bis zu 30 Minuten danach (Bereich der standardisierten mittleren Differenz −0,88 bis −0,52). Auf längere Sicht allerdings minderten einzelne Trainingseinheiten das Rauchverlangen nicht. Auch die Art der körperlichen Aktivität verglichen die Wissenschaftler. Sie berichten, dass aerobes Training in den Studien zu Sportprogrammen die kontinuierliche Abstinenz erhöhte, während intensivere Sporteinheiten in den Arbeiten zu einzelnen Trainingseinheiten eine stärkere Verringerung des Rauchverlangens bewirkten. Die Evidenzlage für Krafttraining, Yoga und andere nicht aerobe Trainingsformen sei begrenzter gewesen, schreiben die Autoren der Übersichtsarbeit. Sie hätten aber auch hier Hinweise auf potenzielle Vorteile hinsichtlich des Rauchverlangens und der Rauchergebnisse gefunden. Die Datenlage für methodenspezifische gepoolte Schätzungen habe aber nicht ausgereicht. In keiner der ausgewerteten Arbeiten wurden Ergebnisse zur Entwöhnung von E-Zigaretten gefunden. Integration von Sport in Programme zur Raucherentwöhnung Prof. Carol Maher, leitende Forscherin an der University of Adelaide, konstatiert, dass körperliche Aktivität gezielt eingesetzt werden könne, um dem Verlangen nach Tabak entgegenzuwirken. „Die Raucherentwöhnung muss sich nicht allein auf die Willenskraft stützen“, unterstreicht Maher. „Das Verlangen kann schwer zu bewältigen sein, doch es lässt oft nach. Unsere Übersichtsarbeit hat gezeigt, dass bereits eine einzige Sporteinheit das Verlangen für bis zu 30 Minuten verringern kann; dies kann Betroffenen helfen, einige der schwierigsten Momente während eines Entwöhnungsversuchs zu überstehen. Körperliche Aktivität sollte zwar keine evidenzbasierten Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung – wie etwa Beratungsangebote oder Medikamente – ersetzen, kann aber eine praktische und kostengünstige Strategie sein, die ergänzend dazu genutzt werden kann.“ Die Forschenden planen nun zu untersuchen, wie körperliche Aktivität in Programme zur Raucherentwöhnung im Alltag integriert werden kann – etwa in digitale Angebote, gemeindenahe Programme oder klinische Dienste. Zudem soll geprüft werden, ob Sport auch Menschen unterstützen kann, die mit dem E-Zigaretten-Konsum aufhören wollen. Hierzu liegen bislang noch keine ausreichenden Erkenntnisse vor. (ac)
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