Höherer BMI bedeutet größeres Risiko für Diabetes, nicht aber für Herzinfarkt11. April 2018 © Chinnapong – fotolia.com In Beobachtungsstudien hat Adipositas sich als wichtiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen und Tod erwiesen. Doch inwieweit werden diese Zusammenhänge durch genetische Faktoren verzerrt? Dieser Frage ging ein schwedisches Wissenschaftlerteam um Prof. Peter Nordström von der Universität Umeå nach. Seine Untersuchung an monozygoten Zwilligspaaren mit unterschiedlichem Body-Mass-Index (BMI) zeigt, dass ein höherer BMI nicht mit einem höheren Risiko für einen Myokardinfarkt (MI), wohl aber für Diabetes assoziiert war. Dies spreche dafür, dass Lebensstil-Interventionen zur Reduktion von Adipositas effektiver sind, um das Diabetesrisiko zu senken, als das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen oder Tod. Nordström und seine Kollegen hatten anhand des landesweiten schwedischen Zwillingsregisters eine Kohorte von 4046 monozygoten Zwillingspaaren mit unterschiedlichen BMIs (Unterschied >0,01) identifiziert. Die Studie erfolgte vom 17. März 1998 bis zum 16. Januar 2003, mit Nachbeobachtung bis zum 31. Dezember 2013. Die Auswertung ergab ein mittleres Alter (Standardabweichung [SA]) von 57,6 (9,5) Jahren (Spanne 41,9–91,8 Jahre) bei Studieneintritt. Während eines mittleren Nachbeobachtungszeitraums von 12,4 (2,5) Jahren traten unter den schwereren Zwillingen 203 MIs (5,0 %) und 550 (13,6 %) Todesfälle auf. In dieser Gruppe lag der mittlere (SA) BMI bei 25,9 (3,6). Im Vergleich dazu gab es unter den schlankeren Zwillingen 209 MIs (5,2 %) und 633 Todesfälle (15,6 %). In dieser Gruppe betrug der mittlere (SA) BMI 23,9 (3,1). Daraus berechneten die Autoren für den primären Endpunkt aus Tod/MI eine kombinierte multivariable adjustierte Odds Ratio (OR) von 0,75 (95 %-Konfidenzintervall 0,63–0,91). Selbst bei Zwillingen, bei denen sich der BMI um ≥7 Punkte unterschied (Mittel [Standardfehler] 9,3 [0,7]) und der schwerere Zwilling einen BMI von ≥30,0 hatte (n=65 Paare), war das MI-Risiko bei den schwereren Zwillingen nicht höher (OR 0,42; 95 %-KI 0,15–1,18). Im Gegensatz dazu beobachteten Nordström und seine Kollegen, dass in der gesamten Zwillingskohorte das Risiko für neu auftretenden Diabetes bei den schwereren Zwillingen höher war (OR 2,14; 95 %-KI 1,61–2,84). Darüber hinaus stellten sie fest, dass BMI-Anstiege seit 30 Jahren vor der Baseline nicht mit dem späteren Risiko für MI oder Tod (OR 0,97; 95 %-KI 0,89–1,05), aber für neu auftretenden Diabetes assoziiert waren (OR 1,13; 95 %-KI 1,01–1,26). Fazit Bei monozygoten Zwillingspaaren war ein höherer BMI nicht mit einem erhöhten Risiko für MI oder Tod assoziiert, aber mit dem Auftreten von Diabetes. Diese Ergebnisse können darauf hindeuten, dass Lebensstilinterventionen zur Verringerung der Fettleibigkeit das Risiko für Diabetes wirksamer senken als das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder den Tod. Autoren: Nordström P et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Risks of Myocardial Infarction, Death, and Diabetes in Identical Twin Pairs With Different Body Mass Indexes Quelle: JAMA Intern Med 2016;176(10):1522–1529. Web: dx.doi.org/10.1001/jamainternmed.2016.4104
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