Hormontherapie: Proteine spiegeln Geschlechtsidentität wider22. Oktober 2025 Abbildung der 3D-Struktur eines Proteins. Symbolbild: MRSUTIN/stock.adobe.com Sexualhormone verändern die Expression von Proteinen. Das ermöglicht die Angleichung der Geschlechtsidentität bei Transgender-Patientinnen durch eine Hormontherapie – beeinflusst aber auch ihre Krankheitsrisiken, wie Forschende aus Melbourne zeigen. Eine feminisierende geschlechtsangleichende Hormontherapie bei Transgender-Frauen besteht in der Regel aus Estradiol in Kombination mit Antiandrogenen. Dadurch wird nicht nur die körpereigene Testosteronproduktion unterdrückt, sondern auch die Expression von anderen Proteinen maßgeblich verändert. Proteinexpression ähnlich der von Cis-Frauen Wie eine Studie des Murdoch Children’s Research Institute (MCRI) und der University of Melbourne (Australien) ergab, ähnelt das geschlechtsspezifische Proteom im Blut von Transgender-Frauen sechs Monate nach Beginn einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie dem von Cisgender-Frauen. Die Studie umfasste 40 erwachsene Transfrauen aus dem Austin Hospital, deren Blutproben auf über 5000 Proteine untersucht wurden. Zusätzlich verglich das Forschungsteam die Proteinveränderungen mit denen von 55.000 Cisgender-Frauen anhand von Proben aus einer UK Biobank. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht und zeigen: Protein-Biomarker, die mit männlicher Fortpflanzung und Fruchtbarkeit in Zusammenhang stehen, waren reduziert. Solche, die Körperfett, Brustentwicklung, Immunfunktion und Herzgesundheit beeinflussen, waren hingegen erhöht. Menschliche Biologie ist formbar Genauer ergaben die Untersuchungen, dass die geschlechtsangleichende Hormontherapie sieben der zehn Schlüsselproteine veränderte, die sich normalerweise bei Männern und Frauen unterscheiden. Das bestätigt, dass Sexualhormone die Plasmaproteine stark beeinflussen und zu einer besseren Anpassung an die Geschlechtsidentität einer Person beitragen. Die Veränderungen bei Transfrauen spiegelten zudem die Veränderungen wider, die bei Cis-Frauen während einer Hormonersatztherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden beobachtet wurden. Laut Prof. Boris Novakovic, Studienleiter und Korrespondenzautor vom MCRI, könne die geschlechtsangleichende Hormontherapie damit auch einen großen Einfluss auf Proteine und Biomarker haben, die mit bestimmten Gesundheitszuständen in Verbindung stehen. „Eine geschlechtsangleichende Hormontherapie könnte sich auf das Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen auswirken, die tendenziell eher Frauen betreffen. Dafür verringert sie potenziell das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufiger bei Männern auftreten. Das zeigt, dass die menschliche Biologie formbar ist und dass unser Körper auch im Erwachsenenalter auf Veränderungen der Sexualhormone reagiert“, erklärt Novakovic. Potenzial für bessere Gesundheitsversorgung Die Ergebnisse unterstreichen außerdem die Notwendigkeit differenzierterer Ansätze zur langfristigen Überwachung von Transgender-Patientinnen, so Novakovic weiter. Denn die Veränderungen der Proteinexpression unterschied sich je nachdem welches Antiandrogen die Patientinnen verwendeten (Cyproteronacetat oder Spironolacton). Gesundheitsdienstleiter sollten deshalb sowohl die Ähnlichkeiten zu den Gesundheitsrisiken von Cis-Frauen sowie die besonderen Aspekte der Gesundheit von Transfrauen berücksichtigen. Ko-Korrespondenzautorin Prof. Ada Cheung von der University of Melbourne ergänzt: „Die Untersuchung von Proteinen könnte die Entwicklung personalisierter Behandlungsansätze unterstützen, indem sie die Wirksamkeit der geschlechtsangleichenden Hormontherapie bei Transfrauen überwacht und uns hilft, potenzielle Nebenwirkungen auf die Herzgesundheit oder die Immunfunktion frühzeitig zu erkennen.“ Die Durchführung und Überwachung geschlechtsangleichender Hormontherapien müsse verbessert werden, führt Cheung fort. Die aktuelle Studie gebe einen Einblick, wie personalisierte Behandlungen mit fortschreitenden Technologien funktionieren können. (mkl/BIERMANN)
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