Immunsystem könnte neue Ansatzpunkte für Behandlung der Fettleber bieten9. September 2026 Bild: praewpailyn/stock.adobe.com Gießener Forschende haben einen Signalweg identifiziert, der möglicherweise neue Ansatzpunkte für die Behandlung von Fettlebererkrankungen eröffnet. Der Botenstoff Interleukin-13 begünstigte bei Mäusen die Fettverbrennung in der Leber. Starkes Übergewicht kann zu einer gefährlichen Verfettung der Leber führen. Ein Botenstoff des Immunsystems könnte dabei eine überraschende Schutzfunktion übernehmen: Interleukin-13 (IL-13) hilft der Leber offenbar, überschüssiges Fett abzubauen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie unter der Leitung der Gastroenterologin Prof. Elke Roeb von der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hin, die jetzt in der Zeitschrift „Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht wurde. Interleukin-13 begünstigt Fettverbrennung Das Forschungsteam stellte fest, dass die Konzentration von IL-13 im Blut bei Menschen mit starkem Übergewicht nach einer Gewichtsabnahme deutlich anstieg. Dies deutet darauf hin, dass IL-13 mit den positiven Veränderungen des Stoffwechsels nach einer Gewichtsreduktion verbunden sein könnte. Untersuchungen an Mäusen bestätigten diese Vermutung: Fehlte IL-13, sammelte sich deutlich mehr Fett in der Leber an. Gleichzeitig wurde die Verbrennung von Fettsäuren beeinträchtigt. IL-13 scheint somit wesentlich dazu beizutragen, dass die Leber überschüssiges Fett nicht nur speichert, sondern auch wieder abbauen kann. Die Forschenden um Roeb konnten außerdem den zugrunde liegenden Mechanismus entschlüsseln. IL-13 aktiviert in den Leberzellen über den IL-13-Rezeptor (IL-13Rα1) eine Signalkette, an der die Kinase JNK und der Transkriptionsfaktor FOSL2 beteiligt sind. Durch sie werden zentrale Stoffwechselprogramme zur Fettverbrennung angeschaltet. Das fördert wiederum die Verarbeitung und Verbrennung von Fettsäuren und reduziert die Einlagerung von Triglyceriden in der Leber. Bemerkenswert ist, dass sich die experimentellen Befunde auch beim Menschen widerspiegelten: FOSL2 war in Lebergewebe von Patienten mit Fettleber und entzündlicher Fettlebererkrankung (MASH) verstärkt nachweisbar. Immunsystem als möglicher Schlüssel zur Behandlung „Die Ergebnisse verändern den Blick auf die Entstehung der Fettleber“, sagt Roeb. „Das Immunsystem ist offenbar nicht nur an Entzündungsprozessen beteiligt, sondern kann den Fettstoffwechsel der Leber direkt regulieren. IL-13 könnte dabei eine bislang unterschätzte Schutzfunktion besitzen.“ Der identifizierte IL-13-FOSL2-PPAR-Signalweg eröffne deshalb eine neue Perspektive für die Entwicklung zukünftiger Therapien. Ziel könnte es sein, die natürlichen Mechanismen der Leber zur Fettverbrennung gezielt zu stärken und dadurch die Fetteinlagerung zu vermindern. Die Studie liefert damit einen wichtigen neuen Ansatz: Nicht nur der Fettstoffwechsel, sondern auch das Immunsystem könnte ein Schlüssel zur Behandlung der Fettleber sein.
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