Immuntherapiebedingte Kolitis bei Krebspatienten: Potenzial der Fäkalen Mikrobiota-Transplantation21. September 2026 Abbildung: TopMicrobialStock/stock.adobe.com Krebspatienten mit einer immuntherapiebedingten Kolitis könnten möglicherweise von einer gezielten Beeinflussung des Darmmikrobioms mittels Fäkaler Mikrobiota-Transplantation (FMT) profitieren: Ein US-amerikanisches Forschungsteam berichtet, dass damit unter Umständen ein Verzicht auf Steroide und andere immunsuppressive Therapien möglich sein könnte. Die Wissenschaftler unter Leitung von Mitarbeitern MD Anderson Cancer Center der University of Texas stellten kürzlich im Journal „Cell Reports Medicine“ Ergebnisse einer Phase-I/II-Studie vor, laut denen sich der Zustand von fast 77 Prozent der ersten 13 mit FMT behandelten Patienten verbesserte. Die Symptome klangen im Median innerhalb von nur 1,5 Tagen ab. Acht der zehn Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, blieben während der Nachbeobachtung in Remission. „Besonders hervorzuheben ist der rasche Eintritt einer klinischen Besserung durch den frühen Beginn der Mikrobiomtherapie sowie die hohe Anzahl an Patienten, die ihre Krebsbehandlung wieder aufnehmen konnten“, berichtet Studienleiterin Dr. Yinghong Wang, Professorin für Gastroenterologie und Hepatologie am MD Anderson Cancer Center. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die FMT im Frühstadium einer immuntherapiebedingten Kolitis eine Rolle spielen könnte. Sie stellt eine schnelle und effektive Behandlungsmethode dar, die möglicherweise die Belastung durch Immunsuppressiva und damit verbundene Komplikationen zu verringern in der Lage ist.“ Immuntherapiebedingte Kolitis gefährdet Krebstherapie Die Symptome einer immuntherapiebedingte Kolitis – Durchfall, Bauchschmerzen und Inflammation des Kolons – können in manchen Fällen so schwerwiegend sein, dass die verursachende Krebstherapie abgebrochen werden muss. Aktuell werde eine solche Kolitis üblicherweise mit Steroiden und Biologika behandelt, schreiben die Autoren. Die FMT verfolgt jedoch einen anderen Ansatz: Sie überträgt gesunde Darmbakterien eines sorgfältig ausgewählten Spenders in den Verdauungstrakt des Patienten, um die Darmmikrobiota wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Die Entwicklung von Therapien, die den Bedarf an Steroiden reduzieren, gilt als wichtiges Ziel bei der Behandlung von Nebenwirkungen der Krebsimmuntherapie. Zwar lassen sich mit Steroiden und anderen immunsuppressiven Therapien Entzündungen kontrollieren, doch eine Langzeitanwendung erhöht das Risiko für Infektionen und andere Nebenwirkungen. Auch gibt es Bedenken, wie die Unterdrückung des Immunsystems die Fähigkeit des Körpers, auf Krebs zu reagieren, beeinträchtigen könnte. Studienautorin Yinghong Wang. (Foto: The University of Texas MD Anderson Cancer Center) Bei Ansprechen auf FMT positive Veränderung der Darmmikrobiota In der nun präsentierten Studie analysierten Wang et al. Stuhl-, Blut- und Gewebeproben, die vor und nach einer FMT entnommen wurden. Bei den ansprechenden Probanden zeigte sich im Vergleich zu denjenigen, die nicht ansprachen, ein Anstieg verschiedener Bakterienarten, die mit einer besseren Darmgesundheit assoziiert sind. Auch war bei einem Ansprechen auf die FMT ein Rückgang von Bakterien zu beobachten, die mit Darmentzündungen in Verbindung stehen. Die Forschenden fanden außerdem Unterschiede bezüglich Immunmarkern zwischen den beiden Gruppen. Diese Ergebnisse können laut den Autoren dazu beitragen, besser zu verstehen, wie das Darmmikrobiom Entzündungen und das Ansprechen auf die Behandlung beeinflusst. Die Arbeitsgruppe um Wang berichtet außerdem, dass beobachtete Nebenwirkungen der FMT mild ausfielen: Es kam in solchen Fällen zu vorübergehenden abdominalen Beschwerden, zu Übelkeit und leichtem Fieber. Die Forscher planen nun, die FMT in größeren, randomisierten Studien weiterhin direkt mit Standardbehandlungen zu vergleichen und zusätzliche klinische Studien zur FMT bei der Behandlung verschiedener Krebsarten wie Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lymphomen durchzuführen. (ac/BIERMANN)
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