Influenzaimpfung zur Herzinfarktvorsorge: Impfung ähnlich effektiv wie Rauchstopp30. Oktober 2018 Foto: © Konstantin Yuganov/Fotolia Noch rollt die Grippewelle nicht – doch dass sie auch diesen Winter kommen wird, steht außer Zweifel. Meist steigen zu Beginn des neuen Jahres die Infektionen sprunghaft an. Die beste Zeit für die Impfung gegen Influenza sind die Monate Oktober und November. Denn bis der Immunschutz vollständig aufgebaut ist, vergehen etwa 14 Tage. Die Impfung schützt nicht nur vor der Grippe selbst, sondern senkt auch das Risiko von Folgeerkrankungen. So hat sie für die Prävention des Herzinfarkts ähnliche Effekte wie der Stopp des Nikotinkonsums oder die Einnahme von Cholesterin- und Blutdrucksenkern. Deshalb sollten sich vor allem Patienten mit Herzleiden oder anderen chronischen Erkrankungen sowie Menschen ab 60 Jahren gegen Influenza impfen lassen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI). In der Saison 2017/2018 ist die Grippewelle mit 334 000 bestätigten Fällen ungewöhnlich stark ausgefallen. Dies zeigt sich auch in der Auswertung der sogenannten „Übersterblichkeit“ im Zeitraum der Grippewelle, die das Robert Koch-Institut für den Raum Berlin ausgewertet hat: Demnach kam es alleine in der Hauptstadt während der letzten Grippewelle zu 1100 zusätzlichen Todesfällen. Ältere Menschen und chronisch Kranke sind besonders gefährdet, schwere oder sogar tödliche Verläufe der Influenza zu erleiden. Zu den gefürchteten Komplikationen gehören Entzündungen des Herzmuskels oder des Gehirns – auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen kann dies betreffen. Weniger bekannt ist der Zusammenhang zwischen der Influenza und dem Auftreten von Herzinfarkten: Influenzaviren können das Herz-Kreislauf-System schädigen und erhöhen damit besonders bei Menschen mit chronischen Herzleiden das Risiko, einen Infarkt zu erleiden. Aktuelle Übersichtsstudien zeigen, dass die Impfung gegen Influenza einen Herzinfarkt vergleichbar effektiv verhindern kann, wie ein Rauchstopp oder die Einnahme von Blutdruck- oder Cholesterinsenkern. „Diese wissenschaftlichen Belege machen deutlich, dass die Impfung gegen Influenza gerade bei Herzpatienten ein wesentlicher und selbstverständlicher Bestandteil der Vorsorge sein sollte – dennoch sind die Impfraten bei Risikopatienten leider nach wie vor niedrig“, sagt Prof. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln und Vorsitzender der DGI. Auch Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, profitieren von der Impfung. Bei Betroffenen, die nach der Infarktbehandlung gegen Influenza geimpft werden, treten seltener kardiovaskuläre Todesfälle ein als bei Nicht-Geimpften – in einer Untersuchung betrug dieser Unterschied zwei gegenüber acht Prozent nach einem Beobachtungszeitraum von sechs Monaten. Die Schwere der vergangenen Grippewelle lässt sich unter anderem auf einen nur begrenzt wirksamen Impfstoff zurückführen: Er enthielt drei verschiedene Virus-Stämme. Der Großteil der Erkrankungen wurde jedoch von einer im Impfstoff nicht enthaltenen Variante des Influenza B-Virus ausgelöst. In diesem Jahr empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut einen Vierfachimpfstoff. „Mit der Impfung gegen vier statt drei verschiedene Viren-Stämme können in der kommenden Saison aller Voraussicht nach deutlich mehr Erkrankungen verhindert werden“, so Fätkenheuer. Der Vierfach-Impfstoff war in der vergangenen Saison nur als Wahlleistung verfügbar. Aufgrund der STIKO-Empfehlung wird dieser in diesem Jahr von den Kassen erstattet. Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung für chronisch Kranke, Schwangere, Menschen über 60 Jahren und Angehörige medizinischer Berufe.
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