DOC 2026 International und hochkarätig: Die General Session der DOC19. Juni 2026 Aktuelle und teils auch historische Aspekte der Ophthalmochirurgie bildeten die Inhalte der Ehrenvorlesungen und Auszeichnungen während der General Session des 38. DOC-Kongresses. Illustration: © Issara – stock.adobe.com Sie ist traditionell die Hauptsitzung der DOC im jährlichen Kongressprogramm: die General Session. In diesem Jahr umfasste die Sitzung vier Ehrungen und fünf Ehrenvorlesungen. von Dieter Kaulard Einmal mehr dokumentierte die General Session die Internationalität des DOC-Kongresses, zu dem die Veranstalter rund 7500 Teilnehmende erwarten. Insgesamt 484 Referenten beteiligen sich am 38. Kongress. Die Ziele sind seit Beginn dieser Tagung die bestmögliche praxisorientierte Fort- und Weiterbildung in der Augenchirurgie, die Definition von Goldstandards, die Vorstellung von Innovationen und die beständige Verbesserung der Ergebnisqualität. Diese Zielsetzungen werden auch mit den Auszeichnungen der DOC alljährlich hervorgehoben. Den Auftakt bildet traditionell die Neuaufnahme in die Hall of Fame. Diese Ehrung wurde nunmehr Prof. Bernd Bertram (Aachen) zuteil (wir berichteten). Forschungspreis für Berthold Seitz Den DOC-Forschungspreis nahm Prof. Berthold Seitz entgegen, Direktor der Universitätsaugenklinik des Saarlandes. Sein großes Thema, so Laudator Dr. Peter Hoffmann, sei „die Keratoplastik in ihrer ganzen Breite“. Besondere Verdienste habe sich Seitz auf dem Gebiet der Excimerlaser-gestützten Keratoplastik erworben. Zudem habe er neben der Leitung der Homburger Klinik eine Hornhautbank aufgebaut und mehr publiziert als mancher lesen könne, meinte Hoffmann augenzwinkernd. Er unterstrich: „Wer bei ihm gelernt hat, weiß, wie es geht.“ Seitz’ Stärke sei „Spitzenforschung, die im OP ankommt.“ Seitz selbst bezeichnete sich in seinem Dankeswort weniger als Forschenden, sondern als Forschungsmanager. Als solcher bemühe er sich, ein Umfeld für Innovation zu schaffen, Freiräume zu geben und auf Mikromanagement zu verzichten. So könnten in Homburg in jeder Spezialität „Bäume in den Himmel wachsen“. Anja Eckstein für Fort- und Weiterbildung ausgezeichnet Die DOC-Ehrung für besondere Verdienste um die Fort- und Weiterbildung erhielt Prof. Anja Eckstein, stellvertretende Direktorin der Universitäts-Augenklinik Essen und Vizepräsidentin der DOG. Zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten zählen die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Augenmuskeln, Lider und Augenhöhle. Laudator Prof. Christos Haritoglou unterstrich, Eckstein sei Expertin für orbitale Immunerkrankungen und eine „tragende Säule“ der strabologischen Seminarwoche. Aber auch die AAD-Tagung komme ohne sie nicht aus, verwies er auf die etablierte Strabologie-Ringvorlesung. Entscheidend mitgewirkt habe Eckstein zudem bei den Leitlinien der European Group of Graves’ Orbitopathy (EUGOGO). Ein besonderes Anliegen sei ihr darüber hinaus die interdisziplinäre Zusammenarbeit, beispielsweise mit der Strahlentherapie. Eckstein, die Haritoglou als „starke Stimme“ auf dem Gebiet der Ausbildung bezeichnete, wertete ihre Auszeichnung als Ansporn, in ihrem Engagement nicht nachzulassen. Sie wolle aus den Bereichen Strabologie, Lidchirurgie und Endokrine Orbitopathie so viel weitergeben wie möglich. Bestes wissenschaftliches ePoster Zum besten wissenschaftlichen e-Poster des 38. DOC-Kongresses wählte die Jury den Beitrag zum Gebiet „Allgemeine Ophthalmologie“. Der Titel der Präsentation, „Eye Injuries in War: Clinical, Surgical and Humanitarian Perspectives“, so hieß es, verweise auf ein leider wieder aktuelles Thema. Das Poster hat die bei Springer in diesem Jahr erschienene Buchpublikation „Eye Injuries in War“ zum Gegenstand. Es stellt komplexe Augentraumata als besondere augenärztliche Herausforderung dar. Des Weiteren zeigt es, dass die in der Ukraine gemachten Erfahrungen und entwickelten Fähigkeiten international in die ophthalmologische Ausbildung integriert werden sollten. Dies könnte eine bessere Vorbereitung auf zukünftige Krisen weltweit gewährleisten. Das Poster von Erstautorin Dr. Sibylle Scholtz (Homburg/Saar) setzte sich gegen 30 weitere Einreichungen in fünf Subdisziplinen durch. Insgesamt wirkte an dem Poster ein 15-köpfiges Autorenteam mit, davon stammen zehn aus der Ukraine. Wie Scholtz bei der Auszeichnung mitteilte, ist eine deutsche Übersetzung des Buches in Arbeit. DOC-Lecture: Stanislao Rizzo zum Amnion-Einsatz in der Netzhautchirurgie International und hochkarätig waren die fünf Ehren-Lectures der DOC besetzt. Den Auftakt machte Prof. Stanislao Rizzo aus Rom (Italien) mit der DOC-Lecture. Rizzo ist weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Vitreoretinalchirurgie. Er berichtete in seiner Lecture über die Einsatzmöglichkeiten der Amnionmembran bei Netzhautablösungen und Makulalöchern. Ebenso stellte er die dazu von ihm entwickelten operativen Verfahren dar. From Biology to Breakthroughs – Innovator’s Lecture von Rohit Shetty Mit der Innovator’s Lecture ehrte die DOC Prof. Rohit Shetty aus Bangalore (Indien). Er ist Hornhaut- und Refraktivchirurg am Narayana Nethralaya Eye Institute. Weitere seiner Arbeitsbereiche umfassen die Neuro-Ophthalmologie und Elektrophysiologie und die klinische Forschung. Hierbei legt er den Schwerpunkt auf die Untersuchung biologischer Prozesse als Ursprung von Augenerkrankungen. In seiner Lecture „Rewriting Vision: The Science of What’s Coming Next — from Biology to Breakthroughs“ ging er beispielhaft auf molekulare Biomarker für den Keratokonus, das Trockene Auge und die Myopie-Entwicklung ein. DOC-Ridley-Lecture: Historischer Blick auf IOL-Innovationen mit Thomas Kohnen Prof. Thomas Kohnen, Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt a. M., hatte die Ehre, die DOC-Ridley-Lecture 2026 zu halten. In seinem Vortrag „Ridley’s Idee, unsere Realität“ entwickelte Kohnen eine historische Perspektive der IOL-Innovation – beginnend mit der ersten IOL-Implantation durch Ridley im Jahr 1949 bis hin zu den aktuellen modernen IOL. Dabei erwähnte er auch mit der Linsenchirurgie verbundene Meilensteine wie die Phakoemulsifikation (Kelman), die kontinuierliche zirkuläre Kapsulorhexis (Neuhann Th., Gimbel) und die lasergestützte Kataraktchirurgie. Des Weiteren befasste er sich mit der Materialentwicklung und Biometrie. Als Ausblick verwies Kohnen auf das Ziel, eine akkommodative IOL zu entwickeln, wobei flüssigkeitsgefüllte IOL-Konzepte erfolgversprechend sein könnten. Als ein Beispiel nannte Kohnen die Juvene IOL, die ein zweiteiliges Linsendesign nutzt.Eine persönliche Anmerkung sollte und durfte in diesem Vortrag auch nicht fehlen. Kohnen ist nicht nur einer von unzähligen Ophthalmochirurgen, die von Ridley’s Idee mitbeeinflusst wurden, Kohnen hat Ridley auch persönlich kennengelernt. Richard-P-Kratz-Lecture: Par-Force-Ritt durch schwierige Katarakt-OPs mit Yeo Tun Kuan Zu einem Par-Force-Ritt durch etliche schwierige Fälle der Kataraktchirurgie lud Dr. Yeo Tun Kuan (Singapur) das Auditorium bei der Richard-P-Kratz-Ehrenlecture ein. Er leitet den Bereich Katarakt und Vorderabschnitt in der Abteilung für Augenheilkunde des Tan-Tock-Seng-Hospitals in Singapur. Seine besonderen Interessen in Klinik und Forschung konzentrieren sich auf komplexe Operationen und IOL-Berechnungsformeln. Yeo ist Mitglied des IOL Power Club (IPC) und des International Intraocular Implant Club (IIIC). In didaktisch gut aufbereiteten Videobeiträgen stellte Yeo in einer Fallserie fünf schwierige Situationen und deren chirurgische Beherrschung dar. Die Serie begann mit einer subluxierten weißen Katarakt und endete mit einem Hornhauteinriss plus Zonulolyse und traumatischem Iris-Verlust. Ergänzend ging er auf IOL-Formeln ein, die für Augen mit subluxierten Katarakten als Optionen zur Verfügung stehen. Im Mittelpunkt stand dabei die von ihm entwickelte EVO-Formel und deren Rationale. Meyer-Schwickerath-Lecture: Ambulante Vitreoretinalchirurgie – Erfahrungen von Silvia Bopp Die fünfte Ehrenvorlesung der General Session, die Meyer-Schwickerath-Lecture, war einem gesundheitspolitischen Thema gewidmet: der ambulanten Netzhaut- und Glaskörperchirurgie in Deutschland. Als „ausgezeichnete“ Referentin hatte die DOC hierzu PD Dr. Silvia Bopp (Bremen) eingeladen. Schon vor mehr als 30 Jahren hatte sie gemeinsam mit PD Dr. Klaus Lucke den Schritt gewagt, eine vitreoretinale Tagesklinik nach dem Vorbild der USA aufzubauen. Sie schilderte – entlang an der gesundheitspolitischen Entwicklung in Deutschland – ihre persönlichen Erfahrungen. Das anfängliche „Bremer Modell“ sollte sich trotz vieler kritischer Stimmen aus dem Fach bewähren. Die im ambulanten Setting erreichten Ergebnisse, so Bopp, hätten sich mit denen aus dem stationären Beriech als vergleichbar erwiesen. Das Modell habe letztlich Eingang in Strukturverträge und IV-Verträge gefunden und sei so auch für andere Versorger geöffnet worden. Weitere größere Veränderungen in der ambulanten/stationären Versorgung hätten das GKV-Modernisierungsgesetz, das Aufkommen investorengeführter MVZ (iMVZ), die Ambulantisierung in Krankenhäusern und die Einführung von Hybrid-DRGs gebracht, betonte Bopp. Sie ergänzte jedoch, dass die VR-Chirurgie noch aus dem AOP-Katalog und den Hybrid-DRGs ausgenommen sei. Heute, so meinte Bopp abschließend, bewege sich die VR-Chirurgie jedoch weniger im Spannungsfeld von ambulant und stationär, sondern mehr in dem von Ethik und Ökonomie … allmählich nähmen iMVZ auch diese Spezialität der Ophthalmochirurgie in ihren Fokus.An die Fachgesellschaften appellierte sie, diese Entwicklungen mitzugestalten. Sie komme sich zwar etwas altmodisch vor, räumte sie ein, aber sie warnte dennoch davor, sich vom Kern des ärztlichen Berufes zu entfernen: vom Altruismus. „Der Patient steht im Mittelpunkt.“
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