Jenaer Geburtsmediziner wollen Risikoschwangeren mit PETN helfen14. November 2017 PD Dr. Tanja Groten. Foto: Universitätsklinikum Jena Jenaer Uniklinikum führt eine Studie zur Vorbeugung einer Mangelversorgung der Babys von Risikoschwangeren durch / DFG fördert klinische Studie/ Rekrutierung in 14 Studienzentren hat begonnen An der Klinik für Geburtsmedizin des Universitätsklinikums Jena können Schwangere, bei denen nach einem auffälligen Befund bei der Doppleruntersuchung in der Schwangerschaftsmitte ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung des Babys besteht, jetzt an einer klinischen Studie teilnehmen. Die Studie soll helfen, dieses Risiko zu vermindern. Mit der randomisierten, placebo-kontrollierten Studie an insgesamt 14 Studienzentren in ganz Deutschland wollen die Jenaer Unimediziner den positiven Effekt des Wirkstoffs Pentaerythrityltetranitrat (PETN) zur Vorbeugung einer Mangelversorgung nachweisen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das auf insgesamt drei Jahre angelegte Projekt. Bei der feindiagnostischen Ultraschall-Untersuchung etwa in der 20. Schwangerschaftswoche überprüft der Frauenarzt, ob sich das Kind zeitgerecht entwickelt und ausreichend vom mütterlichen Körper versorgt wird. Dazu wird auch in einer Doppleruntersuchung die Durchblutung von Gebärmutter und Plazenta gemessen. Bei etwa 5% der Schwangeren ist der Befund auffällig, was ein erhöhtes Risiko für verzögertes Wachstum des Babys bedeutet. „Es ist noch nicht vollständig verstanden, warum sich manchmal die Gefäße der Plazenta nicht richtig ausbilden und es zu einer solchen Unterfunktion kommt“, so die Frauenärztin PD Dr. Tanja Groten. „Doch schlimmer ist, dass es keine etablierte Therapie für eine Verbesserung der Versorgung des Babys gibt.“ Um dies zu ändern, initiierte die Oberärztin in der Geburtshilfe des Uniklinikums Jena die aufwändige klinische PETN-Studie. Der seit Jahrzehnten bei Herzbeschwerden und Bluthochdruck eingesetzte Wirkstoff PETN wird im Körper zu dem körpereigenen Botenstoff Stickstoffmonoxid abgebaut, der die Gefäße erweitert und somit die Durchblutung verbessert. Zudem verfügt PETN über eine gefäßschützende Wirkung. Vorstudie zeigte positive Effekte und Sicherheit In einer Vorstudie mit mehr als 100 Teilnehmerinnen konnten die Jenaer Geburtsmediziner zeigen, dass sich PETN positiv auf die Versorgungssituation des Ungeborenen auswirkt. Groten: „In der mit dem Wirkstoff behandelten Patientinnengruppe fielen die Wachstumsverzögerung des Babys und Schwangerschaftskomplikationen weitaus geringer aus als in der Vergleichsgruppe.“ In Laborexperimenten konnten die Wissenschaftler der Unifrauenklinik in Jena nachweisen, dass die Einnahme des Wirkstoffs in der Schwangerschaft sicher ist: Das Medikament kann nicht von der Plazenta zum Kind übergehen. Insgesamt 300 Patientinnen wollen die Wissenschaftler am Jenaer Uniklinikum und weiteren 13 großen Kliniken in den kommenden 18 Monaten in die Studie aufnehmen. Untersuchungen der Studienpatientinnen finden im Rhythmus der normalen Schwangerenbetreuung statt, als zentrale Daten werden der Gesundheitszustand von Mutter und Kind bis zur und auch nach der Geburt erfasst. „Wenn sich die Wirksamkeit von PETN in dieser großen, qualitativ hochwertigen Studie bestätigt, dann stünde uns erstmals ein Medikament zur Vorbeugung von drohender Mangelversorgung Ungeborener zur Verfügung“, so Studienleiterin Groten. „Darauf warten Frauenärzte schon lange.“ Frauen, die an der Studie teilnehmen möchten, und Frauenärzte mit Patientinnen, die für eine Teilnahme in Frage kämen, können sich unter [email protected] an das Studienteam wenden. Weitere Informationen finden sich auf der Studienhomepage
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