Jüngere Kinder sind bei Social-Media-Nutzung stärker gefährdet als ältere1. September 2026 Foto: © sitthiphong – stock.adobe.com Das Alter, in dem Jugendliche erstmals soziale Medien nutzen, könnte für ihre psychische Gesundheit von größerer Bedeutung sein als die Frage, ob sie überhaupt einen Social-Media-Account besitzen – darauf deuten neue Forschungsergebnisse der UNSW Sydney hin. Die Umfrage unter 365 australischen Jugendlichen im Alter von zehn bis 15 Jahren sowie einem ihrer Elternteile ergab, dass diejenigen, die bereits in jüngerem Alter mit der Nutzung sozialer Medien begonnen hatten, vermehrt Symptome von Angstzuständen und Depressionen berichteten. Das bloße Vorhandensein eines Social-Media-Kontos wies laut den in „JAMA Network Open“ veröffentlichten Ergebnissen einen schwächeren Zusammenhang mit diesen Symptomen auf. Die Umfrage wurde in den sechs Wochen vor Inkrafttreten des australischen Social-Media-Verbots für Kinder unter 16 Jahren durchgeführt, das im Dezember 2025 in Kraft trat. Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie jemals Social Media genutzt hätten, in welchem Alter sie damit begonnen hätten und ob sie derzeit über ein Social-Media-Konto verfügten. Außerdem wurden ihnen Fragen gestellt, um Symptome von Angstzuständen und Depressionen zu erfassen. Die Forscher stellten fest, dass 70 Prozent der Jugendlichen bereits soziale Medien genutzt hatten, etwa die Hälfte bereits über ein Social-Media-Konto verfügte und das Durchschnittsalter bei der ersten Nutzung von sozialen Medien bei elf Jahren lag. „Was uns überraschte, war, dass das Alter, in dem Kinder erstmals soziale Medien nutzten, offenbar einen größeren Einfluss auf ihre psychische Gesundheit hatte als die bloße Tatsache, dass sie ein Konto besaßen“, berichtet die leitende Studienleiterin, Associate-Professor Susanne Schweizer. „Dies deutet darauf hin, dass eine Verzögerung des ersten Kontakts von Kindern mit sozialen Medien eine vielversprechende Maßnahme sein könnte, insbesondere wenn sie mit der Vermittlung digitaler Kompetenz während dieser Verzögerungsphase einhergeht.“ Jugendliche wollen sich nicht abhalten lassen Eine weitere australischen Studie, die die Stimmung junger Menschen vor und nach dem Social-Media-Verbot verfolgte, zeigte allerdings, dass nur ein Viertel der Zehn- bis 15-Jährigen nach Inkrafttreten des australischen Social-Media-Verbots für Kinder unter 16 Jahren die Nutzung sozialer Medien auch einstellen will. Etwas mehr als ein Drittel (34 %) erklärte, die Nutzung auch ohne Konto fortsetzen zu wollen, während ein ähnlicher Anteil (35 %) angab, einen Weg zu finden, die Beschränkungen zu umgehen, um ihre Konten weiterhin nutzen zu können. Schweizer sieht daher auch Eltern und Pädagogen in der Pflicht, jungen Menschen zu helfen, gesunde digitale Gewohnheiten zu entwickeln und ihre erste Nutzung sozialer Medien hinauszuzögern. Und auch, wenn mehr als drei Viertel der befragten Jugendlichen angaben, soziale Medien totz Verbot weiterhin nutzen zu wollen, sehen die Forschenden das Verbot nicht als gescheitert an. „Für einige hat das Verbot wahrscheinlich dazu beigetragen, Gespräche über die psychischen Gesundheitsrisiken sozialer Medien zwischen Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern sowie unter den Jugendlichen selbst anzustoßen“, erklärt Schweizer. „In der Verhaltensforschung beobachten wir oft, dass sich Einstellungen vor dem Verhalten ändern; daher ist es noch zu früh, um zu beurteilen, ob die Maßnahme erfolgreich war. Wir freuen uns darauf, diese Jugendlichen und ihre Eltern in den nächsten 12 Monaten weiter zu begleiten.“ Persönliche Interaktionen werden immer noch positiver empfunden Eine weitere Studie der Forschergruppe um Schweizer begleitete außerdem ältere Teenager und junge Erwachsene über einen längeren Zeitraum hinweg und bat sie, festzuhalten, ob ihre sozialen Interaktionen online oder persönlich stattfanden und wie sie sich dabei fühlten. Dabei stellten sie fest, dass persönliche Interaktionen bei den Jugendlichen im Allgemeinen ein positiveres Gefühl und ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl hervorriefen als Online-Interaktionen. Sozial sensible junge Menschen schienen Online-Interaktionen jedoch als einfacher zu empfinden. „Möglicherweise profitieren diese jungen Menschen kurzfristig von Online-Interaktionen, da sie mehr Zeit haben, über ihre Antworten nachzudenken“, erklärte Schweizer. „Auf lange Sicht scheinen jedoch persönliche Interaktionen positive Beziehungen aufrechtzuerhalten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies jedoch noch reine Spekulation. Dies zeigt uns, dass die Online-Aktivitäten junger Menschen komplexer sind als einfach nur ‚hilfreich‘ oder ‚schädlich‘. Einige Online-Interaktionen können eine wichtige Rolle spielen, insbesondere für sozial sensible junge Menschen, auch wenn persönliche Interaktionen insgesamt weiterhin von Bedeutung sind.“
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