Jugendfußball: Für eine Saison sind Kopfbälle kein Problem

Nach einschlägigen Studienergebnissen zum neurologischen Risiko durch Kopfbälle, aht der DFB ein neues Konzept zum Kopfballtraining für Jugendliche erarbeitet. (Foto: © matimix – stock.adobe.com)

Profi-Fußballer haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen, insbesondere Demenzen. Der vermutlich entscheidende Faktor dabei: Kopfbälle. Doch was bedeutet das für Jugendliche, die regelmäßig im Verein Fußball spielen?

Das Kopfballspiel im Kinder- und Jugendbereich wird in den Vereinen des Deutschen Fußballbunds zwar nicht kategorisch verboten. Allerdings setzt der DFB seit einigen Jahren auf ein altersgerechtes, eingeschränktes Kopfballtraining mit neuen Spielformen, die das Kopfballspiel deutlich reduzieren und erst im Jugendalter langsam intensivieren. Derlei Maßnahmen waren die Folge einschlägiger medizinischer Untersuchungen. So war in Bevölkerungsstudien professionelles Fußballspielen mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen verbunden. In Experimenten zeigte sich außerde, dass Kopfbälle durchaus zu Veränderungen in Hirnstruktur und -funktion führen können.

Allerdings ist „die Datenlage bei Kindern und Jugendlichen insgesamt recht dünn“, erklärt Prof. Inga Körte, Professorin für Neurobiologische Forschung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am LMU Klinikum München. Unter Federführung der Neurowissenschaftlerin startete deshalb die „REPIMPACT-Studie“ mit Jugendfußballspielern und, zum Vergleich, Teenagern, die kontaktarmen Sportarten wie Tennis nachgehen. Die etwa 130 Teilnehmer wurden in München, der norwegischen Hauptstadt Oslo und in Leuven in Belgien untersucht, wurden also von unterschiedlichen Trainern betreut.

Eine ganze Batterie an Tests

Die Studie startete vor Beginn einer Fußballsaison, als die Jugendlichen – und auch die Kontrollpersonen – zum ersten Mal ausführlich analysiert wurden. „Unser Blickwinkel war bewusst breit“, erlärt Körte. Das bedeutet:

• Die Struktur, die Funktion und der Stoffwechsel der Gehirne der Teilnehmenden wurden mit einem Magnetresonanz-Tomographen (MRT) abgebildet.
• Die Jugendlichen wurden ausgiebig neuropsychologisch untersucht, darunter Gedächtnis, Impulsunterdrückung, Reaktionsgeschwindigkeit etc. Außerdem wurden motorisches Vermögen und Balance analysiert.
• Dazu kam eine Untersuchung verschiedener Blutbiomarker, die über verschiedene Funktionen und Erkrankungen des Gehirns Auskunft geben können.

Die gleichen Untersuchungen wurde am Ende der Fußballsaison und nochmals genau ein Jahr nach Studienbeginn wiederholt. Dazu berichteten die fußballspielenden Jugendlichen, wie viele Kopfbälle sie ungefähr gemacht haben. „Insgesamt ein immenser Aufwand für die Teilnehmer und alle beteiligten Kollegen aus sieben verschiedenen Ländern in Europa und den USA“, resümiert die Neurowissenschaftlerin.

Kein Hinweis auf Schäden, aber auch keine Entwarnung

Ergebnis: Nach einer Saison fanden die Forscher keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen jugendlichen Fußballspielern und Jugendlichen aus kontaktarmen Sportarten in Kognition, Verhalten, Gleichgewicht, Hirnstruktur und -funktion. Auch die selbst berichtete Zahl der Kopfbälle war nicht mit Veränderungen in den untersuchten Parametern verbunden.

Eine langfristige Entwarnung bedeuten die neuen Ergebnisse aber nicht. „Die bisherige weltweite Studienliteratur zeigt, dass häufiges Kopfballspiel langfristig nicht gut für das Gehirn ist“, betont Körte und ergänzt: „In unserer Studie waren einzelne Biomarker, die mit Hirnschädigung in Verbindung gebracht werden, am Anfang der Saison höher als in der Kontrollgruppe. Das muss weiter untersucht werden.“