Kampf gegen Hepatitis B und C: WHO fordert mehr Einsatz

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Fast 300 Millionen Menschen sind chronisch mit Erregern von Hepatitis B oder C infiziert. Nur die wenigsten wissen davon. Dabei könnten die meisten von einer Therapie profitieren.

Im Kampf gegen Hepatitis fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr Forschung, mehr Tests und Behandlungen sowie ein stärkeres politisches Engagement. 287 Millionen Menschen weltweit lebten mit chronischer Hepatitis B oder chronischer Hepatitis C, schreibt sie zum Welt-Hepatitis-Tag (28. Juli). Seit dem Jahr 2015 sind nach WHO-Angaben die jährlichen Hepatitis-B-Infektionen weltweit um 32 Prozent zurückgegangen. Bei der Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Hepatitis C sei eine Abnahme um zwölf Prozent zu verzeichnen. Trotz dieser Fortschritte bleibe die Virushepatitis eine der weltweit tödlichsten Infektionskrankheiten: Sie forderte im Jahr 2024 schätzungsweise 1,3 Millionen Todesopfer, wobei die Sterblichkeit weiter ansteige, wie die WHO aktuell verkündet.

Die Zahl der mit Hepatitis B in Zusammenhang stehenden Todesfälle ist laut der WHO seit 2015 um 17 Prozent gestiegen. Bei Diagnose und Behandlung viraler Hepatitiden sieht die Organisation nach wie vor eine zu geringe Abdeckung – insbesondere bei Hepatitis B – und dass, „obwohl hochwirksame Medikamente verfügbar sind, die Millionen von Todesfällen verhindern könnten“. Ein aktueller Bericht der WHO unterstreicht, dass es dringend nötig ist, „finanzielle, soziale und systembedingte Hürden zu beseitigen, die Millionen von Menschen weiterhin den Zugang zu Prävention, Tests, Behandlung und Versorgung im Bereich Hepatitis erschweren“.

Impfung empfohlen

Die WHO empfiehlt routinemäßige Hepatitis-B-Tests bei Schwangeren – und bei Babys von infizierten Frauen sofort nach der Geburt eine Impfung. Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland rät zu einer Impfung im frühen Lebensalter. Ebenso empfiehlt die Stiko eine Hepatitis-B-Impfung für besonders gefährdete Erwachsene – etwa bei bestimmten Erkrankungen oder einem besonderen Ansteckungsrisiko. 

Darauf, dass sich auch Deutschland den WHO-Zielen angeschlossen hat, weist die Deutsche Leberhilfe anlässlich des Welt-Hepatitis-Tag hin. Bereits 2016 verabschiedete die Bundesregierung die BIS2030-Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Der Grundgedanke sei bis heute aktuell, betont die Deutsche Leberhilfe: Prävention, Testung, Behandlung und Beratung müssten besser miteinander verzahnt werden – mit dem Ziel, vor allem diejenigen zu Menschen erreichen, die vom Gesundheitssystem bisher nur unzureichend profitieren.

Fortschritte – aber auch noch Lücken

Die Deutsche Leberhilfe verweist auch auf wichtige Fortschritte, die in den vergangenen Jahren in Bezug auf virale Hepatitiden erzielt worden sind: Verbessert wurde unter anderem der Schutz von Neugeborenen: Schwangere werden nun früher als bisher auf Hepatitis B untersucht, was mehr Zeit für effektive Schutzmaßnahmen verschafft.

Seit dem Jahr 2021 gehört ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C zur „Gesundheitsuntersuchung“ für Gesetzlich Versicherte. Den Erfolg dieser Maßnahme erläutert Prof. Heiner Wedemeyer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und Mitautor einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Evaluationsstudie zu dem Thema, wie folgt: „Die Zahl der diagnostizierten Hepatitis B- und Hepatitis C-Fälle ist deutlich gestiegen, was die Bedeutung eines breiten Screening-Ansatzes unterstreicht und zu einer frühzeitigen Behandlung sowie zur Eindämmung der Infektionen beiträgt. Mit dem Welt-Hepatitis-Tag wollen wir dazu aufrufen, Fehlinformationen und Vorurteile abzubauen und die Menschen zu ermutigen, sich über Hepatitis zu informieren und aktiv zu werden. Wer seine Virusinfektion frühzeitig erkennt, kann schwere Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs häufig verhindern. Die heute verfügbaren Therapien ermöglichen vielen Betroffenen ein Leben ohne die schwerwiegenden Folgen einer chronischen Lebererkrankung. Umso wichtiger ist es, die bestehenden Vorsorge- und Screening-Angebote konsequent zu nutzen und die WHO-Ziele zur Eliminierung der Virushepatitiden bis 2030 weiter entschlossen zu verfolgen.“

Vorurteile und Falschinformationen gefährden Prävention

Gleichzeitig zeigen laut der Deutschen Leberhilfe Erfahrungen aus Deutschland und anderen Ländern aber auch, dass allgemeine Angebote allein nicht ausreichen, um Virushepatitis erfolgreich einzudämmen und ihre Spätfolgen zu verhindern. „Menschen mit Drogenkonsum, in Haft, ohne festen Wohnsitz oder mit erschwertem Zugang zum Gesundheitssystem werden weiterhin oft zu spät erreicht“ heißt es in der aktuellen Mitteilung des Vereins für Patienten mit Lebererkrankungen und deren Angehörige. „Gerade hier entscheidet sich jedoch, ob die Eliminationsziele tatsächlich erreicht werden können.“

Die Deutsche Leberstiftung warnt aus Anlass des diesjährigen Welt-Hepatitis-Tages auch vor einer immer noch häufigen Stigmatisierung von Personen, die von einer viralen Hepatitis betroffen sind. Nach wie vor kursierten Vorurteile und Falschinformationen über Hepatitis-Viren, was auch dazu führe, dass Schutzmaßnahmen, Diagnosen und therapeutische Angebote häufig zu spät in Anspruch genommen würden.

„Trotz nach wie vor hoher Verbreitung sind die Neudiagnosen bei Hepatitis B und C laut Statistik des Robert Koch-Instituts 2025 im Vergleich zum Vorjahr erheblich zurückgegangen“, mahnt indessen Dr. Dietrich Hüppe vom Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen (bng). „Es ist bedauerlich, dass durch Impfung vermeidbare und bei rechtzeitiger Diagnose gut behandelbare Infektionskrankheiten in hohem Maße unentdeckt bleiben.“

Vor dem Hintergrund, dass die Stärkung von Früherkennung und Vorsorge zu den Kernanliegen der anstehenden Strukturreformen im Gesundheitswesen gehört, ergänzt bng-Sprecherin Dr. Petra Jessen: „Wir könnten sehr viel mehr erreichen, wenn Krankheiten wie die viralen Leberinfektionen oder der Darmkrebs konsequenter bekämpft werden. Mit der Impfung gegen die Hepatitis B und der Darmspiegelung haben wir die Mittel an der Hand, diese Erkrankungen zu verhindern. Mit den modernen Medikamenten zur Behandlung der Hepatitis C und der Darmkrebs-Früherkennung haben wir alle Möglichkeiten, um diese Erkrankungen in sehr vielen Fällen zu heilen.“

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