Kaum Evidenz für einen Nutzen von „Mental Health First Aid“1. September 2023 Foto: © almagami – stock.adobe.com Ein neuer Cochrane Review hat die Evidenz aus randomisierten Studien zum Nutzen des Programms „Mental Health First Aid“ (MHFA) gesichtet. Das Ergebnis: Insbesondere zur Frage, ob solche Schulungen von „Ersthelfern“ auch Nutzen für die eigentliche Zielgruppe der von psychischen Problemen bedrohten Menschen in deren Umfeld hat, fehlt es zuverlässigen Studien. Bei dem vor mehr als 20 Jahren in Australien entwickelten Programm „Mental Health First Aid“ handelt es sich um ein spezifisches, international lizensiertes Programm zur Ausbildung von „Mental-Health-Ersthelfern“. Diese sollen dank ihrer Schulung Personen mit psychischen Problemen in ihrem Umfeld erkennen, „Erste Hilfe“ leisten und weiterführende Hilfsangebote vermitteln können. Weltweit wurden der deutschen MHFA-Webseite zufolge bereits mehr als fünf Millionen Menschen als MHFA-Ersthelfer geschult. In Deutschland wird das Programm seit 2019 ausgerollt, mit meist sehr wohlwollender Berichterstattung. Der aktuelle Review macht jedoch abermals die sehr schwache Evidenzbasis für dieses Programm deutlich. Das gilt insbesondere für den Nutzen für die eigentliche Zielgruppe der „Aid recipients“, also von Menschen mit akuten psychischen Problemen. Zwar fanden die Autoren 21 randomisierte Studien mit mehr als 20.000 Teilnehmenden, doch auf die entscheidenden Fragen lieferten diese sehr wenig und noch dazu methodisch fragwürdige Evidenz. Unerwünschte Wirkungen wurden in den vom Autoren-Team des Reviews eingeschlossenen Studien nicht berichtet. Es stellt sich aber die Frage, ob die weltweit von staatlichen Stellen und Firmen investierten Ressourcen nicht besser in anderen, besser evidenzbasierten Interventionen angelegt wären. Diese Frage wird sich nur durch gut gemachte Studien beantworten lassen, die so konzipiert sind, dass sie die entscheidenden Forschungsfragen auch wirklich beantworten können.
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