„Keine intravaginalen Schönheitsoperationen“12. November 2020 Ruth Kirschner-Hermanns. Foto: Universitätsklinikum Bonn Prof. Ruth Kirschner-Hermanns, Leiterin der Neurourologie am Universitätsklinikum Bonn, hat beim 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Leipzig dafür plädiert, bei Miktionsbeschwerden eine funktionelle Diagnostik durchzuführen, anstatt sich allein auf das anatomische Bild zu verlassen. „In dem Moment, wo es um eine Funktionsstörung des unteren Harntrakts geht, brauchen wir auch funktionelle Untersuchungen, und da gibt es für den unteren Harntrakt nur die Urodynamik“, betonte die Urologin am 26.09.2020 im Forum „Checkpoint Urogynäkologie“. „Eine differenzierte funktionelle Diagnostik – und die ist ohne eine Urodynamik nicht möglich – ist unverzichtbar. Darauf sollten wir gerade in der intradisziplinären Zusammenarbeit achten“, riet Kirschner-Hermanns ihren Kollegen und ergänzte: „In eine urodynamische Untersuchung gehört eben nicht nur die Kontrolle der Speicherphase, sondern die Blasenfunktion muss mit Speicher- und Miktionsphase erhoben werden, um ein differenziertes Bild zu bekommen.“ Die Spezialistin zeigte sich erschrocken, „wie häufig selbst bei offensichtlich neurogener Erkrankung wie Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, Zustand nach Schlaganfall oder Polyneuropathie bei Diabetes, nicht die Funktion überprüft, sondern nur nach dem anatomischen Bild operiert wird“. Ihren gynäkologischen Kollegen, die ihrer Ansicht nach oft „schnell die Messer wetzen“, pflege sie zu entgegnen: „Uns geht es um Funktion. Wir machen keine intravaginalen Schönheitsoperationen.“ (ms)
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