Keratokonus: Entzündliche Hauterkrankungen als Risikofaktor

Eine Brille liegt auf einem Blatt Papier, auf dem Diagnose Keratokonus steht.
Diagnose Keratokonus (Symbolbild) Foto: @Vitalii Vodolazskyi – stock.adobe.com

Entzündliche Hauterkrankungen sind Risikofaktoren für die Entwicklung eines Keratokonus. Ein gezieltes Screening bei Patienten mit solchen Erkrankungen könnte für die frühzeitige Diagnose subklinischer Hornhautveränderungen hilfreich sein. 

Der Zusammenhang zwischen atopischen Erkrankungen und Keratokonus ist seit Langem bekannt. Zu nennen ist hierbei insbesondere der Mechanismus des chronischen Augenreibens bei Juckreiz. Eine aktuelle, in „Cornea“ publizierte Analyse des TriNetX Global Collaborative Network liefert nun Daten dazu, welche entzündlichen Hauterkrankungen tatsächlich mit einem erhöhten Keratokonus-Risiko assoziiert sind und welche nicht.

Analyse elektronischer Gesundheitsakten

Auf Basis elektronischer Gesundheitsakten von rund 165 Millionen Patienten aus 19 Ländern wurden Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren identifiziert, bei denen im Zeitraum von April 2016 bis August 2019 eine der folgenden Diagnosen gestellt wurde: atopische Dermatitis, Psoriasis, seborrhoische Dermatitis, Kontaktdermatitis, Urtikaria oder Rosazea. Patienten mit vorbestehenden Hornhauterkrankungen wurden ausgeschlossen.

Jede Gruppe wurde 1:1 mit Kontrollpersonen nach demografischen Merkmalen und bekannten Keratokonus -Risikofaktoren abgeglichen. Die Fünfjahresinzidenz des Keratokonus wurde mittels Kaplan-Meier-Schätzung und Hazard-Ratio(HR)-Analysen unter Adjustierung für Confounder ermittelt.

Signifikant erhöhtes Keratokonus-Risiko

Für fünf der sechs untersuchten Hauterkrankungen zeigte sich ein signifikant erhöhtes Keratokonus-Risiko: Atopische Dermatitis (HR 2,32; 95 %-KI 1,54–3,50), Psoriasis (HR 1,93; 95 %-KI 1,23–3,04), Seborrhoische Dermatitis (HR 1,64; 95 %-KI 1,06–2,53), Urtikaria (HR 1,56; 95 %-KI 1,02–2,38) und Kontaktdermatitis (HR 1,55; 95 %-KI 1,09–2,21). Interessanterweise wurde nur für Rosazea kein signifikanter Zusammenhang mit einem Keratokonus festgestellt (HR 0,93, 95 %-KI 0,49–1,78).

Auch Erkrankungen ohne periokulären Juckreiz zeigen erhöhtes Risiko für Keratokonus

Es deckt sich mit dem klinischen Bild, dass die atopische Dermatitis das höchste Keratokonus-Risiko zeigt. Allerdings wiesen auch Erkrankungen ohne periokulären Juckreiz und damit ohne den mechanischen Faktor des Augenreibens ein erhöhtes Risiko für den Keratokonus auf. Offenbar existieren neben rein mechanischen Faktoren auch gemeinsame entzündliche Mechanismen, die an der Pathogenese des Keratokonus beteiligt sein könnten.

Ein gezieltes Screening auf Keratokonus bei Patienten mit atopischer Dermatitis, Psoriasis, seborrhoischer Dermatitis, Kontaktdermatitis oder Urtikaria in Zusammenarbeit von Ophthalmologen und Dermatologen könnte den Autoren zufolge hilfreich sein. Damit wäre unter Umständen eine frühzeitige Erkennung subklinischer Hornhautveränderungen möglich. (ak/BIERMANN)