Kinder nach Krebserkrankung: Nachsorge ist lebenswichtig!4. Februar 2019 Mehr als 80 Prozent der Krebserkrankungen im Kindesalter werden geheilt, allerdings leiden viele Betroffene noch unter Spätfolgen. (Foto: © Александра Вишнева – Fotolia.com) Maximale Heilungschancen durch eine Therapie, die dem krebskranken Kind individuell angepasst ist: Dies gilt nicht nur für den Krebs, sondern auch für mögliche Spätfolgen, die das Leben des Kindes belasten können. Darauf machen die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar aufmerksam. Mehr als 80 Prozent der Krebserkrankungen im Kindesalter werden geheilt, und auch die Überlebensrate nach schweren Fällen hat deutlich zugenommen: „Auf 400 junge Erwachsene kommt einer, der als Kind eine Krebserkrankung durchgemacht hat“, verdeutlicht Kinderonkologe Prof. Dominik Schneider aus dem DGKJ-Vorstand. Präzise Molekulardiagnostik und immunologische Therapien (wie z.B. die 2018 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Entwicklung von Checkpoint-Inhibitoren) stellen in der Krebsbehandlung wichtige Innovationen dar, die helfen sollen, Kinder und Jugendliche mit therapierefraktären Erkrankungen erfolgreich zu behandeln. Dennoch: Die erfolgreiche Behandlung schließt Langzeitfolgen nicht immer aus, sodass sich ehemalige Patienten der Kinderonkologie als junge Erwachsene erneut mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert sehen können, wie zum Beispiel erhöhten Risiken für Zweittumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Störungen im Hormonhaushalt. Auch der Weg zu einem eigenen Kind ist oft erschwert. Geheilt – und trotzdem krank? Je länger eine Krebsbehandlung zurückliegt, desto mehr Langzeitüberlebende sind von einer oder mehreren chronischen Erkrankungen betroffen: 30 Jahre nach erfolgreicher Krebsbehandlung leiden mehr als zwei Drittel der Patienten an chronischen Erkrankungen, und bis zu 50 Prozent der Menschen, die in der Kindheit an Krebs erkrankten, sind von endokrinen Spätfolgen betroffen. Wesentlich für die bestmögliche Lebensqualität ist die frühe Diagnose und Behandlung von Spätfolgen der Krebsbehandlung, die in der Regel im Frühstadium gut behandelt werden können. Stefanie Braun, Pädagogin in der Kinderonkologie der Uniklinik Lübeck, weist auf eine weitere Herausforderung hin: „Die Behandlung von Kinderkrebserkrankungen ist trotz aller Fortschritte immer noch eine sehr hohe Belastung für die Kinder und ihre Familien, medizinisch wie psychisch und sozial. Wir brauchen hier eine qualitativ hochwertige und ganzheitliche Betreuung über die Fachdisziplinen hinweg, die die Kinder individuell und lückenlos durch das Erwachsenwerden begleitet!“. Strukturen für die Nachsorge Auch Schneider sieht die geregelte Transition als unverzichtbar für eine gute Versorgung: „Bei Kindern und Jugendlichen gilt es in ganz besonderem Maße, nicht nur die Lebensqualität während der Therapie, sondern auch die Qualität des Überlebens im Blick zu behalten.“ Die Langzeitnachsorge könnten spezifische Nachsorgezentren hervorragend übernehmen. Sie ermöglichen die geregelte Transition aus der pädiatrischen in die Erwachsenenversorgung, in dem Wissen um die besonderen Belange von jungen Erwachsenen, die als Kind an Krebs erkrankt waren. Der Ausbau dieses Angebots von ersten von der Deutschen Kinderkrebsstiftung geförderten Pilotzentren ist daher ein großer Schritt hin zu einer kompetenten und erfolgversprechenden Langzeitnachsorge.
Mehr erfahren zu: "Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet" Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen nun ein Projekt, das Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten soll.
Mehr erfahren zu: "Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken" Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken Auch mehrere Jahre nach Ende der Corona-Pandemie prägt diese Zeit noch Tausende Teenager in Baden-Württemberg in Form psychischer Erkrankungen.
Mehr erfahren zu: "Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen" Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) befürchtet, dass mit der jetzigen Ausgestaltung der Hybrid(H)-DRGs das angestrebte Ziel der Ambulantisierung nicht erreicht werden kann. Er fordert daher eine sachgerechte Refinanzierung vor […]