Krankenhaushygiene: Genau Hinschauen zeigt tatsächliche Infektionshäufigkeit19. Februar 2021 Das Auftreten von Infektionen nach chirurgischen Eingriffen (postoperative Wundinfektionen oder im Englischen Surgical Site Infections, SSI) ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Behandlung in Spitälern. Für die Schweiz wurde untersucht, wieweit die offiziell erfassten SSI-Raten mit den Auditergebnissen in Spitälern korrelieren. Foto:© Insel Gruppe Ein Schweizer Forschungsteam fand einen Zusammenhang zwischen der erfassten Infektionshäufigkeit nach ausgewählten Eingriffen und dem Abschneiden in Qualitäts-Audits. Tiefere Infektionsraten nach Operationen korrelieren mit einem tiefen Audit-Score. Oder umgekehrt: Wer genauer hinschaut, findet häufiger Infektionen. Die Infektionshäufigkeit nach chirurgischen Eingriffen (postoperative Wundinfektionen oder im Englischen Surgical Site Infections, SSI) ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Behandlung in Kliniken. Eine 2017 veröffentlichte Übersichtsarbeit in sechs europäischen Ländern dokumentierte hohe Kosten und teils wesentlich schlechtere Operationsergebnisse aufgrund von SSI. Europäische (European Center for Disease Control – ECDC) und US-amerikanische Behörden haben Vorgaben zur Erfassung und Dokumentation der SSI-Rate (Häufigkeit von SSI im Verhältnis zu Eingriffen) erarbeitet. In der Schweiz hat das nationale Zentrum für Infektionsprävention (Swissnoso) auf diesen Vorgaben basierend verbindliche Richtlinien erlassen. Für die Schweiz wurde untersucht, wieweit die offiziell erfassten SSI-Raten mit den Auditergebnissen in Spitälern korrelieren. Wer sucht, der findet: Tiefe SSI-Zahlen bei tiefem Audit-Score Die Studie konnte einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer niedrigen postoperativen Infektionsrate (SSI-Rate) und dem Ergebnis der Überprüfung von deren Überwachung im Rahmen eines Audits (Audit-Score) feststellen. Je besser eine Klinik im Rahmen des 50-Punkte-Audits abschnitt, desto mehr Infektionsfälle waren entdeckt beziehungsweise gemeldet worden. Dies traf auf alle drei untersuchten Operationsarten zu (Knie- und Hüftimplantate sowie Dickdarmoperationen). Erstautor Andrew Atkinson: „Die Studie zeigt, dass bei der Interpretation von postoperativen Wundinfekten grundsätzlich auch die Qualität der jeweiligen Überwachungssysteme zu berücksichtigen ist und das unabhängig von der Art des Eingriffs und der Infektionsrate.“ Resultate zur Infektionshäufigkeit Analysiert wurden 81.957 Hüft- und Knieoperationen aus 125 Spitälern und 33.315 Dickdarmoperationen aus 110 Spitälern der Schweiz. Es wurden pro Standort mindestens zwei externe Audits durchgeführt, um die Qualität der Überwachung zu erfassen. Grundlage für die Arbeiten waren die Richtlinien von Swissnoso (www.swissnoso.ch). Die detaillierten Auditergebnisse wurden in einer Gesamtnote zwischen 1 und 50 zusammengefasst. Die Audits wurden von drei speziell geschulten Fachleuten durchgeführt. Die nachfolgenden Werte beziehen sich auf den Median der Ergebnisse. Die SSI-Rate für Knie- und Hüftimplantate lag bei ein Prozent mit einem Audit-Score von 37. Die Infektionsrate für Dickdarmoperationen lag erwartungsgemäß höher bei 12.7 Prozent bei einem leicht höheren Audit-Score von 38. Es zeigte sich, dass höhere Infektionsraten mit höheren Audit-Scores korrelierten. Die einzelnen Werte der Krankenhäuser lagen teils sehr weit auseinander. Bei einer Auswertung nach Kliniktypen ergaben sich Hinweise, dass Privatkliniken einen Cluster bilden, der im unteren Bereich der Audit-Scores und der Infektionsraten liegt. Ausblick: Wie kann ein allfälliger systematischer Fehler korrigiert werden? Das Forschungsteam macht einen konkreten Vorschlag für künftige Auswertungen und nationale Vergleiche von SSI-Raten. Eine rechnerische Korrektur (Normalisierung) unter Einbezug des Audit-Scores wird zur Diskussion gestellt, um möglichst ein realitätsnahes, korrektes Benchmarking zu ermöglichen. Prof. Jonas Marschall fasst zusammen: „Erstmals haben wir mit dieser Studie eine Grundlage, um die Infektionszahlen schweizweit vergleichbarer zu machen und besser zu verstehen. Nun müssen wir uns anstrengen, dass die regelmäßigen Vergleiche unter den Schweizer Spitälern noch aussagekräftiger und der Ansporn ganz vorne mitzumachen noch grösser werden.“ Originalpublikation:Atkinson A et al. Surveillance quality correlates with surgical site infection rates in knee and hip arthroplasty and colorectal surgeries: A call to action to adjust reporting of SSI rates. Infection Control & Hospital Epidemiology 2021.
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