Krebsbedingte Kachexie und Anorexie: Forschende benennen ursächliche Ereignis-Kaskade13. Februar 2026 Foto: © michaelheim/stock.adobe.com Neue Forschungsergebnisse, zu denen US-Forscher in einer neuen Studie gelangt sind, beschreiben erstmals eine „Dreiecks-Regulations-Theorie“ der durch Krebserkrankungen verursachten Kachexie und Anorexie. Massiver Muskelschwund und Verlust von Fettgewebe tritt unter Krebspatienten am häufigsten bei solchen auf, die an einem Pankreaskarzinom leiden. Häufig geht Kachexie mit einer tumorbedingten Anorexie einher. Der damit verbundene starke Appetitverlust schwächt die Betroffenen zusätzlich. Dreiteilige Ereigniskaskade Prof. Min Li vom College of Medicine der University of Oklahoma (OU) leitete ein Forscherteam, das ein weiteres Puzzleteil zur Entstehung von Kachexie und Anorexie entdeckt hat. Laut der „Dreiecks-Regulations-Theorie“ der Wissenschaftler rekrutieren und aktivieren die Krebszellen Makrophagen, die wiederum das zentrale Nervensystem einbeziehen. Diese dreiteilige Ereigniskaskade löst eine übermäßige Produktion des Wachstums- und Differenzierungsfaktors 15 (GDF15) aus, der bekanntermaßen bei Menschen mit Kachexie erhöht ist. „Diese Vorgänge stellen einen Teufelskreis dar, der das Voranschreiten der Kachexie und den Appetitverlust bei Anorexie begünstigt“, erklärt Li vom OU Health Stephenson Cancer Center. „GDF15 spielt dabei eine Schlüsselrolle. Da sich der Rezeptor für GDF15 im Hirnstamm befindet, ist das zentrale Nervensystem involviert.“ Dr. Robert Mannel, Leiter des OU Health Stephenson Cancer Center, konstatiert: „Die Arbeit von Dr. Li hat unser Verständnis der Krebskachexie grundlegend verändert und ist entscheidend für die Entwicklung neuer Therapieansätze.“ Kachexie: Acht von zehn Patienten mit Pankreaskarzinom betroffen Da Patienten mit Kachexie und Anorexie stark geschwächt sind, ist ihre Fähigkeit, eine aggressive Behandlung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs zu tolerieren, stark eingeschränkt. Es gebe keine wirksamen Therapien gegen Kachexie, und auch eine Ernährungstherapie könne die Symptome nicht lindern, heißt es in einer Pressemitteilung der OU anlässlich der Publikation der Studie. „Acht von zehn Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln Kachexie“, berichtet Li. „Sie tritt nicht bei jeder Krebsart auf: Menschen mit Hirntumoren oder Brustkrebs beispielsweise verlieren in der Regel nicht an Gewicht. Wir glauben, dass unsere Forschung zur Suche nach einer Behandlung von Kachexie beiträgt, die Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen könnte, Behandlungen wie eine Chemotherapie besser zu vertragen.“ Getesteter Antikörper blockiert Produktion von GDF15 In der kürzlich im Journal „Cancer Cell“ publizierten Untersuchung testeten Li und sein Team auch einen Antikörper auf dessen Fähigkeit, die Produktion von GDF15 zu neutralisieren oder zu blockieren. Bei Mäusen reduzierte der Antikörper wirksam die Symptome von Kachexie und Anorexie. Die Pharmaindustrie entwickele ebenfalls Antikörper zur Behandlung von Kachexie, und eine klinische Phase-III-Studie laufe bereits, sagt Li. Lis Forschung verhilft laut der OU zu einem differenzierteren Verständnis der Ursachen von Kachexie. In einer 2024 ebenfalls in Cancer Cell veröffentlichten Arbeit hatte der Wissenschaftler entdeckt, dass die Wechselwirkung zwischen Bauchspeicheldrüsenkrebszellen und Makrophagen der erste Schritt zum Ausbruch einer Kachexie darstellt. In seiner aktuellen Arbeit habe er nun gezeigt, dass die Beteiligung des zentralen Nervensystems die Trias von Aktionen komplettiert, die letztendlich für eine Kachexie verantwortlich sind, erklärt die OU. „Unsere Forschung wird fortgesetzt, da dieser gesamte Prozess sehr dynamisch ist“, kündigt Li an. „Die drei Akteure der Dreiecksregulation können sich im Laufe der Zeit verändern, und es können mehrere Dreiecke zusammenwirken. Wir sind sehr gespannt auf unsere weiteren Erkenntnisse.“
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