Lebensmittelallergien: Mehrere Möglichkeiten der Behandlung18. August 2026 Foto: © Shisu_ka – stock.adobe.com Etwa acht Prozent der Kinder leiden an Lebensmittelallergien, die die Lebensqualität stark einschränken und lebensbedrohlich sein können. Je nach Therapieziel gibt es aber verschiedene Wege, mit Lebensmittelallergien umzugehen, wie eine aktuelle Studie in „JAMA Pediatrics“ zeigt. Um allergische Reaktionen und einen anaphylaktischen Schock zu verhindern, mussten Patienten mit Nahrungsmittelallergien bisher die Lebensmittel meiden, die ihre Allergien auslösen. Für Kinder ist dies besonders schwierig, da die häufigsten Allergieauslöser – Weizen, Milch, Eier, Erdnüsse und Baumnüsse – in der gesamten Lebensmittelversorgung vorkommen und etwa 40 Prozent der Kinder mit Allergien auf mehr als ein Lebensmittel reagieren. Vor etwa 16 Jahren begannen Forschungsteams der Stanford Medicine mit der Erprobung der OIT. Die Methode ist wirksam, weist jedoch Nachteile auf: Der Prozess verläuft langsam und erfordert regelmäßige Arztbesuche, er kann allergische Reaktionen auslösen oder unangenehme gastrointestinale Nebenwirkungen hervorrufen. Zudem müssen die Patienten ihre körperliche Aktivität für eine Stunde nach jeder Dosis von Lebensmittelproteinen einschränken, was für aktive Kinder schwierig sein kann. Darüber hinaus müssen die Patienten, um die Toleranz gegenüber den Lebensmitteln aufrechtzuerhalten, diese weiterhin regelmäßig zu sich nehmen, auch wenn sie sie nicht mögen. Im Jahr 2011 stellte das Team fest, dass die Kombination aus Omalizumab, einem injizierbaren Medikament, und oraler Immuntherapie Vorteile gegenüber der oralen Immuntherapie allein bot, da sie die Behandlung beschleunigte und Nebenwirkungen reduzierte. Im Jahr 2024 wurde Omalizumab von der FDA zugelassen, um Kinder vor einer versehentlichen Exposition gegenüber geringen Mengen an Allergenen zu schützen. Einbeziehung von Allergenen in die tägliche Ernährung Die neue klinische Phase-II-Studie, die an 117 Kindern mit Nahrungsmittelallergien durchgeführt wurde, verglich nun eine einjährige Behandlung mit Omalizumab mit einer achtwöchigen Behandlung mit Omalizumab gefolgt von einer oralen Immuntherapie gegen mehrere Nahrungsmittel für den Rest des Jahres. Das Durchschnittsalter der an der Studie teilnehmenden Kinder betrug 7 Jahre. Alle Teilnehmer litten an einer Erdnussallergie und mindestens zwei weiteren Nahrungsmittelallergien. Zielparameter der Studie war, ob de teilnehmenden Kinder am Ende der Studie jeweils 2000-mg-Portionen von drei allergieauslösenden Lebensmitteln, darunter Erdnüsse, zu sich nehmen konnten. Kinder in der Gruppe, die ausschließlich Omalizumab erhielt, schlossen die Studie mit höherer Wahrscheinlichkeit ab (88 %) als diejenigen in der OIT-Gruppe (51 %). In der Gruppe, die ausschließlich mit Omalizumab behandelt wurde, vertrugen 36 Prozent der ursprünglichen Teilnehmer die vollen Portionen der drei Lebensmittel erfolgreich, während dieser Anteil in der Gruppe mit oraler Immuntherapie nach einem Jahr Behandlung bei 19 Prozent lag. In der Gruppe mit OIT brachen mehr Teilnehmer die Studie vorzeitig ab, was den Unterschied zwischen den Gruppen weitgehend erklärte. Probanden in der OIT-Gruppe hatten mehr Nebenwirkungen, die sie dazu veranlassten, die Behandlung abzubrechen. Mehr Nebenwirkungen, mehr Aufwand In der MOIT-Gruppe traten bei 31 Prozent der Teilnehmer schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf, während dies in der Omalizumab-Gruppe bei keinem Patienten der Fall war,. Zudem mussten 37 Prozen der MOIT-Patienten aufgrund von Reaktionen mit Epinephrin behandelt werden (gegenüber 7 % in der Vergleichsgruppe). Bei 27 Prozent der Teilnehmer unter MOIT kam es zu anaphylaktischen Reaktionen, und in drei Fällen wurde eine eosinophile Ösophagitis diagnostiziert. „Bei den Personen, die den kombinierten Behandlungsansatz einhalten konnten, war der Erfolg genauso groß wie bei den Patienten, die ausschließlich Omalizumab einnahmen“, erklärte die leitdende Autorin der Studie, Dr. Sharon Chinthrajah, Professorin für Medizin und Pädiatrie an der Stanford Medicine. Nebenwirkungen seien aber möglicherweise nicht der einzige Grund, warum Teilnehmer der Gruppe mit OIT ihre Teilnahme an der Studie abbrachen, erklärte sie und wies darauf hin, dass die Behandlung zudem einen höheren Zeitaufwand erfordere. „Für unser Team wird es wichtig sein, die Gründe für den Behandlungsabbruch besser zu verstehen, damit wir jeden Ansatz individuell anpassen können“, erklärte die Wissenschaftlerin. Maßgeschneiderte Behandlungen ermöglichen Die Ergebnisse würden in die Behandlung von Patienten in der Praxis einfließen, erklärte Chinthrajah und wies darauf hin, dass es bei der Therapie von Nahrungsmittelallergien keine Einheitslösung gebe. Wenn sie einen neuen Patienten mit einer Nahrungsmittelallergie und dessen Familie zum ersten Mal berate, stelle sie viele Fragen, um herauszufinden, welche Behandlung für das jeweilige Kind am besten geeignet ist. „Ich frage: Sind Sie gegen ein Lebensmittel oder gegen mehrere Lebensmittel allergisch? Was sind Ihre Ziele: Möchten Sie das Lebensmittel essen können oder einfach nur vor versehentlichen Expositionen geschützt sein? Wie viele versehentliche Expositionen hatten Sie bereits, und wie groß ist Ihre Angst davor? Leiden Sie unter einer Nadelphobie, da Omalizumab injiziert wird? Leiden Sie an anderen allergischen Erkrankungen wie allergischem Asthma oder Ekzemen, die ebenfalls von einer Omalizumab-Behandlung profitieren können?“ Die Ziele und Einstellungen einzelner Patienten zur Allergiebehandlung könnten sich weiterentwickeln, merkte sie an, und die neuen Erkenntnisse könnnten Ärzten helfen, die Behandlung an diese Veränderungen anzupassen. „Anfangs wünschen sich Familien oft Schutz vor versehentlichem Kontakt“, erklärte sie. „Wenn sie dann sehen, dass die Erhaltungstherapie machbar ist, können sich ihre Ziele ändern.“
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