Leberkrebs: Stuhltransplantation kann Ansprechen auf Immuntherapie ermöglichen

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Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Wiener Leitung hat die Stuhltransplantation als möglichen Ansatz bei unwirksamer Immuntherapie untersucht. Die vielversprechenden Ergebnisse wurden in „Nature Communications“ veröffentlicht.

Bei fortgeschrittenem Leberkrebs ist die Immuntherapie-basierte Kombination aus Atezolizumab plus Bevacizumab derzeit eine Standardbehandlung. Allerdings schreitet die Erkrankung bei vielen Betroffenen trotz der Therapie fort. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Leitung von PD Dr. Matthias Pinter von der MedUni Wien hat nun die Stuhltransplantation als möglichen Ansatz bei unwirksamer Immuntherapie untersucht. Die vielversprechenden Ergebnisse wurden im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

An der FAB-HCC-Studie nahmen zwölf Patienten mit Hepatozellulärem Karzinom (HCC), der häufigsten Form von Leberkrebs, teil. Die Studienteilnehmer hatten zuvor eine Behandlung mit Atezolizumab und Bevacizumab erhalten, unter der ihre Erkrankung weiter fortgeschritten war.

Partielle Remission bei vier von zwölf Patienten

Im Rahmen der Studie erhielten die Patienten einmalig eine Stuhltransplantation mittels Darmspiegelung. Dabei wurden Darmbakterien entweder einer gesunden Spenderperson oder einer Person mit Leberkrebs, die gut auf eine Immuntherapie angesprochen hatte, übertragen. Anschließend wurde die Immuntherapie fortgesetzt.

„Die Stuhltransplantation war gut verträglich und es traten keine relevanten neuen Sicherheitsbedenken auf“, berichtet Co-Erstautorin Dr. Katharina Pomej (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien). Bei vier von zwölf Teilnehmer:innen (33 Prozent) schrumpfte der Tumor deutlich, bei weiteren sechs kam es zu einer Stabilisierung der Erkrankung.

Verändertes Mikrobiom vor allem bei Transplantation des Stuhls gesunder Spender

„Die Bakterienzusammensetzung im Darm der Teilnehmenden glich sich der des Spenders an, dies war insbesondere bei Empfänger:innen von gesundem Spenderstuhl zu beobachten. Zudem zeigten sich im Blut Veränderungen bei Immunzellen und im Antikörperprofil“, verdeutlicht der zweite Erstautor der Studie, Dr. Adrian Frick (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien).

Darmbakterien stehen zunehmend im Fokus der Krebsforschung, weil sie die Aktivität des Immunsystems im Kampf gegen Krebszellen beeinflussen können. Bei Leberkrebs ist die Zusammensetzung des Darmmikrobioms häufig verändert. „Unsere Studie liefert erste Hinweise darauf, dass eine Stuhltransplantation die Zusammensetzung dieser Mikroorganismengemeinschaft durch die Übertragung von aufbereitetem Spenderstuhl verändern kann“, resümiert Studienleiter Pinter (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien).

Ob sich dieser Ansatz gezielt nutzen lässt, um eine Resistenz gegenüber einer Immuntherapie bei Leberkrebs zu überwinden, muss jedoch erst durch weitere Untersuchungen in größerem Rahmen geklärt werden.

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