Leberkrebsrisiko bei Frauen: Kein klarer Zusammenhang mit Kontrazeptiva-Einnahme festzustellen28. November 2025 Foto: © Karyna/stock.adobe.com Lange wurde vermutet, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva das Risiko für Leberkrebs bei Frauen erhöht. Die International Agency for Research on Cancer kam 1999 zu dem Schluss, dass ausreichende Hinweise für einen Zusammenhang vorliegen, doch diese Einschätzung basierte auf Fall-Kontroll-Studien mit nur wenigen Leberkrebsfällen. Ziel einer aktuellen Studie von Wissenschaftlern um Dr. Cody Z. Watling war es, robustere epidemiologische Evidenz für diesen Zusammenhang zu liefern. Hierfür analysierten sie Daten aus zwei großen prospektiven britischen Kohorten und führten zusätzlich eine systematische Überprüfung und Metaanalyse früherer Beobachtungsstudien durch. Analyse auf Basis der Million Women Study und der UK Biobank In der bevölkerungsbasierten Studie wurde der Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und dem Risiko für Leberkrebs anhand von Daten der Million Women Study (MWS) und der UK Biobank untersucht. Eingeschlossen wurden Frauen aus beiden Kohorten, die zu Beginn an keiner Krebserkrankung litten (außer nicht melanozytärem Hautkrebs) und Angaben zur Einnahme oraler Kontrazeptiva gemacht hatten. Neu auftretende Leberkrebsdiagnosen wurden über eine Verknüpfung mit den Krebsregistern des National Health Service ermittelt. Das Risiko von Frauen, die bereits orale Kontrazeptiva eingenommen hatten, wurde mit dem von Frauen, die nie orale Kontrazeptiva eingenommen hatten, verglichen. Für die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wurden PubMed, Embase, CINAHL Plus, Web of Science und Scopus ab ihrer Einrichtung bis zum 28. Juni 2024 nach vorhandenen Beobachtungsstudien durchsucht. Studienspezifische logarithmierte ORs oder HRs wurden zusammengefasst und das relative Risiko (RR) zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und Leberkrebs über alle Studien hinweg ermittelt. Keine Hinweise auf einen Zusammenhang Insgesamt erkrankten 2765 (0,21 %) von 1.305.024 Teilnehmerinnen in der MWS-Kohorte an Leberkrebs (medianer Follow-up 21,4 Jahre; IQR 18,4–22,4) und 191 (0,08 %) von 253.408 Teilnehmerinnen in der UK Biobank (medianer Follow-up 12,6 Jahre; IQR 11,8–13,4). Weder in der MWS (HR 1,05; 95 %-KI 0,97–1,13; p=0,27) noch in der UK Biobank (HR 1,08; 95 %-KI 0,76–1,55; p=0,66) wurde ein Zusammenhang zwischen jemals versus nie erfolgter Einnahme oraler Kontrazeptiva und Leberkrebs beobachtet. Die Metaanalyse von 23 Beobachtungsstudien mit 5422 Personen mit Leberkrebs ergab ebenfalls keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen jemals versus nie erfolgter Einnahme oraler Kontrazeptiva und Leberkrebs (RR 1,04; 95 %-KI 0,98–1,11; I2 45,9 %; p=0,0080). In der Metaanalyse zur Dauer der Einnahme oraler Kontrazeptiva zeigte sich ein leicht erhöhtes Leberkrebsrisiko pro fünf Jahre Einnahme oraler Kontrazeptiva (RR 1,06; 95 %-KI 1,02–1,10; I2 63,9 %; p<0,0001), mit entsprechenden subtypspezifischen RRs von 1,07 (95 %-KI 1,00–1,14) für das Hepatozelluläre Karzinom und 1,06 (95 %-KI 1,01–1,11) für das intrahepatische Cholangiokarzinom (pHeterogenität=0,82). Die Gesamtheit der Beobachtungsstudien deutet darauf hin, dass kein Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und dem Risiko für Leberkrebs besteht. Bei Betrachtung der Dauer der Einnahme oraler Kontrazeptiva zeigte sich kein oder nur ein geringer Zusammenhang mit allen Leberkrebsarten oder ihren beiden Hauptsubtypen. Bei längerer Einnahmedauer könnte ein geringfügig erhöhtes Leberkrebsrisiko bestehen, verbleibende Störfaktoren können jedoch nicht ausgeschlossen werden. (lj)
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