Lebertransplantate von Verstorbenen nach Drogenüberdosis: Zahl in den USA während der COVID-19-Pandemie stark angestiegen23. Mai 2022 Abbildung: © mattz90/stock.adobe.com Laut einer Studie, die auf der diesjährigen Digestive Disease Week® (DDW) vorgestellt wurde, stieg die Zahl transplantierter Lebern von Spendern, die an einer Drogenüberdosis verstorben sind, im ersten Jahr der COVID-19-Pandemie in den USA deutlich an. So sei es möglich gewesen, die Zahl der Lebertransplantationen trotz der Einschränkungen, die COVID-19 mit sich brachte, stabil zu halten. „Als die Pandemie begann, beobachteten wir keinen Rückgang der Lebertransplantationen – was überraschend zu sein schien, da viele Operationen abgesagt oder verschoben wurden“, berichtete Hauptautor Peter Lymberopoulos, Medizinstudent an der St. George’s University (Grenada). „Leider scheint ein Hauptgrund eine Welle von Organspendern zu sein, die an einer Überdosis Drogen verstarben.“ Unter Verwendung von Informationen des US-amerikanischen Organspenderegisters, das vom United Network for Organ Sharing betrieben wird, untersuchte das Forschungsteam die Merkmale von Spendern aller Organe für Transplantationen, einschließlich Lebern, während zweier 14-monatiger Zeiträume – vor Beginn der Pandemie und danach. Die Wissenschaftler identifizierten Transplantate verstorbener Spender mit Drogenüberdosis, um das Ausmaß der Veränderungen während der Pandemie zu bestimmen. „Bei Lebertransplantationen haben wir festgestellt, dass die Zahl der Spender, die nach einer Überdosis verstarben, in den ersten 14 Monaten der Pandemie im Vergleich zu den vorangegangenen 14 Monaten überraschend schnell anstieg“, beschrieb Lymberopoulos. „Organtransplantationen sind erfolgreich, haben aber ihren Preis. In vielen Fällen besteht dieser Preis in vor allem jungen Männern, die vorzeitig an einer Überdosis versterben.“ Die Forschenden fanden heraus, dass der Prozentsatz der Lebern von Spendern, die an einer Überdosis verstarben, zwischen der Prä-COVID-Periode (1. Januar 2019 bis 29. Februar 2020) und der Pandemie (1. Mai 2020 bis 30. Juni 2021) um 26 Prozent zunahm – von 15,1 Prozent auf 18,3 Prozent. Bei der Analyse wurden Transplantationen, die im März und April 2020 stattfanden, nicht berücksichtigt – wegen der mit COVID-19 zusammenhängenden Maßnahmen in den Krankenhäusern in diesen Monaten. Bei allen Transplantationen solider Organe stellte man fest, dass die Verwendung solcher von Spendern nach einer Drogenüberdosis um 31,2 Prozent von 14,2 Prozent auf 17,2 Prozent anstieg. Die auf der DDW vorgestellte Studie baut auf anderen Forschungsergebnissen auf, die eine Zunahme von Organspenden durch Todesfälle nach Drogenüberdosis während der jahrzehntelangen Opioidkrise in den USA belegten und die Sicherheit dieser Transplantationen dokumentierten. Viele Opfer einer Überdosis sind jung und haben nur wenige oder keine anderen Gesundheitsprobleme wie Hypertonie oder Diabetes, die die Lebensfähigkeit eines transplantierten Organs beeinträchtigen würden. In der nun präsentierten Studie wurde nicht untersucht, warum mehr Lebern durch Todesfälle nach Überdosis verfügbar waren. Die Forschenden nehmen jedoch an, dass pandemiebedingte sozioökonomische Stressfaktoren zu einer Zunahme der Todesfälle durch Drogenüberdosis dazu beitrugen und dass die meisten wahrscheinlich opioidbedingt waren, da Opioide in den USA etwa 70 Prozent der tödlichen Überdosierungen ausmachen. Aufbauend auf dieser Forschung plant das Team, weitere Organspendedaten zu untersuchen, um festzustellen, ob sich dieser Trend im zweiten Jahr der Pandemie fortgesetzt hat. DDW 2022 Abstract Su1373: Utilization of drug overdose donors for liver transplantation during COVID-19 pandemic.
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