Lücken in geschlechtsspezifischer Versorgung bei Psoriasis und anderen Hauterkrankungen

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Eine Münchner Studie zeigt: Der Therapieerfolg bei Hauterkrankungen unterscheidet sich oft zwischen den Geschlechtern – doch systematische Forschung dazu fehlt bisher.

Trotz zahlreicher Hinweise auf geschlechts- und geschlechterbezogene Einflüsse auf die Behandlung dermatologischer Erkrankungen wurden diese in der Vergangenheit nicht systematisch untersucht. Um diesem bislang ungedeckten Bedarf zu begegnen, erstellte eine Arbeitsgruppe aus München eine systematische Übersichtsarbeit zu Geschlechtsunterschieden im Therapieerfolg von Hauterkrankungen, die nun im „Journal of the European Acadamy of Dermatology & Venereology“ veröffentlicht wurde.

Ihre Auswertungen zeigen, dass zahlreiche Geschlechtsunterschiede bestehen. Zugleich offenbart ihre Arbeit auch erhebliche Lücken in der geschlechtsspezifischen Versorgung in der Dermatologie. Diese sollten in den kommenden Jahren geschlossen werden, um eine patienten­zentrierte, individualisierte und geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung zu optimieren, schlussfolgern die Münchner.

Die Autoren führten ihre Literatur­recherche in Embase (via Ovid), PubMed Medline und Web of Science für den Zeitraum von Januar 2001 bis Dezember 2022 durch. Sie berücksichtigten dabei englisch- und deutschsprachige randomisierte kontrollierte Studien, prospektive und retrospektive Kohortenstudien sowie Fall-Kontroll-Studien, in  denen die Unterschiede im Behandlungserfolg von Hauterkrankungen zwischen Männern und Frauen untersucht worden waren.

Unab­hängig voneinander sichteten 2 Autoren die Literatur auf Einschlussfähigkeit, ein Autor extrahierte sämtliche Daten, die von einem zweiten überprüft wurden. Zudem erfolgte eine kritische Bewertung der Studienqualität und des Verzerrungsrisikos.

Insgesamt wurden 83 Arbeiten eingeschlossen. Der größte Anteil der identifizierten Publikationen befasste sich mit Geschlechtsunterschieden bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis (n=49), gefolgt von Melanom (n=8) sowie vereinzelten Studien (n<5) zu entzündlichen, infektiösen und autoimmunen Haut­erkrankungen.

Die wichtigsten Themenbereiche, in denen sich Geschlechtsunterschiede identifizieren ließen, waren die Wahl der Therapie, der Zeitpunkt des Therapiebeginns, das Therapieansprechen, Nebenwirkungen, Adhärenz und die Zufriedenheit mit der Behandlung. Für Psoriasis konnten in allen Aspekten Geschlechtsunterschiede festgestellt werden, während für andere Hauterkran­kungen spezifische Publikationen zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bislang fehlen. (ins)