Luftverschmutzung in der Kindheit beeinträchtigt Kognition im Erwachsenenalter

Offene Feuerstellen führen in Innenräumen zu erheblicher Luftverschmutzung. (Foto: © fewerton – stock.adobe.com)

Kinder, die Luftverschmutzung in Innenräumen ausgesetzt sind, zeigen im Erwachsenenalter deutlich schlechtere kognitive Fähigkeiten. Dabei werden sowohl biologische als auch sozioökonomische Mechanismen wirksam, wie eine Studie aus Finnland zeigt.

„Fast 30 Prozent der Weltbevölkerung, also etwa 2,4 Milliarden Menschen, kochen immer noch ohne saubere Brennstoffe. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Aufwachsen in einem rauchgefüllten Haushalt die Gesundheit des Gehirns und die kognitiven Fähigkeiten während des gesamten Lebens beeinträchtigen kann“, erklärte der Forscher Xu Zong von der Universität Helsinki.

Die Studie, die in „Social Science & Medicine“ veröffentlicht wurde, analysierte national repräsentative Daten von mehr als 7000 chinesischen Erwachsenen im Alter von 45 Jahren und älter unter Verwendung Maschineller Lerntechniken.

Exposition in der Kindheit beschleunigt den kognitiven Rückgang

Dabei zeigte sich, dass Personen, die als Kinder der Luftverschmutzung in Innenräumen durch feste Brennstoffe ausgesetzt waren, in kognitiven Tests im Erwachsenenalter deutlich schlechter abschnitten.

„Der Zusammenhang blieb in zwei Schlüsselbereichen der kognitiven Funktion stark: episodisches Gedächtnis und allgemeine psychische Gesundheit. Dies deutet darauf hin, dass eine frühzeitige Exposition den altersbedingten kognitiven Verfall in mehreren Bereichen der Gehirnfunktion beschleunigen kann“, erklärte Zong.

Die Studie untersuchte weiter, wie die Exposition gegenüber Luftverschmutzung in Innenräumen in der Kindheit zu einer schlechteren kognitiven Leistungsfähigkeit im späteren Leben beitragen kann, und identifizierte dabei zwei Hauptwege: biologische und sozioökonomische.

Direkte und indirekte Wirkmechanismen

Unter den biologischen Mechanismen wurden Übergewicht und Einschränkungen bei den täglichen Aktivitäten hervorgehoben, was darauf hindeutet, dass eine frühzeitige Exposition die langfristige körperliche Gesundheit beeinträchtigen und sich indirekt auf die Gehirnfunktion auswirken kann.

In Bezug auf sozioökonomische Mechanismen wurde die Exposition gegenüber Luftverschmutzung in der Kindheit mit einem niedrigeren Bildungsniveau und Einkommen im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht, beides bekannte Risikofaktoren für kognitiven Verfall.

Tabak- und Alkoholkonsum ebenfalls von Bedeutung

Männer, Raucher und regelmäßige Alkoholkonsumenten waren besonders anfällig für die schädlichen Auswirkungen einer frühen Exposition gegenüber Luftverschmutzung in Innenräumen auf die kognitive Leistungsfähigkeit.

Die Ergebnisse stehen im Einklang mit der Annahme, dass Entzündungen und Stress – die häufig durch Tabak- oder Alkoholkonsum verstärkt werden – die durch Luftverschmutzung verursachten neurologischen Schäden verstärken können.

„Unsere Studie unterstreicht, dass eine frühzeitige Exposition gegenüber Luftverschmutzung die spätere kognitive Gesundheit sowohl auf biologischer als auch auf sozialer Ebene beeinträchtigt“, betont Zong.

„Aus diesem Grund sollten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit Initiativen für saubere Energie mit Präventionsstrategien kombinieren, die eine lebenslange Gesundheit und positives Verhalten fördern.“

Auf dem Weg zu sauberer Energie für Haushalte

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit globaler Maßnahmen zur Förderung sauberer Energie für Haushalte, insbesondere in Regionen, in denen die Abhängigkeit von festen Brennstoffen nach wie vor hoch ist.

„Die Umstellung auf sauberere Brennstoffe wie Gas oder Strom ist nicht nur eine Maßnahme zum Schutz der Umwelt oder der Atemwegsgesundheit. Sie ist auch eine Investition in das langfristige kognitive Wohlbefinden, die die Gesundheit des Gehirns für zukünftige Generationen sichern könnte“, erklärt Zong.