Lungenkrebs-Screening: Intervention kann Teilnahme an Folgeuntersuchungen fördern, wichtig für zunächst unauffällige Raucher

Abbildung: AucArtStudio/stock.adobe.com

Im Rahmen des Lungenkrebs-Screenings sollen Risikopatienten alle zwölf Monate mittels Niedrigdosis-Computertomographie untersucht werden ‒ eine gezielte Intervention könnte dazu beitragen, dass die Screening-Kandidaten auch zu Folgeuntersuchungen kommen. Eine andere Studie deutet darauf hin, dass ein personalisiertes Langzeit-Monitoring auf Basis der Raucheranamnese sinnvoll sein könnte.

Dass Rauchen das Risiko für Lungenkrebs erhöht, das ist allgemein bekannt. Laut den Ergebnissen einer chinesischen Kohortenstudie trifft das auch auf Personen zu, deren Befund in der Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT) im Rahmen eines initialen Screenings unauffällig ist. Die Daten legen somit nahe, dass eine Verlängerung des initialen Screening-Intervalls angeraten sein könnte. Sie sprechen auf für die Implementierung eines personalisierten Langzeit-Monitorings auf Basis der Raucheranamnese.

Die bevölkerungsbasierte, pro­spektive Kohortenstudie wurde im Rahmen des Cancer Screening Program in städtischen Gebieten Chinas durchgeführt. Das Forschungsteam analysierte Daten zu 30.565 Teilnehmenden, darunter 14.761 Nichtraucher und 15.804 Raucher, im Alter zwischen 40 und 74 Jahren. Rund die Hälfte der Teilnehmenden (51,3%) waren Frauen. Alle Personen hatten zu Beginn der Studie einen unauffälligen LDCT-Befund.

Während des Studien- und Nachbeobachtungszeitraums (Oktober 2013 bis Dezember 2023) traten 76 Fälle von Lungenkrebs während 139.011,51 Personenjahren auf. Das entspricht einer rohen Inzidenzrate von 54,67 pro 100.000 Personenjahre. Dabei hatten Raucher ein höheres Lungenkrebsrisiko als Nichtraucher (adjustierte HR [aHR] 2,73; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,49–5,01), insbesondere Personen mit einer Raucheranamnese von mindestens 20 Packungsjahren (z. B. ≥30 Packungsjahre: aHR 3,22; 95%-KI 1,85–5,58).

Signifikant erhöhtes Risiko erst nach drei Jahren

Die Ergebnisse zeigen aber auch: Das Risiko für Lungenkrebs war bei Rauchern mit unauffälligem LDCT-Befund erst drei Jahre nach dem ini­tialen Screening signifikant erhöht (aHR 2,54; 95%-KI 1,19–5,41), anschließend mit steigender Tendenz. Nach zwei Jahren wurde hingegen noch kein signifikant höheres Risiko festgestellt (aHR 2,07; 95%-KI 0,91–4,69).
Darüber hinaus gab es einen nicht linearen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Packungsjahren und Krebsrisiko. Dabei überschritt das Risiko klinisch relevante Schwellenwerte bei etwa 20 Packungsjahren (z. B. 20 bis < 30 Packungsjahre: aHR 2,48; 95%-KI 1,14–5,40). Frauen wiesen bei vergleichbarer Exposition zudem eine höhere Anfälligkeit auf als Männer (≥30 Packungsjahre: aHR 5,78; 95%-KI 1,87–17,83 für Frauen vs. 1,36; 95%-KI 0,18–10,39 für Männer). Hinsichtlich des Alters zeigte sich ein signifikant erhöhtes Risiko bei Personen im Alter von 50 bis 54 Jahren (≥30 Packungsjahre) und 55 bis 74 Jahren (≥20 Packungsjahre). Ein kurzfristiger Rauchstopp (< 15 Jahre) war hingegen nicht signifikant mit einem reduzierten Lungenkrebsrisiko assoziiert.

Raucher hatten also trotz unauffälligem LDCT-Befund ein deutlich höheres Risiko für Lungenkrebs. Da das Risiko erst etwa zwei Jahren nach dem initialen Screening signifikant wurde, plädieren die Autoren der Studie für eine Verlängerung des Screening-Intervalls. Auch sprechen sich die Forschenden für die Durchführung eines personalisierten Langzeit-Monitorings auf Grundlage des Rauchverhaltens aus.

US-Studie: Termin-Erinnerung und Abfrage der Kenntnisse für eine höhere Rate von Wiederholungsuntersuchungen

Dass sich an einem Lungenkrebs-Screening teilnehmende Personen jährlich einer solchen Untersuchung unterziehen müssen, ist laut einer neuen Studie aus den USA vielen Kandidaten nicht bewusst, auch wenn sie zu dieser Entscheidung im Gespräch mit ihrem Arzt und somit ausreichend aufgeklärt gekommen sind. In ihrer Untersuchung testeten die Autoren eine Kommunikations-Intervention, die das Ziel hat, die Kenntnisse der Screening-Kandidaten zu verbessern. Die Maßnahme sollte auch die Selbstwirksamkeit im Hinblick auf das Lungenkrebs-Screening verbessern.

Die Studienteilnehmer im Alter von 50 bis 78 Jahren, deren Screening-Befund unauffällig war, wurden in der aktuellen ­Studie randomisiert der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugeteilt. Die Intervention erfolgte drei Wochen nach dem Lungenkrebs-Screening: Dabei erhielten die Teilnehmenden Informationsmaterial (in Schrift und per Video) mit drei Kernbotschaften zur Einhaltung eines routinemäßigen Lungenkrebs-Screenings. Sie wurden an ihren nächsten Screening-Termin erinnert und erhielten Anregungen zur sozialen Interaktion. Die beschriebenen Maßnahmen wurden primär über das Patientenportal der elektronischen Patientenakte bereitgestellt. Acht Wochen nach dem Screening lud man alle Teilnehmer zu einer Online- oder Telefonumfrage ein. Darin wurden ihr Wissen, die Stigmatisierung im Zusammenhang mit Tabakkonsum und ihre Selbstwirksamkeit abgefragt.

Mittels modifizierter Poisson- und linearer Regressionen untersuchten die Forschenden den Zusammenhang zwischen der Intervention und sekundären Studienendpunkten. Dabei verwendete man Gewichtungsfaktoren, um eine Nichtteilnahme an der Umfrage zu berücksichtigen. Die Heterogenität des Interventionseffektes wurde anhand der Tabak- und Lungenkrebsvorgeschichte untersucht.

Intervention zeigt Wirkung

Die Umfrage-Teilnahmequote betrug 38,9 Prozent mit 714 Befragten (Interventionsgruppe: n=363; Kontrollgruppe: n=351). Die Kenntnisse bezüglich der Notwendigkeit einer Wiedervorstellung nach einem Jahr nahmen in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um 13 Prozent zu (relatives Risiko 1,13; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,05–1,22; p<0,001).

Konkret erhöhte die Intervention bei Erstteilnehmern den Anteil derjenigen, die wussten, dass sie nach einem Jahr erneut zur Untersuchung kommen sollten, um 21,9 Prozent von 62 Prozent auf 83,9 Prozent (relatives Risiko 1,35; 95%-KI 1,16–1,58). Bei Personen hingegen, die schon zweimal oder noch häufiger untersucht worden waren, ergab sich laut den Autoren der Studie kein Unterschied. Weitere statistisch signifikante Unterschiede bei den Kenntnissen der Screening-Kandidaten beobachteten die Forschenden nicht.

In der Kontrollgruppe fielen sowohl die tabakbezogene Stigmatisierung (Mittelwert 13,9; 95%-KI 13,6–14,2) als auch die Selbstwirksamkeit (Mittelwert 29,0; 95 %-KI 28,6–29,4) hoch aus und wurden durch die Intervention nicht verändert. (ac)   

Zum Start des Screenings in Deutschland:

Lungenkrebs-Screening: Auch eine Blaupause für die Überwindung von Sektorengrenzen