Vaping-Abwärts-Trend unter USA-Jugendlichen: Kampagnen und EVALI-Berichterstattung hatten offenbar Folgen

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Forschende haben herausgefunden, dass sowohl Werbekampagnen gegen Vaping als auch eine umfassende Berichterstattung über EVALI-Fälle entscheidend dazu beigetragen haben, dass das Jahr 2019 zu einem Wendepunkt hinsichtlich der Verbreitung des Vapings unter US-amerikanischen Jugendlichen wurde.

Die in der Zeitschrift „BMC Public Health“ veröffentlichte Studie liefert wichtige Erkenntnisse darüber, warum die Aufklärungskampagnen im Bereich der öffentlichen Gesundheit im Jahr 2019 zeitgleich mit einem Anstieg der Versuche von Jugendlichen, mit dem Vapen aufzuhören, sowie einem Rückgang des Interesses bei Jugendlichen, die noch nie gedampft hatten, auftraten.

Kampagnen und Nachrichten: Zusammentreffen zweier Kräfte

„Was wir in Kalifornien zwischen den Jahren 2017/18 und 2019/20 beobachtet haben, war eine seltene, dramatische Veränderung des Vaping-Verhaltens von Jugendlichen auf Bevölkerungsebene“, berichtet Seniorautor Shu-Hong Zhu, Professor an der Herbert Wertheim School of Public Health. „Ein Zusammentreffen verschiedener medialer Kräfte – aggressive Public-Health-Kampagnen und erschreckende Beiträge in Nachrichten über Menschen, die mit schweren Lungenschäden in ein Krankenhaus eingeliefert wurden – scheint die Jugendlichen aus ihrer Sorglosigkeit gerissen und viele von ihnen dazu motiviert zu haben, mit dem Vapen aufzuhören.“

Die Verbreitung des Vapings unter Jugendlichen in den Vereinigten Staaten stieg von 8,1 Prozent im Jahr 2017 auf einen Höchststand von 20 Prozent im Jahr 2019 an. Dann setzte ein anhaltender Rückgang ein: Die Zahlen sanken bis 2024 einen Wert von 5,9 Prozent. Zu verstehen, was diese Trendwende ausgelöst hat, ist für die Autoren der aktuellen Arbeit für die fortlaufenden Bemühungen zur Tabakprävention von entscheidender Bedeutung.

Im Jahr 2019 trafen zwei wesentliche Kräfte in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit aufeinander: Dies war eine aggressive Werbung gegen das Vapen seitens der Food and Drug Administration (FDA), der „Truth Initiative“ sowie staatlicher Kampagnen wie dem „Tobacco Control Program“ im US-Bundesstaat Kalifornien auf der einen Seite. Auf der anderen Seite erfolgte eine umfassende Berichterstattung über den EVALI-Ausbruch. EVALI (E-cigarette or vaping product use-associated lung injury) wurde mit mehr als 2800 Krankenhauseinweisungen – viele davon bei jungen Menschen – sowie 68 Todesfällen in Verbindung gebracht. Medien berichteten intensiv über diese Krise: So erschienen zwischen Juli 2019 und März 2020 fast 20.000 EVALI-bezogene Nachrichtenartikel im Internet.

Bedeutende Zunahme von Entwöhnungsversuchen

Für ihre Studie analysierten die Forschenden Daten aus zwei Erhebungszyklen des „California Student Tobacco Survey“ – einer groß angelegten, bevölkerungsrepräsentativen Umfrage unter Schülern der achten, zehnten und zwölften Klasse an Schulen, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. Der Erhebungszyklus 2017/18, an dem mehr als 117.000 Schüler teilnahmen, wurde durchgeführt, bevor nationale Anti-Vaping-Kampagnen anliefen. Der Zyklus 2019/20, mit mehr als 143.000 Teilnehmern, fand statt, nachdem diese Kampagnen bereits seit über einem Jahr liefen und die Berichterstattung über EVALI ihren Höhepunkt erreicht hatte. Die Forscher verglichen über diese beiden Zeiträume hinweg die Versuche des Ausstiegs aus dem E-Zigaretten-Konsum bei aktuellen Vapern sowie die Anfälligkeit für künftiges Vaping bei Schülern, die noch nie E-Zigaretten konsumiert hatten.

Die Unterschiede waren nach Angaben der Wissenschaftler frappierend. Unter den aktuellen Vapern war fast eine Verdoppelung des Anteils derjenigen festzustellen, die im Vorjahr einen Ausstiegsversuch unternommen hatten: Er stieg von 28,8 Prozent im Zeitraum 2017/18 auf 53,2 Prozent im Zeitraum 2019/20. Auch die Absicht aufzuhören stieg steil an – von 56,9 Prozent auf 79,1 Prozent. Bei Jugendlichen, die noch nie gedampft hatten, sank die Anfälligkeit, das Vaping künftig auszuprobieren, von 30,3 Prozent auf 25,7 Prozent.

Die Studie bestätigte, dass sowohl die Konfrontation mit Anti-Vaping-Kampagnen als auch das Bewusstsein für EVALI – unabhängig voneinander – die Wahrscheinlichkeit für Ausstiegsversuche und die Absicht aufzuhören erhöhten. Dies galt auch nach statistischer Bereinigung um demografische Faktoren und andere tabakbezogene Verhaltensweisen.

EVALI schreckte bisherige Niemals-Vaper ab

Das Bewusstsein für EVALI stand bei den „Niemals-Vapern“ in einem signifikanten Zusammenhang mit einer geringeren Anfälligkeit für künftiges Vaping – ein Effekt, der bei der Anti-Vaping-Kampagne nicht festzustellen war. Dies ist bemerkenswert, da die beiden großen nationalen Werbekampagnen jährliche Gesamtausgaben von mehr als 100 Millionen US-Dollar verursachten, während das Bewusstsein für EVALI primär durch die Medienberichterstattung entstand, für die keine direkten Kosten anfielen.

Die Berichterstattung über EVALI war unter anderem deshalb so allgegenwärtig, weil die Ursache des Ausbruchs zunächst nicht identifiziert werden konnte. Dies führte dazu, dass die Krise in den Berichten allgemein im Kontext des Vapings verortet wurde. Obwohl der Ausbruch schließlich mit illegalen THC-Vape-Produkten assoziiert wurde, glaubten die meisten Jugendlichen, die von EVALI erfuhren, fälschlicherweise, dass Nikotin dafür verantwortlich sei. In zukünftigen Forschungsarbeiten sollte laut den Autoren der aktuellen Arbeit untersucht werden, ob diese Wahrnehmungen fortbestanden, als die tatsächliche Ursache immer deutlicher wurde. Auch sollte man ermitteln, ob die Fehlinformationen selbst eine Rolle bei den beobachteten Verhaltensänderungen spielten.

Die Forschenden merken an, dass eine ähnliche Trendumkehr in Ländern wie England, wo das Vaping unter Jugendlichen weiterhin zunimmt, nicht beobachtet wurde. Länderübergreifende Vergleiche der Medienlandschaften und politischen Rahmenbedingungen könnten wertvolle Erkenntnisse für die Konzeption der nächsten Generation von Strategien zur Tabakkontrolle liefern.

„Die Raten der Aufhörversuche auf Bevölkerungsebene verändern sich von einem Zeitpunkt zum nächsten fast nie so dramatisch“, betont Erstautor Jijiang Wang von der Herbert Wertheim School of Public Health. „Wenn dies doch geschieht, verrät es uns etwas Wichtiges darüber, was möglich ist, wenn sich das Medienumfeld wandelt.“