Magdeburger “Kontroversen in der Uro-Onkologie” 2021 – ein Rückblick12. Februar 2021 Martin Schostak, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Urologie und Kinderurologie. Foto: Universitätsklinik Magdeburg Das interdisziplinäre Symposium „Kontroversen in der Uro–Onkologie“ unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Martin Schostak aus Magdeburg ging am 29. und 30. Januar 2021 bereits in die neunte Runde. Aufgrund der erneuten Verlängerung des bundesweiten Lockdowns und des damit verbundenen Verbots von Präsenzveranstaltungen fand die Veranstaltung mit 600 angemeldeten Teilnehmern als Hybrid-Meeting (online mit Live-Moderation vor Ort) statt. Das Hamburger Unternehmen Think Wired richtete in kurzer Zeit ein komplettes Produktionsstudio ein, in dem alle Vorträge im Vorfeld bereits aufgezeichnet wurden, sodass während der „Sendung“ der Fokus auf die Live-Diskussion der Fallbeispiele, ein stringentes Zeitmanagement und einen störungsfreien Ablauf gerichtet werden konnte. Die Herausforderung für die Redner bestand darin, innerhalb von drei, fünf oder in seltenen Fällen sieben Minuten die wissenschaftlich kontroversesten Themen des abgelaufenen Jahres zu diskutieren – einzeln oder in Teams, die Pro und Contra gegeneinander vertraten. Das Publikum konnte sich mit online gestellten Fragen an den Diskussionen beteiligen, welche von Tagungsleiter Schostak, Prof. Florian Seseke (Halle-Dölau), Prof. Viktor Grünwald (Hannover) und Prof. Boris Hadaschik (Essen) beantwortet wurden. “Besonderes Thema”: Uroonkologie in Zeiten der Covid-19-Pandemie Neben den krebsspezifischen Themen gibt es bei „Kontroversen in der Uroonkologie“ immer ein „besonderes Thema“. 2021 konnte dies natürlich nur „Uroonkologie in Zeiten der Covid-19-Pandemie“ sein. Der MDR-Fernsehmoderator Stefan Bernschein moderierte die Podiumsdiskussion zwischen Prof. Axel Haferkamp (Mainz), Prof. Frank König (Berlin) und Prof. Jürgen Gschwend (München). Die drei erläuterten, welche Konsequenzen die Pandemie auf die urologischen Kliniken, die Tätigkeiten der niedergelassenen Urologen sowie die Forschung, die Chemotherapie und Studien hat. Im Vortrag von Haferkamp wurde sehr deutlich, dass vor allem die Universitätskliniken durch ihre Alleinstellungsmerkmale in der Versorgung von schweren Covid-19-Erkrankungen besonders schwere Einbußen hinnehmen müssen. Im ersten Lockdown waren dabei insbesondere Erkrankungen des Personals ein großes Problem. Im zweiten Lockdown sind es mehr die schweren Verläufe und die vielen Todesfälle auf den Intensivstationen bei gleichzeitig starker Reduktion des gesamten elektiven und halbdringlichen operativen Geschäfts. Konkret fehlen in großen Einrichtungen bis zu 50 Prozent der radikalen Zystektomien, radikalen Prostatektomien oder Nierenteilresektionen. König als niedergelassener Urologe und Mitglied des Vorstandes der Deutschen Uroonkologen (d-uo e.V.) zeigte, dass in der Niederlassung die Versorgung der uroonkologischen Patienten zwar nicht grundsätzlich beeinträchtigt ist, dass jedoch eine wesentliche Verschiebung hin zu Notfällen und weg von hochelektiver Früherkennung stattgefunden hat. Die Konsequenzen einer solchen Früherkennungsverschleppung werden sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren zeigen. Gschwend als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie beschrieb, was die Pandemie für Auswirkungen auf die urologische Forschung, insbesondere im Kontext medikamentöser Tumortherapie, hat. Es fand eine starke Selektion zugunsten der allerwichtigsten Studien statt. Bestimmte Therapien, die entweder hochfrequente Besuche in der Klinik erfordern oder das Immunsystem besonders beeinträchtigen, konnten nicht mehr in gleicher Weise wie früher angeboten werden. Gschwend schloss, dass die onkologische Forschung während der Covid-19-Pandemie deutlich reduziert ist und sich daraus messbare Einbrüche, vor allem während der ersten Welle, ergeben. Die Podiumsdiskussion im Anschluss offenbarte allerdings durchaus auch positive Aspekte. So konnte Gschwend berichten, dass in seinem Klinikum bereits eine sehr hohe Durchimpfungsquote des Personals bestünde. Alle Redner hoben die Vorteile des starken Impulses zugunsten der Digitalisierung hervor. (Universität Magdeburg / ms)
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