Maßnahmen gegen Lebererkrankungen: Muss Alkohol teurer werden?

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Chronische Lebererkrankungen (CLD) verursachen 1,8% aller Todesfälle in Europa, viele davon durch Leberkrebs. Ein internationales Team schätzte nun in einer aktuellen Arbeit die Auswirkungen verschiedener politischer Maßnahmen in Frankreich, den Niederlanden und Rumänien auf die zukünftige Krankheitsentwicklung.

Mithilfe eines validierten Mikrosimulationsmodells wurden 7 verschiedene politische Szenarien für den Zeitraum 2022–2030 bewertet. Dazu zählten ein Mindestpreis je Maßeinheit (MUP) für Alkohol von 0,70 Euro oder 1 Euro, eine volumetrische Alkoholsteuer, eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke (SSB), Beschränkungen des Lebensmittelmarketings sowie 2 Kombinationen dieser Maßnahmen im Vergleich zu den derzeitigen Maßnahmen (Szenario des Nichthandelns).

Alle Strategien verringerten die Belastung durch CLD und Leberkrebs. Die größte Wirkung erzielte ein MUP von 1 Euro, der bis 2030 die kumulative Inzidenz von CLD in Frankreich, den Niederlanden und Rumänien um 7,1–7,3% im Vergleich zum Nichthandeln reduzieren würde. Bei Leberkrebs lagen die entsprechenden Verringerungen der kumulativen Inzidenz zwischen 4,8 und 5,8%.

Die Umsetzung eines Pakets mit einem MUP von 0,70 Euro, einer volumetrischen Alkoholsteuer und einer SSB-Steuer senkte in der Simulation die kumulative Inzidenz von CLD um 4,29–4,71% und von Leberkrebs um 3,47–3,95% in Frankreich, den Niederlanden und Rumänien. Die prognostizierte Gesamtreduzierung der Gesundheitskosten bis 2030 war bei einem Szenario mit einem MUP von 1 Euro am größten, wobei die Kosten für Leberkrebs in den Niederlanden um 8,18 Mio Euro bzw. in Frankreich um 612,49 Mio. Euro gesenkt würden.

Fazit
Laut Auffassung der Studienautoren müssen sich politische Entscheidungsträger darüber bewusst sein, dass Alkohol und Adipositas die beiden führenden Risikofaktoren für CLD und Leberkrebs in Europa sind und in Zukunft weiter zunehmen, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden. Sie empfehlen daher dringend politische Programme zur Bekämpfung der primären Risikofaktoren für CLD und Leberkrebs, wie die Einführung eines MUP von 1 Euro und/oder eines MUP von 0,70 Euro plus SSB-Steuer. Nur so könne nach Ansicht der Autoren zukünftig die Zahl der Europäer mit CLD oder Leberkrebs deutlich verringert werden. (je)

Autoren: Retat L et al.
Korrespondenz: Maria Buti; [email protected]
Studie: Preventing liver disease with policy measures to tackle alcohol consumption and obesity: The HEPAHEALTH II study
Quelle: J Hepatol 2024;80(4):543–552.
Web: https://doi.org/10.1016/j.jhep.2023.11.021