Mediziner warnen: Zu wenig Spenderherzen für Kinder30. April 2026 Für Kinder mit schweren Herzerkrankungen gibt es zu wenig Spenderorgane. (Foto: © Kiryakova Anna – stock.adobe.com) Fortschritte in der pädiatrischen Herzmedizin tragen dazu bei, dass mehr Kinder lange genug überleben, um eine Transplantation zu erhalten – doch das Angebot an Spenderherzen hält damit nicht Schritt, wie Experten auf der 46. Jahrestagung der International Society for Heart and Lung Transplantation in Toronto (Kanada) warnten. Hoffnung auf eine Beseitigung des Engpasses sehen Transplantationsmediziner in der Überarbeitung des US-Transplant Modernization Act. Ziel ist die Umstellung von einem kategorisierten System auf ein kontinuierliches Verteilungsmodell, das medizinische Dringlichkeit und Systemeffizienz besser priorisiert. Mit zusätzlichen Zuteilungspunkten für Kinder und einer Verfeinerung der pädiatrischen Dringlichkeitskategorien würde das neue System Kindern zudem eine höhere Priorität einräumen. Allerdings werde die Umsetzung des Modernisierungsgesetzes durch Verzögerungen bei der Vergabe von Bundesaufträgen gebremst, beklagte Dr. Kevin P. Daly, Kinderkardiologe am Boston Children’s Hospital, auf der Tagung. Doch selbst eine überarbeitete Zuteilungspolitik könne ein gravierendes Problem in der pädiatrischen Transplantationsmedizin nicht beheben – den Organmangel, räumte der Präsident der Pediatric Heart Transplant Society ein. Paradoxe Situation der Transplantationsmedizin Weltweit werden jährlich mehr als 600 Herztransplantationen bei Kindern durchgeführt, doch die Sterblichkeitsrate auf der Warteliste bleibt hoch. In den Vereinigten Staaten überlebt mehr als jedes sechste Kind auf der Warteliste nicht. Gleichzeitig ermöglichen Fortschritte wie Herzunterstützungssysteme, dass schwerkranke Kinder länger leben können, während sie auf eine Transplantation warten – oft über Monate oder Jahre hinweg. „Das ist das Paradoxon“, erklärte Dr. Brigitte Stiller, Professorin und Leiterin der Kinderkardiologie am Universitätsklinikum Freiburg in Deutschland. „Wir retten Kinder auf der Warteliste, aber wir finden nicht genügend Spenderherzen für sie.“ Stiller argumentierte, dass die Fachwelt die Auswahl und Verwendung von Spenderherzen überdenken müsse. „Die Knappheit bei Herztransplantationen bei Kindern ist kein Schicksal, sondern ein Problem, das wir neu gestalten können“, sagte sie. Warten auf den „idealen“ Spender verlängert die Wartezeit Ein entscheidender Wandel besteht darin, sich von der Vorstellung des „perfekten“ Spenderherzens zu lösen. Da sich der Zustand der Kinder unter mechanischer Unterstützung zunehmend stabilisiert, zögern Ärzte oft, ein Spenderherz zu akzeptieren, das nicht dem Ideal entspricht – was die Wartezeiten potenziell verlängert. „Es gibt zunehmend Belege dafür, dass sorgfältig ausgewählte Herzen dennoch zu hervorragenden Ergebnissen führen können“, betonte Stiller. „Wenn wir nur auf den idealen Spender warten, werden manche Kinder niemals eine Transplantation erhalten.“ Beide Referenten betonten, dass technologische Fortschritte erforderlich sind, um den Pool an Spenderherzen zu erweitern, darunter Technologien zur Organperfusion und -konservierung. In den Vereinigten Staaten werden derzeit miniaturisierte Perfusionsplattformen in klinischen Studien evaluiert. „Diese Systeme wären revolutionär, so wie sie bereits die Herztransplantation bei Erwachsenen neu gestaltet haben“, erklärte Daly. Vertrauen schaffen, Spendebereitschaft erhöhen Die Spende nach Kreislaufstillstand (DCD) ist ein weiterer vielversprechender Ansatz, auch wenn ihre Anwendung in der pädiatrischen Transplantation noch begrenzt ist. Experten betonten, dass die Aufrechterhaltung des öffentlichen Vertrauens entscheidend sein wird, wenn diese Verfahren ausgeweitet werden. „Das Vertrauen der Öffentlichkeit ist alles“, betonte Daly. „Wenn Familien das Vertrauen in das System verlieren, könnten die Spenderzahlen sinken, und das würde Menschenleben kosten.“ Auch klinische Innovationen bewirken einen Unterschied. Säuglinge und Kleinkinder können sicher Herzen von Spendern mit inkompatiblen Blutgruppen erhalten – ein Durchbruch, der die Zahl der verfügbaren Spenderorgane erheblich erhöht. Umfassender Ansatz für Erweiterung des Spenderpools Über Politik und Technologie hinaus betonte Stiller, wie wichtig es sei, der Öffentlichkeit die langfristigen Auswirkungen einer Transplantation und die Bedeutung der Organspende näherzubringen. Sie erklärte, dass viele Empfänger von Kinderherzen zu einem erfüllten, gesunden Leben heranwachsen, die Schule abschließen, eine Karriere aufbauen und Familien gründen. „Wenn die Menschen sehen, dass diese Kinder zu blühenden Erwachsenen werden, verändert das die Diskussion“, erklärte die Medizinerin. „Diese Sichtbarkeit kann dazu beitragen, dass mehr Familien der Organspende zustimmen.“ Beide Referenten waren sich einig, dass die Lösung des Mangels an pädiatrischen Spendern einen mehrgleisigen Ansatz erfordern wird. „Es gibt nicht nur eine Lösung, sondern viele: Technologie, klinische Innovation und die Bereitschaft, neu zu überdenken, wie wir jedes Spenderherz nutzen“, resümierte Stiller. (ej/BIERMANN)
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