Medizinklima im freien Fall6. Oktober 2022 Quelle: Stiftung Gesundheit Die wirtschaftliche Stimmung in der ambulanten Versorgung ist nach Angaben der Stiftung Gesundheit im 3. Quartal 2022 drastisch eingebrochen. “Die Trias aus weiter anhaltenden und nicht kohärenten Corona-Regularien, die Energiekrise mit massiven Preissteigerungen sowie der politisch gewollte Wegfall der erfolgreichen Neupatientenregelung bei Ärztinnen und Ärzten spiegeln sich in einem regelrechten Absturz des Medizinklimas in allen ambulanten Heilberufen”, berichtet Prof. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit. Das zeige eindeutig und erschreckend, dass die ambulante Versorgung – das Rückgrat einer patientennahen, kostengünstigen und erfolgreichen Versorgung – in akuter Gefahr sei. Alarmstimmung bei Ärzten und ApothekernAm stärksten sank das Medizinklima der Ärzte, das um 22,9 Punkte auf einen Wert von -33,1 zurückging. Damit erreicht die wirtschaftliche Zuversicht der Mediziner einen neuen Tiefstand: “Sie unterschreitet sogar das bisherige Minimum vom Mai 2020, das durch die erste Welle der COVID-Pandemie verursacht wurde”, so Obermann.Drastisch ist auch die Lage der Apotheker: Bei ihnen sank das Medizinklima um 22,1 Punkte auf einen Wert von -54,4 und weist damit den niedrigsten Wert aller befragten Gruppen in der ambulanten Versorgung auf.Im Vergleich dazu mussten die nichtärztlichen Heilberufler nur einen moderaten Rückgang des Medizinklimas um 11,1 Punkte in Kauf nehmen. Damit ergibt sich bei ihnen ein Medizinklima von -16,0. Zukunftssorgen belasten LeistungserbringerAusschlaggebend für die schlechte Entwicklung des Medizinklimas sei in den meisten Fällen nicht die aktuelle wirtschaftliche Lage, heißt es weiter: “Die Zukunftserwartungen in der ambulanten Versorgung sind erneut stark zurückgegangen und liegen mittlerweile in vielen Gruppen auf hochkritischem Niveau”, analysiert Obermann. Am größten sind die Sorgen bei den Apothekern: 83,3 Prozent von ihnen rechnen mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Auch bei Hausärzten, Fachärzten, Zahnärzten und Ergotherapeuten erwarten dies mehr als zwei Drittel der Befragten. Vergleichsweise optimistisch zeigen sich aktuell die Heilpraktiker, bei denen lediglich 28,0 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Sie sind zudem die einzige Gruppe, in denen ein zweitstelliger Anteil der Befragten mit einer positiven Entwicklung ihrer Lage rechnet (17,3 %). In allen anderen Gruppen glaubt nur ein Bruchteil der Befragten an eine Verbesserung (max. 5,4 %). Über den Medizinklimaindex: Seit mehr als 15 Jahren erhebt die Stiftung Gesundheit den Medizinklimaindex (MKI). Der Indikator für die wirtschaftliche Stimmung und Zuversicht in der ambulanten Versorgung gibt differenziert Auskunft darüber, wie die niedergelassenen Ärzte, Apotheker und Heilberufler in Deutschland ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen und welche Entwicklung sie in den kommenden sechs Monaten erwarten. Der MKI wird analog zum Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft des ifo Institutes erhoben. An der aktuellen Befragung im 3. Quartal 2022 nahmen 1468 Leistungserbringer teil. Link zum aktuellen MKI: https://www.stiftung-gesundheit.de/studien/medizinklimaindex-mki/
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