Mit dem Rettungsdienst in die Praxis?27. April 2026 Bild: Janet Worg – stock.adobe.com Ein Modellprojekt aus Hessen könnte bundesweit Schule machen. Die Grundidee klingt wie eine Binse: Nicht jeder, der den Notruf wählt, ist ein Notfall. Wo liegt das Problem? Hessen baut die Notfallversorgung weiter um. Ein bundesweit einmaliges Modellprojekt wurde gerade ausgeweitet und soll bundesweit Schule machen. Rettungsdienste können damit Patienten mit Bagatellerkrankungen auch zu einer Hausarztpraxis bringen statt ins Krankenhaus. Das System starte nun „in den Echtbetrieb“, so die Kassenärztliche Vereinigung (KV). „Mit dem neuen System kommen Patienten direkt an die richtige Stelle – damit werden Rettungsdienst und Notaufnahmen entlastet“, sagte Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) laut Mitteilung. „Wer medizinische Hilfe braucht, soll künftig schneller an die richtige Stelle geleitet werden. So bekommen Patienten die passgenaue Hilfe, die sie brauchen – bei gleichzeitiger Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen.“ Worum geht es? Wie meist bei gesundheitspolitischen Themen hat das Kind einen ziemlich sperrigen Namen. In diesem Fall: „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung“, kurz „SaN“. Ganz allgemein gesprochen geht es um Fälle, in denen Menschen den Notruf 112 wählen und dann von einem Rettungsdienst in die Notaufnahme einer Klinik gebracht werden, obwohl sie gar nicht so schwer krank sind. Diese Menschen sollen zu einem Haus- oder Facharzt gebracht werden. Was bisher geschah Das Modell wird bereits erprobt – in drei hessischen Pilotregionen: Main-Taunus-Kreis, Main-Kinzig-Kreis und Landkreis Gießen. Die zweite Stufe des Projekts begann am 13. April, wie die KV Hessen berichtet: Nachdem technische Hürden aus dem Weg geräumt wurden, läuft der Prozess inzwischen „durchgängig digital“. Wie das im Einzelnen funktioniert, ist für die Patienten vermutlich nicht so wichtig. In Kürze kann man sagen, dass zuerst der medizinische Bedarf ermittelt wird, dann wird entschieden: stationär oder ambulant? Je nachdem steuert der Rettungsdienst Klinik oder Praxis an. Auch wenn das völlig logisch klingt: Das ist nicht die Regel. Woran es hapert Damit diese Idee funktioniert braucht man Praxen, die sich bereiterklären, diese Patienten spontan zu behandeln. Das ist bisher der Engpass. Laut KV machen bisher in Hessen 35 Partnerpraxen und die acht Bereitschaftsdienstzentralen mit. Rund 1300 solcher Zuweisungen gab es seit dem Start des Projekts vor vier Jahren. Bei diesen Zahlen sei noch „Luft nach oben“, findet die KV Hessen. Weil das Partnerpraxis-Netz noch recht löchrig ist, werde dann leider doch oft das nächste Krankenhaus angesteuert. Ein Jahr lang wird das Modell nun vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung evaluiert. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung die ambulante Notfallversorgung reformieren – Hessen könnte ein Vorbild sein. Auch interessant: Verbesserte Notfallversorgung im Niemandsland zwischen Rettungsdienst, Notaufnahme und Hausarzt Wer zahlt für den Rettungsdienst? Weiter keine Einigung Teures Versprechen? Bundeskabinett beschließt Notfallreform
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