Mit Kunstherz über den Atlantik14. Dezember 2018 Ryan und Treasure C. mit ihrer Tochter. Foto: © Maier/dhzb/ Zum ersten Mal wurde ein Kleinkind aus den USA zu einer speziellen Herzoperation nach Deutschland geflogen. Am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) konnten die Ärzte der zweijährigen Chloé eine künstliche Kreislaufpumpe entnehmen, weil sich das eigene Herz des Mädchens wieder erholt hat. Die zweijährige Chloé aus Salt Lake City in den USA wird im Juli dieses Jahres aufgrund einer akut lebensbedrohlichen Herzmuskelentzündung an eine künstliche Kreislaufpumpe, das in Berlin entwickelte „Berlin Heart Excor Pediatric“, angeschlossen. Sie kommt auf die Warteliste für eine Herztransplantation. Vieles deutet in der Folge zwar darauf hin, dass sich ihr eigenes Herz durch die maschinelle Entlastung wieder erholt haben könnte. Doch mit der operativen Entnahme einer maschinellen Kreislaufunterstützung gibt es in den USA kaum Erfahrungen. Chloés Eltern, Ryan und Treasure C., recherchieren im Internet und finden heraus, dass am Deutschen Herzzentrum Berlin DHZB bereits vor über zehn Jahren Standard-Verfahren zur Beurteilung der Möglichkeit der Kunstherz-Entnahme sowie zur optimalen Vorbereitung und Durchführung der Operation entwickelt wurden. Am DHZB konnten bereits über 130 Kunstherzen verschiedener Typen wieder entnommen werden, ohne dass eine Transplantation nötig wurde – darunter auch bei 27 Kindern am „Berlin Heart Excor Pediatric“, jenem Gerät, das auch Chloés Leben gerettet hat. Die Eltern übermitteln Chloés Unterlagen an das DHZB mit der Bitte um Prüfung. Die Berliner Experten bewerten die Erfolgschancen einer operativen Entnahme des Kunstherzens als hoch. Treasure und Ryan C. erreichen schließlich, dass ihre Tochter am 13. November samt Kunstherz mit einem Ambulanzjet und einer speziell ausgebildeten medizinischen Crew ins Deutsche Herzzentrum nach Berlin geflogen wird. An der Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie des Deutschen Herzzentrums Berlin unter Leitung von Prof. Felix Berger werden sorgfältige Tests durchgeführt, dann geben die Kinderkardiologen grünes Licht für die OP. Am Morgen des 26. November nimmt Prof. Joachim Photiadis, Direktor der DHZB-Klinik für Kinderherzchirurgie, die künstliche Kreislaufpumpe in einer sechsstündigen Operation von Chloés Herz ab. Nach nur zwei Tagen kann Chloé die Intensivstation verlassen und steht nun kurz vor der Heimreise. „Natürlich sind Komplikationen nie völlig ausgeschlossen und Chloés Zustand sollte weiterhin engmaschig kontrolliert werden“, sagt Klinikdirektor Professor Felix Berger; „unsere Prognose ist aber sehr positiv und wir freuen uns, Chloé voraussichtlich noch vor dem Weihnachtsfest entlassen zu können“. Chloés Eltern machen den Fall ihrer Tochter öffentlich, weil sie auch in den USA darauf aufmerksam machen wollen, dass für Kinder am Kunstherz in manchen – wenn auch seltenen – Fällen eine Alternative zur Herztransplantation existiert. „Uns ist völlig bewusst, dass eine Kunstherz-Entnahmen oder Transplantation längst nicht in allen Fällen möglich ist“, sagt Chloés Mutter, „aber wir wurden von Eltern und Ärzten in den USA darauf aufmerksam machen, dass es diese Alternative gibt und dass sie in Berlin seit langem erfolgreich angewendet wird. Wir hatten die finanziellen Möglichkeiten, unser Kind nach Berlin zu bringen. Aber auch alle anderen Kinder sollten in den USA die Chance auf ein Leben ohne Herztransplantation bekommen – wenn es, wie in Chloés Fall, möglich ist. Wir wollen die klinische Anwendung des Verfahrens und die Forschung in diesem Bereich unterstützen. Und gehen deshalb auch an die Öffentlichkeit.“
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