Morbus Crohn: Kann ein niedrig dosiertes Krebsmedikament das körpereigene Heilungspotenzial unterstützen?4. Mai 2026 Abbildung: DOC RABE Media/stock.adobe.com Entzündungshemmende Medikamente stellen die Standardtherapie bei Morbus Crohn dar, führen aber nur bei einem Teil der Betroffenen zu einer dauerhaften Remission. US-Forscher haben nun einen anderen Weg eingeschlagen. In einer neuen Studie, die kürzlich im Journal „Gastro Hep Advances“ veröffentlicht wurde, stellen Wissenschaftler von der University of Hawaii, vom Baylor College of Medicine und vom MD Anderson Cancer Center der University of Texas (alle USA) einen neuen Ansatz vor. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Erkrankung durch angeborene Defekte der Epithelschicht verursacht wird, welche auch die Immunantwort verstärken. Durch die Umwidmung zweier bereits zugelassener Krebsmedikamente will das Team den durch Epithelzellen initiierten Entzündungszyklus unterbrechen und der Darmbarriere die Möglichkeit zur Regeneration geben. „Dies ist ein Paradigmenwechsel in unserem bisherigen Verständnis der Erkrankung“, erklärt Seema Khurana, Seniorautorin und Professorin für Biologie und Biochemie an der University of Hawaii. „Bestehende Therapien lindern primär die Symptome, da wir die Ursachen der Erkrankung nicht kennen. Wir glauben, dass unsere Forschung uns der Identifizierung dieser Ursachen näherbringt.“ Das Stress-Signal im Visier Seema Khurana, Moores-Professorin für Biologie und Biochemie an der Universität Houston. (Foto: Universität Houston) Khurana Arbeitsgruppe hatte im Jahr 2018 einen Zusammenhang zwischen der Darmbarrierefunktion und der Progression von M. Crohn hergestellt. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Darm von M.-Crohn-Patienten unter chronischem Stress beginnt, eigene Epithelzellen abzutöten, anstatt sie zu regenerieren. In der neuen Studie beobachtete das Team nun, dass diese Funktionsstörung der Epithelzellen das Voranschreiten der Erkrankung weiter beschleunigt, indem sie die Epithelregeneration aktiv hemmt. „In einer gesunden Zelle steigt das Stress-Signal an und sinkt wieder ab, sobald der Stress nachlässt. Bei M.-Crohn-Patienten ist dieses Stress-Signal permanent aktiv“, erklärt Khurana. „Und wenn es dauerhaft aktiv ist, kann die Zelle den Stress nicht bewältigen und unterliegt einer Form des programmierten Zelltods, der Nekroptose, was wiederum Entzündungen auslöst.“ Das Forscherteam kam zu dem Schluss, dass der Einsatz geringer Konzentrationen zweier Krebsmedikamente entscheidend sein könnte, um diesem Problem entgegenzuwirken. In entsprechenden Untersuchungen hemmten Pazopanib und Ponatinib die initiale zelluläre Stressreaktion und den Zelltod – und förderten so die natürliche Reparatur und Regeneration der Darmschleimhaut. Fokus auf die Patientenversorgung Die Umwidmung bereits zugelassener Medikamente bietet zum einen durch die Einsparung von Kosten einen enormen Vorteil in der Entwicklung von Arzneimitteln. Zum anderen nutzen die Autoren der aktuellen Studie Organoide, die aus Zellen von Patienten gezüchtet worden waren. Dieser Ansatz gewährleistet, dass die Ergebnisse hochgradig relevant für die menschliche Biologie sind und ebnet den Weg für zukünftige klinische Anwendungen. „Wenn man von Grund auf ein Medikament identifizieren und entwickeln müsste, würde das zehn bis 15 Jahre dauern und zwischen einer und zwei Milliarden Dollar kosten“, schätzt Khurana. „Patienten mit chronischem M. Crohn suchen nach sofortiger Linderung. Unser Ziel war es, unsere Ergebnisse so auf die Bedürfnisse realer Patienten übertragbar zu machen.“ Mehr Beiträge zu Morbus Crohn: Morbus Crohn bei Kindern: Lokalisation im Kolon ist mit erhöhten Verlaufs- und Therapierisiken assoziiert Morbus Crohn: Ein experimentelles Modell ahmt typische Fettansammlung nach und erleichtert deren Erforschung
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