Mütter mit HIV: Darum haben Säuglinge ein höheres Risiko für gesundheitliche Probleme

Kinder HIV-infizierter Mütter entwickeln ein weniger schlagkräftiges Immunsystem als nichtexponierte Kinder. (Foto: © Julian – stock.adobe.com)

Kinder von Frauen mit einer HIV-Infektion haben ein erhöhtes Risiko für Immunanomalien , wenn sie während der Schwangerschaft einer mütterlichen HIV-Virämie, einer Immundysfunktion und Koinfektionen ausgesetzt waren. Das zeigt eine Studie, die an der Queen Mary University of London, Großbritannien durchgeführt wurde und in der Säuglinge im ländlichen Simbabwe untersucht wurden.

In der von Dr. Ceri Evans geleiteten Studie wurden im Rahmen der SHINE-Studie (Sanitation Hygiene Infant Nutrition Efficacy) die klinischen Outcomes von HIV-exponierten und HIV-unexponierten Säuglingen im ländlichen Simbabwe verglichen. Trotz des hohen Anteils an antiretroviraler Therapie (ART) bei den Müttern und des ausschließlichen Stillens war die Sterblichkeit bei HIV-exponierten Säuglingen um 41 Prozent höher als bei nicht HIV-exponierten Säuglingen. Bei Säuglingen, die überlebten und HIV-frei blieben, waren Wachstum und Entwicklung beeinträchtigt.

Die Analyse der Blutproben von Müttern und Kindern, die an der Studie teilnahmen, ergab Hinweise auf mehrere biologische Mechanismen, die zu der erhöhten Sterblichkeitsrate in dieser Gruppe von Säuglingen beitrugen. So standen systemische Entzündungen bei HIV-infizierten Frauen, die anhand des C-reaktiven Proteins (CRP) gemessen wurden, in starkem Zusammenhang mit der Säuglingssterblichkeit, was den Forschenden zufolge darauf hindeutet, dass Maßnahmen, die auf mütterliche Entzündungen und deren Ursachen während der Schwangerschaft abzielen, die Säuglingssterblichkeit verringern könnten.

Die Forscher fanden auch heraus, dass die Immunentwicklung von HIV-exponierten Säuglingen – und insbesondere von Jungen – anders verlief als bei Säuglingen, die nicht mit HIV in Berührung gekommen waren: Das Immunsystem HIV-exponierter Kinder war weniger wirksam gegen künftige Infektionen. Eine Infektion mit dem Zytomegalie-Virus (CMV), einem Kofaktor für das Fortschreiten der HIV-Erkrankung, wurde ebenfalls unabhängig mit der Säuglingssterblichkeit in Verbindung gebracht und wirkt sich den Ergebnisse zufolge auf die Entwicklung des kindlichen Immunsystems aus.

Dr. Evans, NIHR Clinical Lecturer für pädiatrische Infektionskrankheiten an der Universität Liverpool, erklärte: „Insgesamt zeigen diese Ergebnisse, wie das verzerrte Immunmilieu von Frauen mit HIV in der Schwangerschaft – gekennzeichnet durch Entzündungen, Immundysfunktion und Co-Infektionen – die Immunentwicklung ihrer Nachkommen beeinflusst. Entzündungen, wie sie durch CRP angezeigt werden, sind kostengünstig und einfach zu messen und bieten die unmittelbare Möglichkeit, vorgeburtliche Point-of-Care-Tests zu nutzen, um diejenigen zu identifizieren, die am stärksten von der Kindersterblichkeit bedroht sind, wobei für Hochrisikoschwangerschaften mehr Unterstützung bereitgestellt wird. Die CMV-Koinfektion, die in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara weit verbreitet ist, könnte ein neues Interventionsziel zur Verbesserung der Outcomes bei dieser gefährdeten Gruppe von Kindern darstellen.“