Myokardinfarkt fördert Brustkrebsrezidive19. August 2020 Foto: © Photographee.eu – Adobe/Stock Neue Daten zeigen, dass ein Myokardinfarkt in Mausmodellen die Progression von Brustkrebs fördert und beim Menschen das Rezidivrisiko erhöht. Eine Störung der systemischen Homöostase durch chronische oder akute Stressfaktoren wie Fettleibigkeit oder Operationen verändert die Krebspathogenese. Krebspatientinnen, insbesondere solche mit Brustkrebs, können aufgrund der Behandlungstoxizität und Änderungen des Lebensstils ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Während ein erhöhtes Risiko und eine erhöhte Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen bei Brustkrebs gut bekannt sind, ist nicht bekannt, ob solche Ereignisse die Pathogenese von Krebs beeinflussen. In einer aktuellen Studie zeigen Wissenschaftler um Graeme J. Koelwyn von der New York University School of Medicine, dass ein Myokardinfarkt das Wachstum von Brustkrebs und die brustkrebsspezifische Mortalität bei Mäusen und Menschen beschleunigt. In Mausmodellen für Brustkrebs reprogrammierte ein Myokardinfarkt Ly6Chi-Monozyten im Knochenmarkreservoir epigenetisch auf einen immunsuppressiven Phänotyp um, der in Monozyten sowohl im Kreislauf als auch im Tumor auf Transkriptionsebene aufrecht erhalten wurde. Parallel dazu erhöhte ein Myokardinfarkt die Spiegel der zirkulierenden Ly6Chi-Monozyten und deren Rekrutierung zu Tumoren. “Als wir monozytische Myeloide Suppressorzellen (mMDSCs) abgereichert haben, wurde der Wachstumsvorteil für den Tumor bei Mäusen mit Myokardinfarkt aufgehoben und die Anzahl der Antitumor-CD8+-T-Zellen erhöht”, wird die Seniorautorin Prof. Kathryn Moore in einem Artikel in “Nature reviews – Clinical Oncology” zitiert. Um die klinische Relevanz dieser Ergebnisse zu beurteilen, wurden zwei prospektive Kohortenstudien retrospektiv analysiert. Diese Studien umfassten 1724 Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium und einer medianen Nachbeobachtung von 11,7 Jahren seit der Diagnose. Im Vergleich zu keinem kardiovaskulären Ereignis war ein kardiovaskuläres Ereignis nach der Diagnose mit einem adjustierten erhöhten Rezidivrisiko von 59% (95%-KI 1,23–2,06) und einer brustkrebsspezifischen Mortalität von 60% (95%-KI 1,16–2,22) verbunden gewesen, heißt es im Review zu der in “Nature Medicine” erschienenen Originalpublikation. Diese präklinischen und klinischen Ergebnisse zeigen, dass ein Myokardinfarkt Veränderungen in der systemischen Homöostase induziert und eine krankheitsübergreifende Kommunikation auslöst, die Brustkrebs beschleunigt. Quellen: Koelwyn GJ et al. Myocardial infarction accelerates breast cancer via innate immune reprogramming. Nat Med (2020). https://doi.org/10.1038/s41591-020-0964-7 Romero D. Myocardial infarction promotes breast cancer recurrence. Nat Rev Clin Oncol 17, 520 (2020). https://doi.org/10.1038/s41571-020-0418-7
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