Eine Chemotherapie im Kindesalter hinterlässt auch in gesundem Gewebe dauerhafte Mutationen

Krebserkrankungen bei Kindern sind heute besser behandelbar als je zuvor, doch die Therapien bergen ihre eigenen Risiken. (Foto: © Photographee.eu – stock.adobe.com)

Eine Chemotherapie kann bei Kindern bleibende genetische Spuren im gesunden Gewebe hinterlassen. Dies zeigt eine aktuelle Studie in „Science“ und liefert damit möglicherweise eine Erklärung für einige der langfristigen Gesundheitsprobleme, mit denen viele Überlebende von Krebserkrankungen im Kindesalter Jahrzehnte später zu kämpfen haben.

Chemotherapeutika wie Cisplatin und Carboplatin können Krebszellen abtöten, indem sie die DNA schädigen. Doch trotz ihres Nutzens können sie auch charakteristische Mutationen im gesunden Gewebe, insbesondere im Blut, hinterlassen.

Inwieweit die Behandlung jedoch Mutationen in verschiedenen Geweben derselben Person hervorruft, ist derzeit noch unklar. Diese Frage ist jedoch für Kinder besonders wichtig, die möglicherweise jahrzehntelang mit den Folgen chemotherapiebedingter Mutationen leben müssen und möglicherweise einem erhöhten Risiko für künftige Krebserkrankungen ausgesetzt sind.

Um diesbezüglich mehr Klarheit zu erlangen, nutzte das internationale Forscherteam um Anna Wenger vom Wellcome Sanger Institute in Hinxton, Großbritannien, und der Universität Göteborg, Schweden, die hochempfindliche Duplex-Sequenzierungstechnologie „NanoSeq“. Diese kann Mutationen nachweisen, die von einzelnen DNA-Molekülen in nicht-krebsartigem Gewebe von pädiatrischen Krebspatienten stammen. Zudem setzten die Forschenden die gezielte, genorientierte Sequenzierung ein, um die Arten und potenziellen zukünftigen Folgen chemotherapieinduzierter Mutationen zu untersuchen.

Viele Mutationen durch Platinwirkstoffe

Auf diese Weise stellten Wenger et al. fest, dass sich im nicht-krebsartigen Lebergewebe von Kindern, die einer platinbasierten Chemotherapie ausgesetzt waren, Mutationsniveaus ansammelten, die mit denen in Lebern von Erwachsenen vergleichbar waren. Die Autoren identifizierten zudem eine charakteristische Mutationssignatur, die in Cisplatin-exponiertem Lebergewebe – sowohl in gesundem als auch in krebsartigem – zu finden war, jedoch nicht in anderen Organen oder Krebsarten. Dies liefert den Autoren zufolge Hinweise darauf, dass eine Platinbehandlung spezifische Muster dauerhafter genetischer Schäden in gesundem Gewebe hinterlassen kann.

„Die Studie von Wenger et al. liefert weitere Belege dafür, dass Platinwirkstoffe eine hohe Anzahl von Mutationen im normalen [nicht krebsartigen] Gewebe von Kindern induzieren können, die wegen Leberkrebs behandelt werden und für deren langfristiges Überleben diese Art der Chemotherapie von Bedeutung ist“, schreiben Sanjeev Vasudevan und D. Williams Parsons in einer begleitenden Perspektive.

„Studien, die behandelte Kinder bis ins späte Erwachsenenalter begleiten, werden eine frühzeitigere Erkennung von Leberfunktionsstörungen und frühzeitigere Interventionen bei neu auftretenden Krebserkrankungen in dieser Bevölkerungsgruppe ermöglichen.“ (ej/BIERMANN)