Nach EHEC-Ausbrüchen in Norddeutschland: DGVS mahnt zur Sorgfalt in der Erregerdiagnostik30. September 2025 Foto: © Coloures-Pic/stock.adobe.com Nach aktuell mehr als 100 EHEC-Verdachtsfällen in Mecklenburg-Vorpommern steigt die Unsicherheit in der Bevölkerung. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) mahnt nun zu einer nüchternen Bewertung der Zahlen. Der Grund: Mit der zunehmenden Nutzung hochsensitiver Diagnostik mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) steige das Risiko, dass auch klinisch nicht relevante Befunde als EHEC-Infektionen gewertet werden. Die DGVS rät daher – entsprechend ihrer Leitlinie zu gastrointestinalen Infektionen – ausdrücklich dazu, PCR-Nachweise von Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) immer durch eine Kultur abzusichern. Schnelle, aber auch sorgfältige Diagnostik ist nötig Von den mehr als 100 Verdachtsfällen haben die Gesundheitsbehörden in Mecklenburg-Vorpommern bis zum vergangenen Donnerstag (25.09) lediglich 50 Fälle von EHEC durch labordiagnostische Verfahren bestätigt und dem aktuellen Ausbruchsstamm zugeordnet. Zwölf der Infizierten – ausschließlich Kinder – entwickelten das Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das zu schweren Blutgerinnungsstörungen oder Funktionsstörungen der Nieren führen kann. „EHEC-Infektionen können ganz unterschiedlich verlaufen – von harmlosen Durchfällen bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie dem HUS“, erklärt Prof. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Gerade Kinder seien gefährdet, da sie, wie auch der aktuelle Ausbruch zeigt, mit höherer Wahrscheinlichkeit als Erwachsene eine EHEC-bedingte Erkrankung entwickeln. „Besteht der Verdacht auf eine EHEC-Infektion, ist eine schnelle, aber zugleich auch sorgfältige Diagnostik erforderlich“, sagt Lohse. Positiver PCR-Befund nicht zwingend mit akuter Infektion gleichzusetzen Mit Blick auf die aktuellen Fallzahlen mahnt die DGVS, die Befunde kritisch zu betrachten. Der Grund: Immer häufiger kommt die PCR-Diagnostik zum Einsatz. „PCR-Tests erkennen bereits winzige Spuren von Bakterien-Erbgut – auch dann, wenn die Erreger gar nicht mehr lebendig sind und keine Krankheit mehr auslösen können“, erklärt Prof. Sebastian Suerbaum, Vorstand des Max von Pettenkofer-Institutes und Professor für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene an der LMU München. Ein positiver Befund bedeute also nicht automatisch, dass tatsächlich eine akute Infektion vorliegt, so der Experte. „So kann es passieren, dass die Zahl der gemeldeten Fälle höher erscheint, als es die Zahl der wirklich Erkrankten ist“, betont auch Lohse. „Nur die Kultur erlaubt eine sichere Bestätigung, die Bestimmung des Subtyps und wichtige Resistenztests. Erst damit können wir Infektionsgeschehen zuverlässig einschätzen“, ergänzt Suerbaum. Dieses Vorgehen empfehle auch die aktuelle Leitlinie der DGVS zu gastrointestinalen Infektionen. Aus Sicht der DGVS ist es entscheidend, unnötige Beunruhigung zu vermeiden und Patienten zielgerichtet zu versorgen. „Wir raten in der aktuellen Lage zu Besonnenheit“, sagt Prof. Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS aus Bonn. „PCR-Ergebnisse sollten stets durch eine Kultur abgesichert werden. Nur so lassen sich die tatsächliche Bedeutung der Befunde, die Gefährlichkeit des Erregers und die notwendige Behandlung zuverlässig bestimmen.“
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