Nach Erdbeben in Syrien: Mehr Wachstumsstörungen bei Kindern erwartet18. Mai 2023 Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Save the Children besuchen Familien im syrischen Erdbebengebiet und untersuchen die Kinder auf Mangelernährung. (Foto: © Save the Children) Hundert Tage nach dem Erdbeben in der türkisch-syrischen Grenzregion rechnen Helfer in Syrien mit einem nie dagewesenen Ausmaß von Wachstumsstörungen bei Kindern. Die Kombination von steigenden Preisen, wegfallenden Einkommen und einem maroden Gesundheitssystem gefährden die Entwicklung von Millionen von Kindern. Prognosen zufolge könnten mindestens 665.000 weitere Menschen in Syrien in nächster Zeit an Hunger leiden. Der Krieg und die Corona-Pandemie hatten bereits vor dem Erdbeben dazu geführt, dass 12,1 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit und Hunger betroffen waren – mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung. Jedes vierte Kind unter fünf Jahren hatte Wachstumsstörungen (Stunting), jede achte schwangere Frau war akut mangelernährt. Im Nordwesten Syriens, wo zahlreiche Geflüchtete des Syrien-Krieges unter prekären Bedingungen leben, ist die Lage besonders dramatisch. Dort stieg die Zahl der von Stunting betroffenen Kinder bereits im vergangenen Jahr kontinuierlich an. Nach dem Erdbeben hat sich die Ernährungskrise weiter verschärft. Immer mehr Familien können sich kein ausreichendes Essen mehr leisten. „Schon jetzt sehen wir besonders viele Fälle von Wachstumsstörungen. Millionen von Kindern sind aufgrund von Mangelernährung für immer in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung beeinträchtigt“, sagt Rasha Muhrez, Leiterin der Syrien-Einsätze von Save the Children. „Es beunruhigt mich zutiefst, dass die Wirtschaftskrise noch viele weitere Menschen in Syrien in schwere Formen von Hunger treiben wird.“ Stunting ist eine Folge von Mangelernährung. Wenn der Körper zu wenige Nährstoffe erhält, führt dies bei Kindern zu einem verringerten Wachstum, erhöht das Infektionsrisiko und beeinträchtigt auch die geistige Entwicklung. Mangelernährung in der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Fehl- und Frühgeburten, Anämie sowie Müttersterblichkeit bei der Geburt. Die im September 2022 ausgebrochene Cholera-Epidemie in Syrien ist für mangelernährte Kinder besonders lebensbedrohlich. Gleichzeitig fehlt es in dem Land an ausreichender medizinischer Versorgung. „Von den Krankenhäusern, die nach zwölf Jahren Krieg noch standen, wurden durch das Erdbeben viele zerstört“, sagt Antenanie Enyew, Regionaler Ernährungsberater von Save the Children. „Hinzu kommt, dass auch die Mitarbeitenden im Gesundheitssektor massiv unter den Folgen des Krieges, der Pandemie und des Erdbebens leiden. Ich befürchte, dass die Hungerkrise außer Kontrolle gerät.“ Gab es vor dem Kriegsbeginn 2011 noch rund 80.000 Ärztinnen und Ärzte in Syrien, sind es heute nur noch rund 20.000. In einigen Gegenden, auch im Erdbebengebiet, kommt nur ein Arzt oder eine Ärztin auf 10.000 Einwohner. „Die Lage war schon katastrophal. Durch das Erdbeben wurde sie noch schlimmer“, sagt Tareq, ein Arzt in einer von Save the Children unterstützten mobilen Krankenstation. „Es gibt zum einen zu wenige Gesundheitsdienste, zum anderen haben die Leute Schwierigkeiten, dort hinzukommen.“ Die Hilfsorganisation Save the Children fordert eine umfassende und langfristige Unterstützung für die Kinder in Syrien. „Die internationale Gemeinschaft hat sich in Syrien in den zwölf Kriegsjahren auf Nothilfeeinsätze konzentriert, ohne dafür zu sorgen, dass sich die Menschen eine neue Lebensgrundlage aufbauen können und für Krisen gewappnet sind“, sagt Muhrez. „Das wurde durch das Erdbeben sichtbar, aber jetzt haben wir die Chance, die durch die Katastrophe entstandene Aufmerksamkeit für eine neue, auf Langfristigkeit ausgerichtete Hilfe zu nutzen.“
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