Nach Herz-OP: Spezialisierte Aufwachräume entlasten die Intensivstation

Spezialisierter Aufwachraum (PACU) am Herzzentrum Leipzig (Foto: ©Christian Hüller/Helios Kliniken GmbH)

Nach Herz-OP automatisch auf die Intensivstation? Daten aus 15 Jahren ERACS am Herzzentrum Leipzig zeigen: Mit strukturierter PACU-Versorgung lassen sich mehr als 90 Prozent der Patientinnen und Patienten sicher ohne Intensivaufenthalt behandeln.

Muss wirklich jeder herzchirurgische Patient nach der OP routinemäßig auf der Intensivstation betreut werden? Im Jahr 2005 ging am Herzzentrum Leipzig ein neues Projekt an den Start. Das Enhanced Recovery After Cardiac Surgery (ERACS) nutzt die Post-Anesthesia Care Unit (PACU), um Patienten postoperativ zu versorgen und frühzeitig ihre Regeneration voranzutreiben. Eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung aus 15 Jahren Praxis mit 20.773 analysierten Patienten zeigt, dass der strukturierte PACU-Pfad sicher und skalierbar ist und bei mehr als 90 Prozent der nach ERACS behandelten Patienten eine Verlegung auf die Intensivstation vermeidet. Das berichten die verantwortlichen Mediziner aus Leipzig in einer aktuellen Publikation im „Journal of Clinical Anesthesia“.

Strukturierte Patientenselektion ermöglicht sicheren PACU-Pfad

Kern des Leipziger ERACS-Konzepts ist ein klar definierter, evidenzbasierter Prozess: Herzchirurgische Patientinnen und Patienten werden direkt postoperativ in die dafür spezialisierte und mit anästhesiologischem Fachpersonal ausgestattete PACU verlegt. Dort wird eine frühzeitige Extubation (im Mittel nach rund 105 Minuten) angestrebt und die engmaschige Stabilisierung und Überwachung über mehrere Stunden (im Durchschnitt 4 bis 4,5 Stunden) durchgeführt. Anschließend wird die Weiterbehandlung auf einer Intermediate Care Station angestrebt, bevor es auf die Normalstation geht.

Die Voraussetzung für einen sicheren Prozess ist eine strukturierte Patientenselektion am Ende der OP: „Konkret bedeutet dies, dass die Patient:innen postoperativ eine normale Körpertemperatur und einen stabilen Blutkreislauf haben müssen. Außerdem sollten sie keine relevanten Blutungen aufweisen“, beschreibt Prof. Jörg Ender, Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Herzzentrum Leipzig, die Auswahl für den ERACS-Pfad.

Konsequenter Ausbau des ERACS-Konzeptes in Leipzig

Über die Jahre hat das Herzzentrum Leipzig laut eigenen Angaben die Infrastruktur des ERACS-Konzepts konsequent weiterentwickelt: Vom Start 2005 mit drei PACU-Betten bis hin zum Ausbau 2010 auf acht Betten und erweiterten Öffnungszeiten. Parallel sei der Anteil der Patienten, die über die PACU geführt werden konnten, von 19 Prozent (2006) auf 60 Prozent (2020) gestiegen – trotz zunehmender Eingriffskomplexität und steigender Risikoprofile. Dieses Vorgehen schaffe Kapazitäten auf Intensivstationen, die für unvermeidliche intensivpflichtige Fälle benötigt würden, hebt das Herzzentrum hervor.

Ferner habe das ERACS-Konzept neben dem klinischen Nutzen auch eine klare wirtschaftliche Dimension: „Weniger unnötige Tage auf der Intensivstation, effizientere Patientenflüsse und eine bessere Nutzung hochspezialisierter Kapazitäten vereinen hohe medizinische Qualität mit Effizienz“, heißt es vom Herzzentrum Leipzig.

ERACS-Konzept nur im Team möglich

„Der Erfolg des Leipziger ERACS-Konzepts ist vor allem ein Teamerfolg“, resümiert Ender. „Nur durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Anästhesiologie, Herzchirurgie, Intensivmedizin, Pflege, Physiotherapie und Klinikmanagement konnten wir die Prozesse so standardisieren und kontinuierlich verbessern, dass Patient:innen schneller stabil sind, früher extubiert werden können und in vielen Fällen keine intensivmedizinische Nachbetreuung benötigen. Die Datenlage ist einmalig und ermöglichte uns eine umfangreiche Bewertung für eine sichere Patient:innenversorgung“, schließt Ender.