Negative Einflüsse während der Schwangerschaft wirken bis ins Jugendalter9. Januar 2026 Stress, Alkohol und Rauchen während der Schwangerschaft wirken sich negativ auf das Kind aus. (Foto: © BildwerX Photography – stock.adobe.com) Kinder, die pränatal mehr negativen Einflüssen (APE) ausgesetzt waren, zeigen häufiger Verhaltensprobleme, eine schnellere Ausdünnung der Hirnrinde und mehr depressive Symptome. Das berichten Forschende des Mass General Brigham (USA) in „JAMA Psychiatry“. „Wir wollten verstehen, wie sich mehrere negative Erfahrungen während der Schwangerschaft auf die psychische Gesundheit und die Gehirnentwicklung von Kindern bis ins Jugendalter auswirken“, erklärte die Hauptautorin Jodi Gilman, PhD, Direktorin für Neurowissenschaften am Center for Addiction Medicine der Abteilung für Psychiatrie von Mass General Brigham. „Frühzeitiges Eingreifen ist der Schlüssel, weshalb Wissen so wertvoll ist. Zu wissen, was Risikofaktoren sein könnten, ist wichtig für die Routineversorgung – nicht nur für die Schwangerschaftsvorsorge, sondern auch für pädiatrische Vorsorgeuntersuchungen und gegebenenfalls Interventionen.“ Wie lange wirken sich negative pränatale Einflüsse aus? APE erhöhen das Risiko für psychische Probleme im Kindesalter, aber es war bislang unklar, ob die Exposition gegenüber mehreren APE dauerhafte klinische Auswirkungen während der Adoleszenz hat oder die Gehirnentwicklung beeinflusst. Um dies zu evaluieren, untersuchten die Forscher sechs APE, darunter ungeplante Schwangerschaft, Alkohol-, Tabak- und Marihuanakonsum der Mutter vor der Feststellung der Schwangerschaft sowie medizinische Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt. Für die Studie analysierte das Forscherteam Daten von 8515 Jugendlichen, die im Alter von neun bis zehn Jahren in die Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD)-Studie aufgenommen und über vier Jahre beobachtet wurden. Bei ihnen bestimmten die Forschenden mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) die kortikale Dicke, ein Marker für die Reifung des Gehirns, und bewerteten anhand der Child Behavior Checklist (CBCL) psychische Symptome. Symptome ändern sich im Laufe der Zeit Von den eingeschlossenen Kindern waren 78 Prozent mindestens einem APE ausgesetzt, auf 18 Prozent hatten drei oder mehr APE eingewirkt. Die Exposition gegenüber mehreren APEs zeigte einen anhaltenden Zusammenhang mit einem höheren Risiko für klinisch signifikante Pathologien. So war die Exposition gegenüber mehreren negativen Erfahrungen während der Schwangerschaft mit einem anhaltenden Anstieg des Risikos für psychische Probleme im späteren Leben der Kinder verbunden. Die Forscher stellten fest, dass sich die Symptome im Laufe der Zeit veränderten. Sie beobachteten, dass jüngere Kinder, die mehr APE ausgesetzt waren, häufiger Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufwiesen, während ältere Kinder häufiger an einer beginnenden Depression litten. Darüber hinaus zeigten Teilnehmer mit einer höheren Anzahl von APE während der Pubertät eine überdurchschnittlich schnelle Ausdünnung der Großhirnrinde. Dieser Prozess trat vor allem in den Gehirnregionen auf, die die Aufmerksamkeit, die Gedächtnisverarbeitung und die visuelle Wahrnehmung steuern – allesamt Bereiche, die für die Reifung des jugendlichen Gehirns entscheidend sind und bereits zuvor mit einem Risiko für psychische Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Siebenfach erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen Die Forscher räumen ein, dass ihre Studie nicht vorhersagen könne, welche Kinder konkret psychische Probleme entwickeln werden. Während der gesamten Kindheit – nicht nur während der Schwangerschaft – können viele Faktoren die Gehirnentwicklung von Jugendlichen beeinflussen. Eindeutig war aber: Kinder mit drei oder mehr APE wiesen ein fast siebenfach erhöhtes Risiko für klinisch signifikante psychische Symptome im Jugendalter auf. Darüber hinaus wiesen in einer Untergruppe von 414 Geschwisterpaaren, die sich in der Anzahl der APEs unterschieden, die Geschwister mit mehr Expositionen schlimmere Symptome und eine schnellere kortikale Ausdünnung auf. Dies bestätige den Autoren zufolge die Hauptergebnisse und kontrolliere gleichzeitig Unterschiede auf Familienebene. „Diese neuen Erkenntnisse verbinden zwei kritische Phasen der Gehirnentwicklung – das pränatale Leben und die Adoleszenz – und verfolgen das Risiko für psychische Erkrankungen bei Jugendlichen bis zu ihren frühesten Ursachen zurück. Der nächste Schritt besteht darin, Wege zu finden, um die pränatale und frühe Lebensumgebung so zu gestalten, dass Resilienz aufgebaut wird – insbesondere für Kinder, die für einige dieser Risiken prädisponiert sind“, erklärte der leitende Autor Joshua Roffman, MD, Direktor der Mass General Early Brain Development Initiative, einer Zusammenarbeit der Abteilungen für Psychiatrie, Geburtshilfe und Gynäkologie, Pädiatrie und Medizin des Mass General Brigham.
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