Neue Behandlungsempfehlungen für Diabetes-Patienten mit Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen

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Eine neue Leitlinie berücksichtigt die unterschiedlichen Risikoprofile der Patienten in Bezug auf Herz-Kreislauf- und Nierenproblematiken. Im Fokus stehen Betroffene mit gleichzeitiger Adipositas sowie Medikamente, die die Gewichtsabnahme erleichtern.

Ein internationales Expertengremium hat im „British Medical Journal“ (BMJ) im Rahmen der Serie „BMJ Rapid Recommendations“ eine neue, fortlaufende Leitlinie für die Behandlung von Patienten mit Diabetes vorgeschlagen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Anwendung gängiger Diabetesmedikamente im Zusammenhang mit Risiken für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Adipositas. Grundlage für die Empfehlungen ist ein systematisches Review und eine Netzwerk-Metaanalyse von Daten aus 869 randomisierten kontrollierten Studien, die fast eine halben Million Erwachsene mit Typ-2-Diabetes umfassen. Diese Studien decken 63 Medikamente und 26 für Patienten als wichtig eingestufte Outcomes ab.

„Alle Länder haben Schwierigkeiten, mit all den neuen Medikamenten und Studien Schritt zu halten. Die systematische Übersichtsarbeit, die diesen Leitlinien zugrunde liegt, ist in ihrem Umfang rekordverdächtig. Sie verdeutlicht, warum eine globale Zusammenarbeit im Bereich der fortlaufenden Evidenz notwendig ist, um Politik und Praxis zu informieren, so wie wir es auch bei COVID-19 getan haben“, erklärt Senior-Autor Prof. Per Olav Vandvik.

SGLT-2- und GLP-1-Wirkstoffe bei erhöhtem Risiko

Laut der neuen Leitlinie sollten SGLT-2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten in nahezu allen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, die ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen aufweisen. Auch für die Mehrheit der Erwachsenen mit einem mittleren Risiko für diese Komplikationen wird die Anwendung empfohlen. Bei Patienten mit geringerem Risiko rät das Gremium hingegen von einer routinemäßigen Empfehlung dieser Medikamente ab und empfiehlt Ärzten, die jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten mit ihren Patienten zu besprechen. Entscheidungen sollten eher kontextbezogen getroffen werden und auf den für den Einzelnen wichtigsten Aspekten basieren.

Für Erwachsene mit Diabetes und bereits bestehender chronischer Nierenkrankheit, die ein erhöhtes Risiko für Komplikationen aufweisen, wird darüber hinaus die Anwendung des Wirkstoffes Finerenon empfohlen, da der Nutzen die Risiken eher überwiegt.

Tirzepatid bei Adipositas unabhängig vom Risiko

Für adipöse Diabetes-Patienten wird die zusätzliche Bedeutung einer Gewichtsabnahme betont, weshalb der Wirkstoff Tirzepatid unabhängig vom Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenkomplikationen in diesen Patienten eingesetzt werden sollte. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass Ärzte bei der Medikamentenwahl die bessere kardiovaskuläre und renale Wirksamkeit der GLP-1-Rezeptoragonisten gegen den größeren Gewichtsverlustvorteil durch Tirzepatid abwägen sollten.

Die Entscheidung sollte auf dem Risikoprofil des Patienten basieren, aber persönliche Präferenzen mit einbeziehen. Grundsätzlich sollten jedoch keine Medikamente durch Tirzepatid ausgetauscht werden, welche die Risiken für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen in den betroffenen Patienten senken. Stattdessen sollten in diesen Fällen andere entsprechende Medikamente ergänzt werden.

Fortlaufende Leitlinie für die Zukunft

Die Empfehlungen basieren auf den aktuellen Erkenntnissen und sind Teil der Initiative „Rapid Recommendations“ des BMJ. Ziel der Initiative ist es, schnelle und zuverlässige Empfehlungen auf Grundlage neuer Erkenntnisse zu erstellen und Ärzten dabei zu helfen, bessere Entscheidungen für ihre Patienten zu treffen. Die Leitlinie nutzt den GRADE-Ansatz, um die Qualität der Daten zu bewerten und strukturierte, zuverlässige Empfehlungen abzugeben. Sie wird von einer interaktiven Entscheidungshilfe (MATCH-IT) begleitet, die die gemeinsame Entscheidungsfindung unterstützt.

Daher befürworten die Autoren die Wiederverwendung, Anpassung und Übersetzung dieser fortlaufenden Leitlinien durch globale Initiativen wie die Alliance for Living Evidence (ALIVE) und die Evidence Synthesis Infrastructure Collaborative (ESIC). Das Gremium hat sich außerdem dazu verpflichtet, die Empfehlungen regelmäßig gemäß der sich entwickelnden Datengrundlage zu aktualisieren.

(mkl/BIERMANN)