Neuer Antibiotika-Träger aus Eigenblut bekämpft Knocheninfektionen13. November 2019 Preisträger Jan Geßmann (2.v.r.) bei der Preisverleihung auf dem diesjährigen DKOU. Foto: ©T_Tanzyna_Intercongress Dr. Jan Geßmann, Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil hat den Herbert-Lauterbach-Preis für seine Forschung zur Bekämpfung von Knocheninfektionen mit einem neuen Antibiotika-Träger. Knocheninfektionen können vielfältige und lang anhaltende Beschwerden auslösen und erfordern oft eine sehr anspruchsvolle Behandlung. Um die übliche lokale Antibiotika-Therapie zu optimieren, erforscht Dr. Jan Geßmann, Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil (Direktor: Prof. Thomas A. Schildhauer), eine besondere Trägermatrix aus körpereigenem Biomaterial: Dieser sogenannte Plasmaclot kann auf den betroffenen Knochen aufgetragen werden und dann gezielt das Antibiotikum freisetzen, um die Infektion zu bekämpfen. Für seine Arbeit hat Dr. Geßmann als einer von zwei Preisträgern den diesjährigen Herbert-Lauterbach-Preis erhalten. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin verliehen. Weiterer Preisträger ist Dr. Florian Neubrech, Oberarzt an der BG Unfallklinik Frankfurt. Gel aus Eigenblut Mediziner behandeln infizierte Knochen häufig mit lokal angewandten Antibiotika (Antibiose). Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Infektion direkt am Wirkort behandelt wird. Oft werden dabei Antibiotika-beladene Biomaterialien wie Kollagen-Schwämme oder Knochenersatzmaterial (PMMA) als Träger verwendet. Geßmann und seine Arbeitsgruppe haben untersucht, ob sich auch ein autologes Biomaterial als Antibiotika-Träger eignet. Dafür wählten die Forscher sogenannte Plasmaclots. Diese werden hergestellt, indem man aus dem Vollblut des Menschen Blutplasma abtrennt. Dem Blutplasma wird Kalzium beigemischt, wodurch ein relativ festes Gel entsteht. Vorteile dieses Materials: Es stammt vom Patienten selbst, erzeugt also keine Fremdkörperreaktion, es ist im Körper abbaubar, und es weist eine Mikrostruktur auf, die diffusionsfähig ist. Bevor das Material in ein Gel umgewandelt wird, wird es mit bestimmten Antibiotika vermengt. Das Gel (Plasmaclot-Antibiotika-Trägersystem) kann dann lokal auf den betroffenen Knochen aufgetragen werden und dort das Antibiotikum zielgenau freisetzen. Förderung durch die DGUV Geßmann und sein Team haben in ihrer Machbarkeitsstudie gezeigt, dass das Verfahren großes Potenzial hat, die lokale Antibiotikatherapie bei Knocheninfektionen zu optimieren. Sie fanden aber auch heraus, dass aufgrund der verschiedenen Protein-Bindungseigenschaften und Diffusionseigenschaften der getesteten Substanzen nicht alle Antibiotika für dieses Verfahren geeignet sind. Die Studie wurde gefördert von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
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