Neuer Grenzwert für Infarkt-Marker Troponin verändert Risikoeinschätzung nach Herz-OP2. Januar 2024 Herzoperation an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie. Foto: ©MedUniIbk/Bullock Ein Innsbrucker Herzchirurgie-Team untersuchte die Blutwerte von mehr als 8000 Patientinnen und Patienten. Ihre Erkenntnis: Die Prognose nach einer Herz-Operation wird maßgeblich vom Biomarker Troponin bestimmt, doch der bisherige Grenzwert war zu niedrig definiert. Der neu berechnete Wert liegt deutlich höher. Die Bestimmung und Überprüfung von Grenzwerten (Cut-offs) nimmt für Prognose und Therapieentscheidung eine zentrale Rolle ein – so auch in der Herzmedizin. Ausgangspunkt für die kritische Überprüfung der Troponin-Grenzwerte durch ein Team der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie (Österreich) war nicht zuletzt der Diskurs zwischen Expertinnen und Experten aus Herzchirurgie und Kardiologie über die Bedeutung des Biomarkers Troponin für das 30-Tage- und das 5-Jahres-Überleben. Der im Blut gemessene Troponin-Wert erlaubt Hinweise auf den Untergang von Herzmuskelzellen, wie er infolge eines Herzinfarktes eintritt. Troponin kann aber auch nach einer Bypass-OP oder anderen invasiven Eingriffen am Herzen massiv erhöht sein. „Auf der Basis bisher geltender Grenzwerte müsste bei jedem zweiten Patienten nach einer Bypass-Operation ein Herzinfarkt diagnostiziert werden – eine Schlussfolgerung, die entscheidenden Einfluss auf die postoperative Prognose und Behandlung hat“, berichtet Can Gollmann-Tepeköylü. Erhöhte Sterblichkeit erst bei höherer Troponinausschüttung Um die Relevanz des Troponin-Wertes für das mit dem Untergang von Herzmuskelzellen zusammenhängende Sterblichkeitsrisiko realistisch beurteilen zu können, haben die Herzchirurgen Gollmann-Tepeköylü, Nikolaos Bonaros, Johannes Holfeld und Leo Pölzl die Troponin-Werte (sensitives kardiales Troponin T, hs-cTnT) von 8292 Patientinnen und Patienten, die in Innsbruck zwischen 2010 und 2020 einer Bypass-, Aortenklappen- oder einer anderen Herz-OP unterzogen worden waren, retrospektiv analysiert. Alle Daten wurden vom Zentrallabor der Klinik Innsbruck zur Verfügung gestellt. In der im „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlichten Studie kommt das Innsbrucker Team zum Schluss, dass die postoperativ gemessenen Troponin-T-Grenzwerte zur Bestimmung des Sterblichkeitsrisikos höher liegen als in den aktuellen Definitionen vorgeschlagen wird. „Der von uns neu berechnete Troponin-Wert für das 5-Jahres-Überleben liegt um ein Vielfaches höher als der bislang definierte Ausgangswert. Das bedeutet, dass derzeitige Definitionen des postoperativen Herzinfarkts schlichtweg falsch sind“, sagt Erstautor Pölzl. Die derzeitigen Definitionen würden keinen Zusammenhang mit dem 30-Tage-Überleben zeigen, die neu berechneten jedoch schon. Diese Ergebnisse lassen weitreichende Auswirkungen auf die Anpassung der Leitlinien erwarten und werden auch in den Diskurs über die Entscheidungsfindung für die Behandlung koronarer Herzerkrankungen einfließen. „In jedem Fall geben die Ergebnisse unserer Analyse nun mehr Sicherheit bei der Bewertung von OP-Ergebnissen“, betont Klinikdirektor Michael Grimm. Das Team der Innsbrucker Herzchirurgie sieht zudem auch die Notwendigkeit individualisierter Troponin-Grenzwerte. Ziel ist es, angepasste, auf den Patienten und die Patientin zugeschnittene Cut-offs zu definieren, die sich an Kriterien wie der Herzmuskelmasse oder dem Geschlecht orientieren. Bis zu 80 Prozent des Bypass-Kollektivs sind Männer, Frauen haben oft andere, diffusere Gewebsveränderungen und auch genuine Nachteile, die es bei Bypass-Operationen zu berücksichtigen gilt. Eine Folgestudie nach Genderkriterien ist bereits in Planung.
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