Neuer Risikoscore präzisiert Rezidivrisiko bei B-ALL unter Blinatumomab

Krebskrankes Kind in der Klinik (Symbolbild erstellt mit Google Gemini).

Wenn Kinder und Jugendliche mit B-Zell-akuter lymphatischer Leukämie (B-ALL) mit dem bispezifischen Antikörper Blinatumomab behandelt werden, kann das molekulare Ansprechen nach dem ersten Immuntherapie-Zyklus in Kombination mit spezifischen genetischen Markern das Rückfallrisiko deutlich präziser prognostizieren als bisherige Kriterien.

Die zunehmende Integration des bispezifischen Antikörpers Blinatumomab in die Erstlinientherapie der B-ALL hat die Behandlungsaussichten junger Patienten erheblich verbessert. Allerdings beruht die Stratifizierung des Rückfallrisikos bislang weitgehend auf Parametern der Chemotherapie-Ära wie Alter, initiale Leukozytenzahl oder Ansprechen auf die klassische Induktionsbehandlung. Ob diese Kriterien auch im Zeitalter der Immuntherapie gelten, untersuchte ein Forscherteam aus Großbritannien und Irland an 225 Patienten im Alter von einem bis 24 Jahren. Die Betroffenen erhielten zwischen 2018 und 2025 aufgrund einer Chemotherapie-Intoleranz oder -Resistenz Blinatumomab anstelle ausgewählter Elemente des primären Chemotherapie-Backbones. Nach der Antikörpergabe absolvierten 195 Patienten eine fortgesetzte Chemotherapie (Blin-CT), während 30 eine Stammzelltransplantation in erster Remission erhielten.

Konventionelle Parameter ohne Aussagekraft

Die Studie ergab, dass viele der Risikofaktoren, die traditionell zur Vorhersage eines Rückfalls bei akuter lymphoblastischer Leukämie im Kindesalter herangezogen wurden – darunter Alter, Anzahl der weißen Blutkörperchen, genetische Hochrisikomerkmale und messbare Resterkrankung vor der Blinatumomab-Behandlung –, für Patienten, die diesen immuntherapeutischen Ansatz erhielten, keine verlässlichen Indikatoren mehr darstellten. Stattdessen war der stärkste Prädiktor für einen zukünftigen Rückfall die Menge der nach dem ersten Blinatumomab-Zyklus verbleibenden Leukämiezellen.

Das Team identifizierte zudem zwei genetische Subtypen, die als IKZF1plus- und DUX4-rearrangierte Leukämie bekannt sind und mit einem schlechteren Ansprechen auf die Behandlung sowie einem höheren Rückfallrisiko assoziiert waren.

Die Bedeutung eines frühen Ansprechens

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelten die Forscher ein neues Instrument zur Risikostratifizierung namens „BlinPredict“, das das frühe Ansprechen auf die Behandlung mit genetischen Informationen kombiniert, um diejenigen Patienten zu identifizieren, bei denen das Risiko eines Krebsrückfalls am höchsten ist.

„Die Fähigkeit, genau vorherzusagen, wie das schonendere, wirksamere Medikament unseren Patienten helfen wird, bedeutet weniger Chemotherapie, mehr Schultage, mehr Zeit zu Hause und letztendlich mehr Zeit, in der sie einfach Kinder sein können“, erklärte Dr. Sujith Samarasinghe, Facharzt für pädiatrische Hämatologie am GOSH und einer der Hauptautoren der Studie.

In zukünftigen Arbeiten wollen sich die Forschenden darauf konzentrieren, zu verstehen, warum manche Leukämien gegen Blinatumomab resistent sind, sowie Risikofaktoren in anderen Patientengruppen zu identifizieren, darunter auch Erwachsene mit ALL. (ej/BIERMANN)