Neuer Therapieansatz bei bösartigem Hirntumor im Kindes- und Jugendalter31. Oktober 2023 Foto: © 2022 Vadi Fuoco/Shutterstock Eine Studie unter der Leitung der Medizinischen Universität Wien zeigt einen anhaltenden Überlebensvorteil der antiangiogenen Therapie bei einem Wiederauftreten des Medulloblastoms. Diese Form der Therapie hungert den Krebs aus, indem sie vor allem in die Krebsumgebung eingreift. Medulloblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter und für rund 20 Prozent aller Hirntumoren bei Kindern verantwortlich. In zirka einem Viertel der Fälle kommt es trotz Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zu einem Rezidiv des Tumors. Für diesen seltenen Tumor gab es im Rezidiv bisher keine kurativen Therapiemöglichkeiten. Im Rezidiv ist ein Medulloblastom fast immer im Gehirn gestreut und somit keine neurochirurgische Totalresektion (komplette Entfernung) möglich, gegen konventionelle Chemotherapeutika ist der Tumor resistent, eine Bestrahlung im Gehirn mit tumorwirksamer Dosis ist nur einmalig möglich. Die neue Therapie hungert den Krebs aus, indem diese vor allem in die Krebsumgebung eingreift. Seit 2006 hat die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Teil des Comprehensive Cancer Centers und des Comprehensive Centers for Pediatrics von MedUni Wien und AKH Wien, diesen Patienten eine metronomisch antiangiogene medikamentöse Therapie verabreicht. „Die antiangiogene Therapie verhindert, dass der Tumor Blutgefäße bilden kann, die er für das weitere Wachstum benötigt. Dieser Therapieansatz im Rezidiv ist insofern attraktiv, da in erster Linie nicht der Tumor selbst angegriffen wird, sondern die Krebsumgebung, das sogenannte ,Microenvironment‘, und der Tumor sozusagen aushungert“, erklärt der Erstautor der MEMMAT-Studie, Andreas Peyrl von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Ein Viertel der Patienten zeigt Langzeit-Überleben von mehr als fünf Jahren Metronomisch bedeutet in diesem Zusammenhang die tägliche Einnahme der Medikation in einer niedrigen Dosierung, sodass diese Medikamente ohne Unterbrechung über einen langen Zeitraum gegeben werden können. Bei den eingesetzten Medikamenten handelt es sich entweder um niedrig dosierte Chemotherapeutika, aber auch um Medikamente aus anderen Gebieten, die etwa in der Rheumatologie oder zum Senken von Blutfetten zum Einsatz kommen. Verstärkt wird die orale und intravenöse Therapie durch intraventrikuläre Chemotherapeutika, die direkt in den Liquor, die Hirnflüssigkeit, injiziert werden. Obwohl für die Patienten regelmäßige Krankenhausbesuche nötig sind, handelt es sich beim untersuchten MEMMAT-Kombinationsschema um eine insgesamt gut verträgliche und ambulante Behandlung. Die Studie, die an der MedUni Wien initiiert und finanziert, jetzt in „JAMA Oncology“ publiziert wurde und insgesamt 40 Patienten im Zeitraum von 2014 bis 2021 in Österreich, Tschechien, Spanien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen und den USA einschließt, bringt vielversprechende Ergebnisse bei zuvor bestrahltem Medulloblastom-Rezidiv. Ein Viertel der Patienten zeigt ein Langzeit-Überleben von mehr als fünf Jahren. Mit bisherigen Therapien gab es bei der Patientengruppe nur vereinzelt ein längeres Überleben. „Die Ergebnisse der Studie sind sehr erfreulich, wir können Betroffenen damit erstmalig eine aussichtsreiche Therapie anbieten“, erkärt Peyrl. In Österreich betrifft diese seltene Form der Erkrankung circa drei Kinder pro Jahr. Das nächste Ziel ist jetzt, diese Medikation in einer randomisierten Studie in Europa und den USA einer weiteren Bewertung zu unterziehen.
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