Ausgabe 32/2026

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Mittwoch, 05. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Schlaganfall kann von einem Tag auf den anderen das Leben komplett auf den Kopf stellen – und das nicht nur im hohen Alter. Zwar besitzt das Gehirn die Fähigkeit, sich selbst nach einem Schlaganfall wieder zu reparieren, doch diese Kräfte lassen bereits innerhalb weniger Monate nach. Bekannt ist, dass Mikroglia dabei eine zentrale Rolle spielen: Nach einer anfänglichen Entzündungsreaktion wechseln sie in einen reparativen Zustand und produzieren Wachstumsfaktoren wie den insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1 (IGF1), die die Remyelinisierung unterstützen, neuronale Verbindungen stärken und die funktionelle Erholung fördern. Warum diese Reparaturfähigkeit jedoch bereits nach so kurzer Zeit schon wieder nachlässt, war bislang weitgehend ungeklärt. Dieser Frage gingen japanische Forschende in einer in „Nature“ veröffentlichten Studie nach: Sie identifizierten den Transkriptionsfaktor ZFP384 als einen zentralen Regulator, der die Expression reparaturfördernder Gene in Mikroglia unterdrückt. Im Mausmodell führte sowohl das gezielte Ausschalten des Gens Zfp384 als auch die Behandlung mit einem eigens entwickelten Antisense-Oligonukleotid, das die Expression von Zfp384 hemmt, dazu, dass Mikroglia ihren reparativen Zustand deutlich länger aufrechterhielten. Gleichzeitig verbesserten sich Remyelinisierung, synaptische Plastizität und die langfristige neurologische Erholung. Auch im Hirngewebe von Schlaganfall-Patienten fanden die Forschenden Hinweise auf denselben Mechanismus: Die Expression des menschlichen Orthologs ZNF384 war erhöht, die IGF1-Spiegel nahmen ab. Dies spricht dafür, dass der identifizierte Signalweg auch beim Menschen therapeutisch relevant sein könnte.

Während diese Arbeit darauf abzielt, die körpereigenen Reparaturmechanismen des Gehirns länger aufrechtzuerhalten, setzt eine zweite Studie aus Würzburg bereits unmittelbar nach dem Gefäßverschluss an. Im Mittelpunkt der Arbeit stand das NLRP3-Inflammasom, ein zentraler Regulator entzündlicher Prozesse. In experimentellen Modellen führte dessen gezielte Hemmung zu einer Abschwächung der Entzündungsreaktion und verlangsamte das Fortschreiten des Infarkts bereits während des Gefäßverschlusses. Darüber hinaus gelang den Forschenden erstmals auch der direkte Nachweis von NLRP3 beim Menschen während eines akuten Schlaganfalls. Die Anzahl NLRP3-positiver Immunzellen korrelierte mit dem klinischen Verlauf in den ersten drei Monaten und könnte künftig als prognostischer Marker Anwendung finden. Langfristig wäre den Autoren zufolge ein Einsatz von NLRP3-Inhibitoren als Akuttherapie beim Schlaganfall bereits im Rettungswagen denkbar.

Beide Arbeiten verfolgen unterschiedliche Strategien, jedoch dasselbe Ziel: die Folgen eines Schlaganfalls langfristig zu begrenzen. Zwar befinden sich beide Ansätze noch im präklinischen Stadium, doch zeigen sie bereits jetzt, dass die Schlaganfalltherapie künftig weit über die reine Wiedereröffnung verschlossener Gefäße hinausgehen könnte.

Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie wie immer in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal BIERMANN MEDIZIN.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!




   Ihre
   Lena Johannes

 

 
 
Neuer Ansatz zur Unterstützung der Reparaturfähigkeit des Gehirns nach einem Schlaganfall

Neuer Ansatz zur Unterstützung der Reparaturfähigkeit des Gehirns nach einem Schlaganfall

Eine neue Studie zeigt: Die gezielte Blockade von ZFP384 kann die Reparaturfähigkeit des Gehirns nach einem Schlaganfall unterstützen, indem sie Mikroglia in einem reparativen Zustand hält und so die langfristige Erholung fördert.

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VYVGART ist als s.c. Fertigspritze zusätzlich zur Standardtherapie zugelassen und gibt Menschen mit AChR-Ak-positiver generalisierter Myasthenia gravis ein Stück Unabhängigkeit: Die Fertigspritze ist mit wenigen Handgriffen gebrauchsfertig und kann von Patient:innen selbst oder Pflegepersonen verabreicht werden1,* – ob zuhause oder auf Reisen.

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Neuroprotektion durch NLRP3-Blockade beim akuten Schlaganfall

In der Fachzeitschrift „Cell Reports Medicine“ berichten Forschende aus Würzburg über NLRP3 als vielversprechendes Zielmolekül: Dessen Blockade konnte im Experiment das Fortschreiten von Schlaganfällen bereits während des Gefäßverschlusses verlangsamen.

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Jetzt neu: ZILBRYSQ® Pen für gMG

Jetzt neu: Mit dem ZILBRYSQ®-Pen können Patient:innen mit gMG von bewährter Wirksamkeit mit mehr Komfort profitieren.1–3 Die tägliche subkutane Anwendung mit dem ZILBRYSQ®-Pen ermöglicht die Selbstapplikation zuhause oder unterwegs, bei einer gleich starken und anhaltenden Symptomverbesserung wie bei der Fertigspritze.#,1,3

Fußnoten und Referenzen | Pflichttext

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Placebo-Schmerzlinderung beruht auf unterschiedlichen neuronalen Mechanismen

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Der Placebo-Effekt beruht nicht auf einem einheitlichen Mechanismus im Gehirn. Ein internationales Forschungskonsortium analysierte Hirnbildgebungsdaten aus 16 Studien mit insgesamt 409 Teilnehmenden und identifizierte unterschiedliche neuronale Mechanismen.

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Alzheimer: Fehlfaltung des β-Amyloid-Proteins ist stärkster Biomarker im symptomfreien Stadium

Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum legt nahe, dass die Fehlfaltung des β-Amyloid-Proteins der stärkste blutbasierte Biomarker für die Alzheimer-Krankheit im symptomfreien Stadium ist. Sie zeigt das Risiko Jahre vor der klinischen Diagnose und deutlich früher an als der weit verbreitete Plasma-Biomarker p-Tau217.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Neuroinflammatorische Marker sTREM2 und YKL-40 in Zusammenhang mit der Pathologie der Alzheimer-Krankheit: ein systematischer Review und eine Metaanalyse.
Mol Psychiatry 30.07.2026

Visuelles Arbeitsgedächtnis bei älteren Erwachsenen mit und ohne früh beginnende Depression: Eine Studie mittels Ecological Momentary Assessment.
Am J Geriatr Psychiatry 30.07.2026

Wirksamkeit und Sicherheit der fäkalen Mikrobiota-Transplantation bei Parkinson-Krankheit: eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse.
Neurol Sci 2026;47(8):668.

Biomarker im Liquor offenbaren eine transdiagnostische synaptische Dysfunktion bei wichtigen psychiatrischen Erkrankungen.
Nat Commun 2026;17(1):7604.

 
 
 
Schilddrüsenhormon T3 mindert Rezidivrisiko bei Medulloblastomen

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Die Gabe des Schilddrüsenhormons Triiodthyronin (T3) nach einer Chemotherapie kann das Wachstum von Medulloblastomen signifikant unterdrücken und Rezidive verhindern. Darauf deuten die Ergebnisse präklinischer Studien hin.

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KURZMELDUNGEN:

Forschende haben elf unabhängige Risiko­regionen und neun Gene, die zur Entstehung von Borderline beitragen könnten, identifiziert.
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Eine aktuelle Studie legt nun nahe, dass sportbasierte Interventionen die motorischen Fähigkeiten von Kindern mit Autismus verbessern können.
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Regelmäßige individualisierte Text­nachrichten aufs Handy könnten Jugendliche dazu motivieren, den Konsum von E-Zigaretten zu beenden.
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TERMINE:

3. Jenaer Neurologie Symposium
5. September 2026
Jena

2. Deutscher Schlaganfallkongress
10. –12. September 2026
Berlin

 
 

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