Ausgabe 24/2026

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Mittwoch, 10. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

trotz großer Fortschritte in Diagnostik und Therapie sind viele neurologische Erkrankungen bis heute nicht heilbar. Umso wichtiger ist es, dass Forschende diesen Status quo nicht akzeptieren und hartnäckig ihre Ideen verfolgen, auch wenn es nur mühsam oder langsam vorangeht.

Ein Beispiel für solche Hartnäckigkeit und Geduld, die am Ende mit Erfolg belohnt wird, sind Forschende der ETH Zürich (Schweiz), die vor etwa 20 Jahren begonnen haben, die Rolle des Enzyms GRK2 bei der Alzheimer-Demenz zu erforschen. Ihre Daten legen nahe, dass dessen Fehlfunktion einen sich selbst verstärkenden Teufelskreis aus Zellstress, mitochondrialer Schädigung und Beta-Amyloid-Bildung antreibt. Mit der von ihnen entwickelten experimentellen Substanz „Compound 10“ gelang es den Forschenden nun in Mausmodellen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und das Fortschreiten der Erkrankung deutlich zu bremsen. Damit adressieren die Forschenden nicht nur einen anderen Wirkmechanismus als bisherige Alzheimer-Medikamente, sondern konnten bei den Tieren auch Effekte außerhalb des Gehirns erzielen: Die Substanz beeinflusste auch Herzfunktion und Alterungsprozesse positiv. Da die mitochondriale Dysfunktion als einer der Haupttreiber des biologischen Alterungsprozesses sowie altersbedingter Erkrankungen gilt, sind die Forschenden optimistisch, nicht nur einen neuen Wirkstoff, sondern einen breiten therapeutischen Angriffspunkt identifiziert zu haben.

Wenig Hoffnung auf Genesung haben derzeit auch Patienten mit schwerwiegenden Rückenmarkverletzungen. Doch auch hier könnten die Ergebnisse eines ebenfalls an der ETH Zürich forschenden Teams das sprichwörtliche Licht am Horizont bedeuten. Denn die Wissenschaftler haben mikroskopisch kleine biohybride Systeme entwickelt, die aus neuronalen Vorläuferzellen und magnetoelektrischen Nanopartikeln bestehen. Eingesetzt werden sie – bislang nur im Tiermodell – direkt am Ort der Schädigung, wo sie mittels Magnetfeldern die Zellentwicklung stimulieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mäuse mit vollständig durchtrenntem Rückenmark zeigten nach 28 Tagen eine deutliche Besserung bei Gangbild, Schrittlänge, Koordination und Erkundungsverhalten. Noch liegt eine klinische Anwendung in weiter Ferne, doch die Arbeit verdeutlicht, dass selbst bei Schäden des zentralen Nervensystems, die bislang als irreversibel gelten, neue therapeutische Optionen entstehen.

Eine aufschlussreiche Lektüre und eine schöne Restwoche wünscht Ihnen




   Ihre
   Eva Junker

 

 
 
Neuer Wirkstoff könnte die Entwicklung von Alzheimer bremsen

Neuer Wirkstoff könnte die Entwicklung von Alzheimer bremsen

Forschende der ETH Zürich (Schweiz) haben untersucht, wie ein Enzym Zellstress auslöst und in einem selbstverstärkenden Prozess das Fortschreiten von Alzheimer begünstigt. Ein von ihnen entwickelter Wirkstoff kann diesen Teufelskreis unterbrechen. Bei Mäusen schritt die Demenzerkrankung so deutlich langsamer voran.

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Mikroroboter können das Rückenmark reparieren

Forschende der ETH Zürich (Schweiz) kombinieren Stammzellen mit magnetoelektrischen Nanopartikeln zu steuerbaren Mikrorobotern. Diese lassen sich gezielt zu verletzten Stellen im Rückenmark lenken und stimulieren dort die Zellentwicklung, wie die Wissenschaftler an Zebrafischen und Mäusen zeigen konnten.

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Atogepant: bewährte Migräneprophylaxe
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Seit über einem Jahr ist Atogepant fest etabliert in der Migräneprophylaxe. Die Behandlung punktet mit raschem Wirkeintritt, lang anhaltendem Effekt und erwiesenen Vorteilen gegenüber Topiramat. Die komfortable Einnahme – nur eine Tablette täglich – kann den Alltag von Patient*innen erleichtern und die Therapietreue fördern.

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Neuer PET-Tracer ermöglicht hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems

Neuer PET-Tracer ermöglicht hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems

Forschende des Uniklinikums Würzburg (UKW) haben einen PET-Radiotracer zur Darstellung des Noradrenalin-Transporters (NET) entwickelt, mit dem eine hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems beim Menschen sicher und technisch gut möglich ist.

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Depressionen: Johanniskraut – jeden Sommer der gleiche Mythos…

Photosensibilisierende Effekte unter Therapie mit Johanniskraut-Extrakt werden oft überschätzt. Daten widerlegen diesen Mythos: Im Unterschied zu einer Behandlung mit Citalopram (SSRI) sind
z. B. für Laif® 900 nur Einzelfälle bekannt, in denen eine arzneimittelindizierte Lichtempfindlichkeit auftrat. Kein Grund also, die Therapie im Sommer regelhaft zu unterbrechen!

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Demenzrisiko ist schon in jungen Jahren sichtbar

Eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig zeigt, dass ein etablierter Demenzrisiko-Index bereits bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 39 Jahren mit Unterschieden in der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängt. Bisher galt der Index vor allem für die Risikoabschätzung im mittleren und höheren Erwachsenenalter. 

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Individuell angepasste Blutdruckziele nach endovaskulärer Therapie bei akutem ischämischem Schlaganfall – Eine randomisierte klinische Studie.
JAMA Neurology 08.06.2026

Verschluss des linken Vorhofohrs oder Antikoagulation bei Vorhofflimmern.
N Engl J Med 2026;394:2083–2094.

Geschlechtsspezifische Analyse des frühen Krankheitsverlaufs und der Behandlung in einer deutschen Multiple-Sklerose-Kohorte.
Mult Scler 01.06.2026

Vergleich des Ansprechens auf transkranielle Magnetstimulation und Esketamin-Behandlung bei therapieresistenter Depression.
J Affect Disord 07.06.2026

 
 
 
Erstmals dorsaler Klitorisnerv detailliert dargestellt

Erstmals dorsaler Klitorisnerv detailliert dargestellt

Der Aufbau der menschlichen Klitoris ist trotz erster Forschungserfolge noch weitgehend unbekannt. Forschenden aus Düsseldorf gelang es in einer anatomischen Studie nun erstmals, den Klitorisnerv detailliert darzustellen.

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KURZMELDUNGEN:

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin hat beim Medizinal Cannabis Congress in Berlin klinische Studien zum Einsatz von Medizinal-Cannabis in der Schmerzmedizin angekündigt.
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Das Projekt „Expertenwissen für Menschen mit MS im ländlichen Raum“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden soll Betroffenen in medizinisch unterversorgten Regionen einen besseren Zugang zu spezialisiertem medizinischen Fachwissen ermöglichen.
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Der Pharma-Konzern Boehringer Ingelheim hat angekündigt, 900 Millionen Euro, die eigentlich für hiesige Standorte des Unternehmens vorgesehen waren, nun in anderen Weltregionen zu investieren.
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TERMINE:

Neuropalliatives Frühsommersymposium
19. Juni 2026
Göttingen

Kongress „Kopfschmerzen und kein Ende – im Kontext mit Bewegungsstörungen“
26.–28. Juni 2026
Pörtschach/Wörthersee (Österreich)

12th Congress of the European Academy of Neurology
27.–30. Juni 2026
Genf (Schweiz)

Federation of European Neuroscience Societies Forum 2026
6.–10. Juli 2026
Barcelona (Spanien)

Swiss Society of Spinal Surgery Annual Meeting 2026
27.–29. August 2026
Luzern (Schweiz)

 
 

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