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Liebe Leserinnen und Leser,
trotz großer Fortschritte in Diagnostik und Therapie sind viele neurologische Erkrankungen bis heute nicht heilbar. Umso wichtiger ist es, dass Forschende diesen Status quo nicht akzeptieren und hartnäckig ihre Ideen verfolgen, auch wenn es nur mühsam oder langsam vorangeht.
Ein Beispiel für solche Hartnäckigkeit und Geduld, die am Ende mit Erfolg belohnt wird, sind Forschende der ETH Zürich (Schweiz), die vor etwa 20 Jahren begonnen haben, die Rolle des Enzyms GRK2 bei der Alzheimer-Demenz zu erforschen. Ihre Daten legen nahe, dass dessen Fehlfunktion einen sich selbst verstärkenden Teufelskreis aus Zellstress, mitochondrialer Schädigung und Beta-Amyloid-Bildung antreibt. Mit der von ihnen entwickelten experimentellen Substanz „Compound 10“ gelang es den Forschenden nun in Mausmodellen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und das Fortschreiten der Erkrankung deutlich zu bremsen. Damit adressieren die Forschenden nicht nur einen anderen Wirkmechanismus als bisherige Alzheimer-Medikamente, sondern konnten bei den Tieren auch Effekte außerhalb des Gehirns erzielen: Die Substanz beeinflusste auch Herzfunktion und Alterungsprozesse positiv. Da die mitochondriale Dysfunktion als einer der Haupttreiber des biologischen Alterungsprozesses sowie altersbedingter Erkrankungen gilt, sind die Forschenden optimistisch, nicht nur einen neuen Wirkstoff, sondern einen breiten therapeutischen Angriffspunkt identifiziert zu haben.
Wenig Hoffnung auf Genesung haben derzeit auch Patienten mit schwerwiegenden Rückenmarkverletzungen. Doch auch hier könnten die Ergebnisse eines ebenfalls an der ETH Zürich forschenden Teams das sprichwörtliche Licht am Horizont bedeuten. Denn die Wissenschaftler haben mikroskopisch kleine biohybride Systeme entwickelt, die aus neuronalen Vorläuferzellen und magnetoelektrischen Nanopartikeln bestehen. Eingesetzt werden sie – bislang nur im Tiermodell – direkt am Ort der Schädigung, wo sie mittels Magnetfeldern die Zellentwicklung stimulieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mäuse mit vollständig durchtrenntem Rückenmark zeigten nach 28 Tagen eine deutliche Besserung bei Gangbild, Schrittlänge, Koordination und Erkundungsverhalten. Noch liegt eine klinische Anwendung in weiter Ferne, doch die Arbeit verdeutlicht, dass selbst bei Schäden des zentralen Nervensystems, die bislang als irreversibel gelten, neue therapeutische Optionen entstehen.
Eine aufschlussreiche Lektüre und eine schöne Restwoche wünscht Ihnen
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