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Liebe Leserinnen und Leser,
„Schau mir in die Augen und ich sage dir, ob du Diabetes hast.“ Würde ein Arzt oder eine Ärztin mit diesem Slogan werben, wäre das vermutlich wenig überzeugend – wenn nicht sogar grob fahrlässig. Doch wie sieht es aus, wenn hinter der Aussage nicht ein Mensch, sondern die Künstliche Intelligenz steht?
Ein japanisches Forschungsteam hat einen Algorithmus entwickelt, der auf maschinellem Lernen basiert, und ihn für die Analyse von Gesichtsvideos eingesetzt. Anhand kurzer Videoaufnahmen von nur fünf Sekunden erkannte der Algorithmus mit 90-prozentiger Genauigkeit, ob die Person an Bluthochdruck litt. Zugegeben, die Augen spielten hierbei keine Rolle. Analysiert wurden insbesondere die Durchblutungsmuster der Haut mithilfe von Pulswellenanalysen.
Erstmals vorgestellt hatten die Forschenden um Ryoko Uchida diese Ergebnisse schon im Jahr 2024. Auf dem Jahreskongress der European Society of Cardiology (ESC), der heute in München startet, stellt die Wissenschaftlerin nun neue Daten vor. Diese zeigen, dass der Algorithmus anhand der Gesichtsvideos auch einen Diabetes erkennen kann. Zwar lagen die Genauigkeiten mit 88,2 Prozent bei 30 Sekunden und 81,2 Prozent bei fünf Sekunden unter denen für eine Hypertonie. Dennoch sind die Forschenden hoffnungsvoll, was den Nutzen ihrer Methode angeht und wollen diese nun in größeren und diverseren Kohorten validieren.
Sollte Sie in Zukunft also ein KI-Chatbot dazu auffordern, ihm tief in die Augen zu sehen, dann hat sich das Potenzial des kontaktlosen Screeningverfahrens womöglich bestätigt. Natürlich nur im medizinischen Kontext, versteht sich. Ansonsten handelt es sich wohl eher um ein fragwürdiges Rendezvous.
Auch wir lesen uns hoffentlich nächste Woche wieder – bis dahin wünsche ich eine informative Lektüre und ein schönes Wochenende!
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