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Liebe Leserinnen und Leser,
ein kleiner Schnitt, eine Schürfwunde, ein aufgekratzter Mückenstich: Im Alltag haben Pflaster meist eine reine Schutzfunktion – sei es vor Schmutz oder Berührung. Gerade bei Kindern kann das sichtbare Zeichen der Wundversorgung mitunter auch einen recht ausgeprägten analgetischen Placeboeffekt entfalten. Weit mehr als das soll nun aber ein neuartiges „Herzpflaster“ bieten, das von Forscherinnen und Forschern der Universitätsmedizin Göttingen und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein entwickelt wurde.
Es enthält rund 800 Millionen aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene Herzmuskel- und Bindegewebszellen und wird direkt auf das geschädigte Herz von Patienten mit stark eingeschränkter Herzfunktion aufgebracht. Das im Labor gezüchtete, biologische ventrikuläre Unterstützungsgewebe (BioVAT) soll dort eine mehrere Millimeter dicke Herzmuskelschicht bilden, um die geschwächte Herzmuskulatur zu stabilisieren und langfristig zu unterstützen. Ob das wirklich gelingt, wird derzeit in der klinischen Phase-I/II-Studie BioVAT-HF-DZHK20 untersucht.
Die Ergebnisse einer dreimonatigen Zwischenanalyse der ersten 20 behandelten Patienten erschienen in der vergangenen Woche im „New England Journal of Medicine“ – und schenken Hoffnung: Bei den zwölf Patienten, die die höchste Zelldosis erhalten hatten und für die eine dreimonatige Nachuntersuchung vorlag, zeigte sich bildgebend eine durchschnittliche Zunahme der Wanddicke im behandelten Areal um 4,5 Millimeter. Begleitend wurden leichte Verbesserungen der LVEF sowie der patientenberichteten Lebensqualität beobachtet. Laut den Forschern zeigen sich auch in der mittlerweile mehr als vierjährigen Nachbeobachtung der ersten behandelten Patienten Hinweise auf eine anhaltende Verbesserung der Herzfunktion.
Ein sicherlich spannender Ansatz, der aufzeigt, welche therapeutischen Optionen die moderne Biotechnologie bietet. Dennoch muss hinzugefügt werden, dass ein solches Herzpflaster – wenn sich die Ergebnisse in weiteren Folgestudien bestätigen lassen – nur eine zusätzliche Behandlungsoption für ausgewählte Patienten mit schwerer Herzschwäche darstellen wird, wie auch Koautor Prof. Ingo Kutschka unterstreicht.
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