Vapen, Mehrweg-E-Zigarette und Nikotinbeutel bei Jugendlichen auf dem Vormarsch26. Mai 2026 Foto: aleksandr_yu/stock.adobe.com Der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Vor allem der Konsum neuer Nikotinprodukte wie Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel nimmt deutlich zu. Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel sind extrem ungesund sind und machen schnell nikotinabhängig. Aber ihr Konsum nimmt unter Jugendlichen zu. Das zeigen repräsentative Daten der Drogenaffinitätsstudie 2025 zum Rauchverhalten junger Menschen, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) anlässlich des Weltnichtrauchertags 2026 (31. Mai) erstmals veröffentlicht hat. Demnach rauchte 2025 fast jeder Zehnte der 12- bis 17-Jährigen (9,6 %). 2021 waren es noch 6,1 Prozent. Damit zeigt sich bei Jugendlichen eine gegenläufige Entwicklung zum langfristigen Rückgang des Rauchens bei jungen Erwachsenen. Besonders auffällig: Vor allem Mädchen rauchen deutlich mehr als noch vor fünf Jahren. In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen sank der Anteil Rauchender von 29,8 Prozent im Jahr 2021 auf 26,3 Prozent im Jahr 2025. Mehrheit nutzt Mehrweg-E-Zigaretten Weiter auf dem Vormarsch ist bei jungen Menschen das Vapen: Der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten nimmt deutlich zu. Bei Jugendlichen stieg der Anteil der Konsumierenden seit 2021 von 2,9 auf 6,7 Prozent bei männlichen Jugendlichen und von 1,8 auf 7,8 Prozent bei weiblichen Jugendlichen. Auch bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren hat sich der Konsum erhöht. Bei den jungen Männern nahm der Anteil der Konsumenten von 6,9 Prozent (2021) auf 13,3 Prozent (2025) zu. Bei den jungen Frauen stieg er von 4,7 auf 11,9 Prozent.Neun von zehn Konsumierenden nutzen in den Mehrweg-E-Zigaretten nikotinhaltige Liquids, die oft mit süßen Aromen und jugendaffinem Design vermarktet werden. Auch Nikotinbeutel gewinnen an Bedeutung und das, obwohl der Verkauf in Deutschland untersagt ist. 2025 gaben 5,5 Prozent der Jugendlichen und 18,9 Prozent der jungen Erwachsenen an, diese Produkte bereits ausprobiert zu haben. 2023 waren es noch 4,1 Prozent der Jugendlichen und 14,8 Prozent der jungen Erwachsenen. „Die Drogenaffinitätsstudie ist ein klares Warnsignal“ Die Daten zeigen insgesamt eine Verschiebung im Konsumverhalten junger Menschen. Während der Konsum von Wasserpfeifen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist und auch der von Einweg-E-Zigaretten, gewinnen andere neue Nikotinprodukte an Bedeutung. Vor allem Mehrweg-E-Zigaretten, aromatisierte Liquids und Nikotinbeutel können für junge Menschen attraktiv wirken, obwohl sie gesundheitliche Risiken bergen und Nikotinabhängigkeit fördern können. Prof. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen warnt: „Die Drogenaffinitätsstudie ist ein klares Warnsignal. Jugendliche rauchen und vapen wieder häufiger, und Nikotinprodukte sind für junge Menschen heute leichter sichtbar, leichter verfügbar und oft gezielt attraktiv gemacht. Hier dürfen wir nicht einfach nur zusehen. E-Zigaretten und Nikotinbeutel sind nicht harmlos.“ Nikotin mache abhängig, belaste Herz und Kreislauf und könne junge Menschen früh an dauerhaften Konsum binden, so Streek weiter. Bei E-Zigaretten würden zusätzliche Stoffe inhaliert, die in Mund, Rachen und Lunge gelangen. Bei Nikotinbeuteln werde Nikotin direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen. Mehrweg-E-Zigaretten, Nikotinbeutel & Co.: Gezielte Vermarktung an Jugendliche verantwortungslos „Das ist kein Lifestyleprodukt, sondern ein Gesundheitsrisiko. Besonders verantwortungslos ist die Aufmachung vieler Produkte. Wenn Nikotin nach Cola, Kiwi, Kaugummi oder Menthol schmeckt und in bunten Verpackungen daherkommt, dann ist das keine zufällige Produktgestaltung. Das senkt die Hemmschwelle und macht Nikotin für junge Menschen attraktiv“, kritisierte Streek. Zum Teil seien diese Zusatzstoffe gesundheitsschädlich oder krebserregend und gehörten nicht in die Lungen – „erst recht nicht in die Lunge von Jugendlichen“. Streek fordert klare Regeln für Inhaltsstoffe, Aromen, Werbung und Verpackung. Gesundheitsschädliche und jugendaffine Aromen sollten verboten werden. Er betonte: „Nikotin darf nicht über Geschmack und Design bei jungen Menschen landen. Nikotinbeutel dürfen in Deutschland nicht verkauft werden. Zigaretten und E-Zigaretten gehören nicht in Jugendhände – an unter 18-Jährige dürfen sie nicht verkauft werden, aber das muss auch durchgesetzt werden.“ Die meisten Jugendlichen leben rauchfrei Dr. Johannes Nießen, Kommissarischer Leiter des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: „Die meisten Jugendlichen leben rauchfrei, das ist erst einmal eine gute Nachricht. Gleichzeitig rauchen wieder mehr Jugendliche und auch Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel werden häufiger konsumiert. Das bereitet uns Sorge, denn Nikotin macht schnell abhängig und kann den Einstieg ins Rauchen erleichtern. Deshalb klären wir früh auf, unterstützen beim Ausstieg und setzen uns für klare Regeln ein, die junge Menschen schützen.“ Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit untersucht regelmäßig mit wiederholt durchgeführten Repräsentativbefragungen den Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Für die Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2025“ wurden 7001 junge Menschen im Alter von zwölf bis 25 Jahren im Zeitraum April bis Juni 2025 befragt. In den USA zeigt sich mit Blick auf Vaping übrigens ein Abwärtstrend, wie eine kürzlich in „BMC Public Health“ veröffentlichte Studie zeigen konnte. Den Autoren zufolge sind dafür Aufklärungskampagnen und eine Berichterstattung zu gesundheitlichen Folgen verantwortlich. Pneumologen sehen Handlungsbedarf bei Jugendschutz und Nikotinprävention Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) unterstützt die aktuelle gesundheitspolitische Debatte über den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor nikotinhaltigen Produkten. Die gerade veröffentlichten BIÖG-Daten machen aus Sicht der Fachgesellschaft deutlich, dass Prävention und Jugendschutz in diesem Bereich weiter gestärkt werden müssen. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass insbesondere Einweg-E-Zigaretten und aromatisierte Produkte junge Menschen ansprechen“, erklärt DGP-Präsident Prof. Christian Taube. „Was nach Vanille, Cola oder Erdbeere schmeckt, ist für Minderjährige nicht von Süßigkeiten zu unterscheiden. Hier sind wir alle gesamtgesellschaftlich gefordert!“ DGP-Präsident Christian Taube. (Foto: Mike Auerbach) Die DGP unterstützt mit ihrer Haltung ausdrücklich den Kurs Streecks hinsichtlich eines Verbots von Aromastoffen in E-Zigaretten. „In den Niederlanden und anderen Ländern gibt es bereits gute Erfahrungen mit Verboten von Einweg-E-Zigaretten und Aromen“, macht Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie am Universitätsklinikum Essen, deutlich. Nach Einschätzung der DGP dürften insbesondere süße Aromen, moderne Produktgestaltung und die starke Bewerbung entsprechender Produkte in sozialen Medien zu dieser Entwicklung beitragen. E-Zigaretten: „Keine harmlosen Alternativen“ „E-Zigaretten werden häufig als harmlose Alternative dargestellt. Tatsächlich enthalten sie jedoch gesundheitsschädliche und abhängig machende Substanzen“, fährt der DGP-Präsident fort. „Die These, dass E-Zigaretten zu 95 Prozent weniger gefährlich sind, ist klar widerlegt. Immer mehr Studien zeigen, dass E-Zigaretten die Lunge und die Gefäße schädigen. Sehr oft rauchen Menschen sowohl E-Zigaretten als auch konventionelle Zigaretten, was in Kombination besonders gefährlich ist.“ Taube betonte zudem, was E-Zigaretten darüber hinaus schädlich für die eigene Gesundheit mache, sei ihr hohes Nikotinabhängigkeitspotenzial. „Eine Münchner Studie aus dem vergangenen Jahr konnte zeigen, dass nach dem Gebrauch von E-Zigaretten Nikotin besonders schnell in das Gehirn flutet – weshalb der Wunsch nach mehr, die Sucht, besonders stark ist.“ Jugendschutz heißt, durch Verbote Zugang zu Produkten zu verhindern Die DGP spricht sich deshalb bereits seit Längerem gemeinsam mit weiteren medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften für ein Verbot von Aromastoffen in E-Zigaretten sowie ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten aus. Die Fachgesellschaft fordert außerdem eine deutlich höhere Tabak-Steuer, strengere Regeln für den Online-Vertrieb entsprechender Produkt und eine wirksamere Kontrolle des Jugendschutzes. Zugleich betonen die Pneumologen die Bedeutung evidenzbasierter Angebote zur Tabakentwöhnung. Rauchstopp-Programme, verhaltenstherapeutische Ansätze und etablierte medikamentöse Therapien seien wirksame Instrumente, um langfristig tabak- und nikotinbedingte Erkrankungen zu reduzieren und so die abzusehende Kostenexplosion im Gesundheitssystem nachhaltig zu reduzieren.
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