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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
der Andrang in den Notfallpraxen oder Notaufnahmen stellt für alle Beteiligten – Ärzte, Pflegepersonal, aber auch Eltern und Kinder – eine enorme Belastung dar. Und auch in vielen Praxen quellen die Wartezimmer in Zeiten von hohen Infektionszahlen über. Da scheint es naheliegend, mit telemedizinischen Angeboten Entlastung schaffen zu wollen, wie dies auch der Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Reform der Notfallversorgung vorsieht. Eltern müssen sich mit ihren kranken Kindern nicht mehr auf den Weg in die Praxis machen und in den Praxisräumen beziehungsweise Notaufnahmen herrscht nicht mehr so hoher Andrang.
Dass diese Rechnung möglicherweise nicht aufgehen könnte, zeigt eine Studie aus Kanada, die untersucht hatte, welchen Einfluss telemedizinische Konsultationen auf die anschließende Inanspruchnahme der pädiatrischen Notaufnahmen haben. Das Ergebnis: Nach einem virtuellen Arztkontakt war das Risiko für einen Folgebesuch in einer Notaufnahme innerhalb von drei Tagen höher als nach einem persönlichen Arztbesuch. Als Ursache vermuten die Forschenden, dass eine Konsultation, bei der keine körperliche Untersuchung des Kindes stattfindet, Eltern selbst bei leichten Erkrankungen nicht genug Sicherheit gibt und sie deshalb beim Besuch der Notaufnahme eine Zweitmeinung einholen. Das führt nicht nur zu keiner Entlastung, sondern belastet das Gesundheitssystem zusätzlich.
Damit unterstützen die Ergebnisse aus Kanada auch die Argumente des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen, der in den Plänen der Bundesregierung zur Einrichtung neuer telemedizinischer Angebote weitere Belastungen auf die pädiatrischen Praxen des Landes zukommen sieht. Es bleibt abzuwarten, ob diese Bedenken gehört werden.
Eine aufschlussreiche Lektüre und ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen
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